500 Jahre Reformation: Evangelischer Kirchenkreis feiert in Zitadelle

Von: ptj
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Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (Günter Jendges) spricht mit seiner Schwester, der Kurfürstin Sibylle von Sachsen (Jutta Schwinkendorf), über die Reformation. Foto: Jagodzinska
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Kinder und Jugendliche aus Aldenhoven haben einen neuen Turm gebaut und tragen ein beschriftetes Banner durch das voll besetzte PZ des Gymnasiums Zitadelle in Jülich. Foto: Jagodzinska

Jülich. Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (Günter Jendges), spricht mit seiner Schwester, der Kurfürstin Sibylle von Sachsen (Jutta Schwinkendorf): „So etwas erlebt man nicht alle Tage. Und so viele Leute sind hier! Aber warum dieser große Aufwand?“

Die Kurfürstin entgegnete: „Ich sage nur: 31. Oktober 1517 in Wittenberg! Die Reformation begann vor genau 500 Jahren in unserem Kurfürstentum Sachsen“.

Die imaginäre Szene spielte zu Beginn des Familiengottesdienstes des Evangelischen Kirchenkreises Jülich zum Reformationsjubiläum, das mit großem Bahnhof im PZ des Gymnasiums Zitadelle gefeiert wurde – mit vielen Geistlichen, dem Gospelchor „Glory to God“, Pauken und Trompeten. Zudem organisierte Andrea Katzenburg ein „Circle Singing“, ein mit der Gemeinde im Kanon angestimmtes Lied. „Weil du mich siehst“, heißt das Stück aus eigener Feder, „beseelt vom evangelischen Kirchentag“ in Berlin und Wittenberg.

Superintendent Jens Sannig sprach die Eingangsworte und hielt die Lesung vom „Turmbau zu Babel“, wobei die Gemeinde als Sprechchor fungierte.

Im Verkündungsteil hielt er mit der Synodalassessorin, Pfarrerin Susanne Bronner aus Ratheim-Gerderath, eine Dialogpredigt zu eben jenem Turmbau zu Babel. „Je höher die Menschen diesen Turm bauen, desto weiter weg sind sie von Gott“, stellte die Pfarrerin fest. Dabei „müssen sie nicht hoch zu ihm, um ihn zu erleben. Er kommt runter zu ihnen“. Ferner habe es Pfingsten gebraucht, „damit das allen klar wurde“.

Aber es blieb nicht beim großen „Mit- und Füreinander und Gottes Geist mittendrin“. Sein Angebot wurde abgelehnt oder vergessen. Demonstrativ machten sich Kinder und Jugendliche aus Aldenhoven daran, einen Turm zu bauen, mit den Bausteinen Selbstsucht, Größenwahn, Rechthaberei, Hartherzigkeit, Abgrenzung, Unterdrückung und Gier. Und die „Kirche verdiente mit dem Ablasshandel sogar an der Angst der Menschen“, fasste Bronner zusammen. „Und dann kam Luther, der es gewagt hat, selbst zu denken und seine Gedanken unters Volk brachte“, ergänzte sie. Und Pfingsten „stürzte bei ganz vielen der dunkle Turm im Kopf ein“. Band und Bläser ließen ein Musikbrausen erklingen, der Turm fiel zusammen.

Turm aus bunten Kartons

Dann wurde ein neuer Turm aus bunten Kartons errichtet mit den Bausteinen Mut, Offenheit, Gerechtigkeit, Miteinander, Vertrauen, Toleranz, Respekt, Barmherzigkeit und Freigiebigkeit – und vor allem Liebe. In einer demonstrativen Aktion wurden bunte Kartons in sieben Farben hochgehalten, die für berühmte Bibelworte stehen. Beispiel orange: „Ihr seid das Licht der Welt“ oder weiß: „Selig sind die Barmherzigen“.

Alle Gottesdienstbesucher riefen das Bibelwort laut aus, das im eigenen Gottesdienstablauf farblich markiert war. Dann betonte die Gemeinde den Satz aus dem Römerbrief: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, den Jugendliche auf einem Banner geprägt durchs PZ bewegten.

Die Fürbitten trugen neben Sannig und Bronner die Pfarrer Günter Jendges aus Erkelenz, Charles Cervigne aus Aldenhoven und Hans-Joachim Schwabe aus Wassenberg, Jutta Schwinkendorf aus dem Superintendenturbüro sowie Monsignore Helmut Poqué vom Bistum Aachen vor. Die Kollekte war bestimmt für die Flüchtlingsarbeit in Marokko.

Abschließend resümierten Herzog Wilhelm und seine Schwester die Jubiläumsfeier und sprachen darüber, dass „die verschiedenen Konfessionen heute besser miteinander auskommen“. Erwähnt wurde auch die Toleranz im Herzogtum Jülich den verschiedenen Konfessionen gegenüber – eine Ausnahmesituation im damaligen Deutschland. So waren die historischen Gestalten auch der Meinung: „Die Welt wäre ärmer ohne die Evangelische Kirche“ und luden zum abschließenden Empfang ein. Feierlich stimmte das Bläserensemble aus dem Kirchenkreis „King of the Road“ an.

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