90 Jahre Rurblümchen: Sitzung mit bärenstarken Büttenreden

Von: hfs
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Mit der Eurovisionsfanfare marschierten sie ein, um sich dann auf Welttour zu begeben, die in Brasilien endete: das Herrenballett der KG „Rurblümchen“. Foto: hfs
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Legte den Finger in manche Politikerwunde: Heimatredner Thomas Oellers.

Jülich. Dass man heute als Deutschlehrer genau so effektiv arbeitet wie als Ernährungsberater von Reiner Calmund, steht für Martin Schopps ebenso fest wie die Möglichkeit, dass im Jahre 2040 der Elferrat der KG „Rurblümchen“, bestehend aus sechs Ehrensenatoren, begleitet von sechs Krankenschwestern, auf die Bühne geschoben wird.

Pointenreiche Vielfalt, wie sie besser nicht sein kann, zeichnete den Redner aus Köln wiederum einmal auf der Sitzung der Jülicher KG aus. Die hatte sich zum 90. Geburtstag anlässlich der Kostümsitzung nicht nur erstklassige Tanz- und Musikgruppen, sondern mit Schopps auch den Kölner Parodisten bestellt, der eine eigene (!) Marke im Kölner Karnveal darstellt.

Ja, Martin Schopps, Sohn vom „Rumpelstilzchen“ Fritz Schopps, war bärenstark bei seinem Auftritt. Er war das i-Tüpfelchen der Kostümsitzung. Ohne die Leistungen der anderen Künstler abzuwerten, Schopps Gratwanderung, mal nachdenklich wie zum Beispiel bei den schulischen Leistungen seiner Deutschklasse, mal ironisch, mal hintergründig, mal „voll auf die Zwölf“, sein Humor, seine frischen und frechen Gags, wurden wieder von den Jülicher Narren umjubelt, mit langen und stehenden Ovationen bedacht.

Natürlich bekam Schopps eine von drei Raketen in einem fast sechsstündigen Programm, bei dessen Zusammenstellung Literat Wilfried Pauls nicht nur seiner KG, sondern auch den Jecken in der Stadthalle eine besondere Freude bereitete. „Wenn dat Bärche sät, all stond op, stand stond och alle op.“ Wie „Bärchen“ stellt man sich auch im wahren Leben einen Kommandanten vor. Rundlich, charmant und temperamentvoll,

Heinz-Gerd Sester stand nicht den Rot-Weißen Funken Hürth-Gleuel vor, sondern er dirigierte auch die Narren, die nicht nur von seiner „Stimme“ beeindruckt waren, sondern auch feststellten, dass dort oben karnevalistisches Herzblut fließt. „Meer mache keene Zirkus, meer mache keene Saltis, meer setzte op Tradition“, kündigte er die Tänze seiner Funken an, die mit einem Potpourri mit vielen nostalgischen alten kölschen Lied-Kamellchen auf Brauchtum setzten, um dann von den „Blümchen“-Gästen umjubelt zu werden.

Dass Düsseldorfer auch Kölsch mögen, jedenfalls in Liedform, beweisen seit Jahren die „Swinging Funfares“ aus der Landeshauptstadt. Die perfekt abgestimmte Big-Band ließ mit ihrem Swing, Pop oder den Karnevalshits keinen Stuhl besetzt, wurde von einem ausgelassenen Publikum erst nach einigen Zugaben „entlassen“.

Tradition und Brauchtum, dies pflegen seit über 200 Jahren die „Hellige Knäächte un Mägde“, Kölns älteste Tanzgruppe. Sie waren spitze, wie auch die „Cöllner“, die musikalisch mit „Angelina durch janz Kölle“ laufen, um sich dann mit der „Nummer 1 vom Rhein“ so richtig in ein kölsches Medley zu stürzen. Neu auf der Bühne waren die „Botzedresse“, die mit bekannten Stimmungsliedern den Narren einheizten, wie auch die 3 Colonias. Parodist Kai Kramosta kann man erwähnen, mehr aber auch nicht.

Heimatredner Thomas Oellers traf natürlich auf ein mucksmäuschenstilles Publikum, das schließlich wissen will, wie er wieder ein Jahr lang den hiesigen Promis aufs Maul geschaut, hinter die Kulissen geblickt hatte. Jülichs Amateurfunker wurden beim Entfernen von „de füürletzten Antenne op de Merscher Höh schon mit dem Abriss durch die Stadtentwicklungsjesellschaft bedrisse – do stond jetzt nur e paar Schöfjes met enem Hund, ich saach nuur: Drewes nicht ze bunt“, hatte der Heimatredner jetzt den Rat, „ejal op welcher Welle, ihr mütt ens langsam op handy ömstelle.“

Dass Oellers die Bürgermeisterwahl zum Leitthema gemacht hatte, war keine Überraschung. Für jeden der angetretenen fünf Kandidaten hatte er den einen oder anderen bissigen Reim parat, stellte aber fest: „Rischtisch verloore hätt de Wahl nur eene – ma hüürt sickdemm von emm keene mux, mann nennt emm uch, Elmar dä Trachten-Fuchs.“

Tiefgarage, Schwanenteich oder Trommelwäldchen, Oellers legte den Finger in manche Politikerwunde, um dann zu verkünden, dass sich der Papst in Jülich angekündigt hat. „Hä will singem Versprechen nohkumme, dohinn ze jonn, wo de Nut am jröösten iss.“ Dem Heimatredner war ob seiner Spitzfindigkeit die Rakete gewiss, die natürlich Sitzungspräsident Frank Kutsch zünden ließ, der, wie könnte es anderes sein, wieder im Herrenballett aktiv wurde. Dies begab sich Fahnen schwenkend auf Welttour, marschierte zwar mit der Eurovisionfanfare ein, um dann in Brasilien an der Copacabana im neonroten Glitzerhöschen unter dem Geschrei „ihrer“ Groupies die schweißtreibende Tour zu beenden.

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