500. Geburtstag von Jülichs Global Player: Wilhelm V.

Von: Guido Jansen
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Die größte Hinterlassenschaft des mächtigen Herzogs Wilhelm V.: die Jülicher Zitadelle. Foto: Archiv JZ/JN
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Die größte Hinterlassenschaft des mächtigen Herzogs Wilhelm V.: die Jülicher Zitadelle. Foto: Archiv JZ/JN

Jülich. Sie muss auf viele Menschen gewirkt haben wie das achte Weltwunder. Das Auge war mit dem Erfassen eines Gebäudes von derartigen Ausmaßen schlicht überfordert. Gut 300 Meter ist das massive Gemäuer der Jülicher Zitadelle breit, egal, von welcher Seite man es betrachtet. Ein Koloss von nicht gekannten Ausmaßen im späten 16. Jahrhundert.

Die Zitadelle war und ist Ausdruck der Macht eines Mannes: Wilhelm V., der Herzog von Jülich-Kleve-Berg. Zu seiner Zeit war das Herzogtum auf dem Zenit, Wilhelm war so mächtig, dass der englische und der französische König in ihm einem geeigneten Waffenbruder gegen den deutschen Kaiser gesehen haben. Das hat auch Wilhelm selbst gedacht und dem deutschen Kaiser Karl V. im Kampf um das Herzogtum Geldern die Stirn geboten. 2016 jährt sich Wilhelms Geburtstag zum 500. Mal. Der Geburtstag des mächtigsten Jülichers aller Zeiten am 28. Juli wirft auch 500 Jahre später noch große Schatten.

„Er war ein Global Player“, sagt Christoph Fischer vom Museum Zitadelle. „Ein bedeutender Reichsfürst, der sich sogar mit dem Kaiser angelegt hat.“ Im Kräftemessen mit dem Kaiser hat Wilhelm den Kürzeren gezogen. Aber für Jülich als Stadt und für das Jülicher Land war und ist der Herzog von enormer Bedeutung. Und deswegen finden anlässlich seines Geburtstags viele Veranstaltungen statt. „Seine Bedeutung für die Stadt ist kaum zu überschätzen“, erklärt Fischer weiter. Denn wegen Wilhelm passt das Synonym Herzogstadt für Jülich. Der mächtigste aller Jülicher Grafen und Herzöge hat der Stadt diese Bedeutung zurückgegeben. Das Herzogtum war zuvor gewachsen, aber die Stadt, deren Namen im Kern des Machtgebietes steckte, das große Teile von NRW und Niedersachsen umfasste und sich bis nach Rheinland-Pfalz erstreckte, war in den Hintergrund getreten. Bis Wilhelm V. ab 1545 die Zitadelle bauen ließ, war Jülich nicht die Residenzstadt der Herzöge. Sie lebten in Düsseldorf, Hambach oder Nideggen. „Mit der Zitadelle haben dann fast alle repräsentativen Empfänge in Jülich stattgefunden. Wilhelm war oft in Jülich“, sagt Guido von Büren vom Museum Zitadelle.

Vielleicht war die Zitadelle auch eine Art Wiedergutmachung in Richtung des Kaisers. Den Erbfolgekrieg um Geldern hatte Wilhelm 1542 gegen Karl V. verloren. 1546, ein Jahr nach dem Baubeginn, heiratete Wilhelm eine Nichte des Kaisers, Maria von Habsburg. Der Baumeister Alessandro Pasqualini hatte schon mehrere große Projekte in Karls Reich umgesetzt. „Das Schloss und die Zitadelle demonstrieren auch Wilhelms Verbundenheit zu den Habsburgern“, sagt von Büren. Nicht nur aufgrund der Bauweise, sondern auch, weil die massive Festung als Bollwerk gegen den französischen König angesehen werden kann. „Jülich lag auch damals nicht irgendwo bedeutungslos am Rand. Die geostrategische Lage war wichtig, mit der Festung konnte der Übergang über die Rur besser gesichert werden“, erklärt von Büren weiter. „Die Zitadelle dürfte den Habsburgern gut in den Kram gepasst haben.“ Sie ist das mit Abstand größte Werk, das unter dem Einfluss des äußerst baufreudigen Wilhelms entstanden ist.

Das hat die Jülicher damals nicht nur gefreut. „Um mit der Queen zu sprechen: Die Jülicher waren aufgrund der großen baulichen Veränderungen in ihrer Stadt not amused“, sagt von Büren. Allerdings sei Wilhelm kein tyrannischer Alleinherrscher gewesen. Alle Entscheidungen habe er mit den Ständen, also dem Klerus, dem Adel und dem Bürgertum, gemeinsam gefällt. „Quellen, in denen die Rede davon ist, dass er bei seinen Untertanen nicht gut gelitten war, liegen uns nicht vor“, schildert von Büren.

Viel ist laut Fischer nicht bekannt über den Menschen Wilhelm. „Wir wissen, dass er humanistisch gebildet war, gerne gejagt und Bier getrunken hat.“ 1592 ist er in seiner Geburtsstadt Düsseldorf gestorben. Mit ihm war das Herzogtum so groß wie nie, nach ihm ist es dann schnell zerfallen.

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