Jülich - „9komma4”-Gerät eröffnet neue Horizonte für die Medizin

„9komma4”-Gerät eröffnet neue Horizonte für die Medizin

Von: hfs.
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Ein Scherenschnitt, der Spaß macht: Dies betonen jedenfalls Professor Karl Zilles, Walter Märzendorfer (Firma Siemens), NRW-Minister Andreas Pinkwart, FZ-Chef Achim Bachem, Staatssekretär Thomas Rachel sowie Projektleiter Professor Dr. Jon Shah (v.l.). Foto: hfs.

Jülich. Werden in Zukunft Alzheimer oder Demenz schon im Frühstadium erkannt? Wird es möglich sein, Medikamente für die Diagnose und Therapie neurologischer Erkrankungen zu entwickeln? Fragen, die ein einzigartiges Hybrid-Gerät mit Namen 9,4-T-MRT beantworten kann. Davon sind die Mediziner im Forschungszentrum überzeugt.

Technologisch gesehen ist das Gerät ein Prototyp einmaliger Pionierleistung. Denn es vereint einen Magnetresonanz-Tomographen (MRT) mit einem Positronenemissions-Tomographen (PET). „So können wir mit der Neuentwicklung künftig verschiedene Aspekte des Stoffwechsel im Gehirn gleichzeitig untersuchen. Dies eröffnet uns neue Horizonte”, erklärte Professor Jon Shah, Direktor am Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin sowie Leiter des „9komma4”-Projekts.

Installiert hinter einer 900 Tonnen schweren Stahlkammer - der 60-Tonnen-Koloss hat ein rund 190.000 Mal stärkeres Magnetfeld als die Erde - wurde er am Mittwoch offiziell in Betrieb genommen. Natürlich ließ es sich NRW-Innovationsminister Professor Dr. Andreas Pinkwart nicht nehmen, auf die Bedeutung hinzuweisen. „Dies ist ein Meilenstein auf unserem Weg zum Innovationsland Nummer 1. Der technologische Ansatz öffnet auf einem so wichtigen Feld wie der Hirnforschung nicht nur neue Chancen für Jülich und seine Partner, sondern stärkt den Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen.”

Wie das Hybridgerät genutzt werden kann, darauf wies Professor Karl Ziller, Direktor des Instituts, hin. „Jetzt können erstmals gleichzeitig Struktur, Funktion und molekulare Prozesse im Gehirn eines lebenden Menschen untersucht und ihre Wechselwirkungen sowie Therapieeffekte auf allen Ebenen analysieren.”

Damit, so die Mediziner, ist es in Zukunft möglich, frühzeitig die Ursachen für Demenzerkrankungen genauestens aufzuspüren. Gehirnstrukturen, die kleiner als ein Zehntel Millimeter sind, hat bisher noch nie ein Mediziner gesehen. Die Kombination von MRT und PET ermöglicht dies. So werden Veränderungen im Verlauf von neurologischen Erkrankungen früher entdeckt als bisher.

Mit dem starken Magneten wollen die Hirnforscher zukünftig die genauen Mechanismen für neurodegenerative Erkrankungen auf molekularer Ebene untersuchen. „Mit dem neuen Gerät geben wir den Jülicher Forschern und ihren Kooperationspartnern ein extrem leistungsfähiges Werkzeug an die Hand, um die Türen zur Erforschung neuer Diagnoseverfahren und Therapien für Demenzerkrankte aufzustoßen”, erläuterte Staatssekretär Thomas Rachel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, das sich mit fast zehn Millionen Euro an der Finanzierung beteiligt.

Ungefähr die gleiche Summe steuert die Firma Siemens bei, die das Hybridgerät gebaut hat. Genutzt wird es auch von der RWTH Aachen, mit der man neue Strategien zur Vorbeugung, Diagnose und Therapie von psychischer und neurologischer Erkrankungen finden will.
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