Elyas MBarek Freisteller

90 Minuten Hochspannung beim Verhör

Von: hivi
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Das scheinbar harmlose Gesprä
Das scheinbar harmlose Gespräch unter Bekannten entwickelt sich zunehmend zum Psychoduell zwischen Verdächtigem und seinem Verhörer. Foto: Emde

Jülich. Offiziell als Kammerspiel bezeichnet wurde das Theaterstück nach einem Kriminalroman von John Wainwright. Spannend wie ein intelligent aufgebauter Krimi, sich in den Dialogen selbst konstruiert, so empfanden die Zuschauer in der Jülicher Stadthalle den Abend der Abo-Reihe.

Adam Barklay, ein Rechtsanwalt, wird als Zeuge in einem Mordfall geladen. Chief Inspector Parker fehlen lediglich noch ein paar Angaben zu dem Mord, den der Anwalt nach Auffinden einer Mädchenleiche der Polizei meldete. Polizist und Anwalt sind alte Bekannte, jeder mit dem Umfeld des anderen vertraut. Die zunächst entspannte Atmosphäre wird durch den anwesenden Sergeanten Hastings immer wieder aufgeheizt.

Im Laufe des immer härter werdenden Verhörs ergeben sich ständig neue Verdachtsmomente gegen den Anwalt, die durch das Auftreten und die Aussagen seiner Frau Lilian noch erhärtet werden.

Das Verhör wird härter und führt zum körperlich und seelischen Zusammenbruch des Verhörten. Eine dramatische Wendung nimmt der Fall erst in den letzten Minuten und überrascht damit die Zuschauer.

Die Faszination des Stückes liegt auf verschiedenen Ebenen. Die Dialoge sind geschliffen scharf, die Sprache wird gezielt und zweckgebunden eingesetzt. Vom gesellschaftlichen Smalltalk baut sich das Gespräch zum knallharten Verhör auf. Dieses gipfelt in verbalen Attacken und körperlichen Übergriffen.

Ein Mensch, sein Privatleben, sein Berufsleben, sein Stärken und Schwächen werden offengelegt, er wird demontiert, ein Scherbenhaufen produziert. Fragen nach der Gerechtigkeit, der Würde des Menschen, den Grenzen der Verhöre ergeben sich.

Der Verdächtigte wehrt sich lange nach Kräften, verstrickt sich aber immer wieder in Widersprüche. Dunkle Flecken auf der anscheinend so reinen Weste werden sichtbar.

Theo Pfeifer verkörpert die Figur des Rechtsanwaltes so emotional engagiert, dass der Zuschauer seinen Gemütszustand mitleben kann. Vom smarten Rechtsanwalt in Abendgarderobe, der sich in der gesellschaftlichen Oberschicht bewegt bis zum Verbrecher wird das Bild gezeichnet. Die Demontage seiner Persönlichkeit schmerzt, erfüllt aber gleichzeitig mit Befriedigung, da er anscheinend mit seinem Täterprofil für die abscheulichen Morde steht.

Christian Ingomar als Inspector ist der Leiter des Verhörs und entwickelt sich im Laufe der Handlung vom guten Bekannten zum psychologisch geschulten Verhörtaktiker. Christian Ingomar stellte diesen Kriminalbeamten mit großer Liebe zu Details dar. Schon die symbolische Handlung des akribisch genauen Händewaschens zeichnete den Charakter seiner Figur mehr als viele Worte.

Die Rolle des „bösen” Polizisten spielte Philipp Wirz mit starker Mimik und Körpersprache. Jana Reiß als junge Ehefrau des Angeklagten verkörperte die mondäne junge Frau, deren Heirat mit einem alten, reichen Mann nur finanzielle Absicherung und gesellschaftlichen Aufstieg bedeutete.

In hoher Spannung und Anspannung verfolgten die Zuschauer die Handlung. Das überraschende Ende verblüffte, beschämte, machte nachdenklich.

Riesenapplaus waren den brillanten Schauspielern des Grenzland Theaters sicher.
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