Barmen - 315 Seiten: „Arbeit gegen das Vergessen“

315 Seiten: „Arbeit gegen das Vergessen“

Von: hfs.
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An das Schicksal von 91 gefallenen Soldaten und Einwohner aus Barmen, Merzenhausen und dem Salesianum Overbach erinnert Alexander Holz in seinem Buch, dass jetzt veröffentlich wurde, das er „als Arbeit gegen das Vergessen“ ansieht. Foto: hfs.

Barmen. „Liebe Lina, ich kann nicht in Urlaub kommen, komme aber zur Front. Im Krieg kann man ja immer damit rechnen, dass etwas passiert, dass man tot bleibt, oder erkrankt. So möchte ich dich innig fragen, was geschieht dann mit Dir und unserem Jungen?“ Der Feldwebel Adolf Holz aus Barmen schreibt 1944 einen Brief an seine Frau in der Heimat. Zeilen, die von tiefer Traurigkeit und Existenzängsten geprägt sind.

Sätze, die Angst vor dem Tod und dem Zurücklassen einer finanziell nicht abgesicherten Familie zeigen. Sie sind wiedergegeben im Buch „Als der Krieg nach Barmen kam“ von Alexander Holz, der den Brief vom Bruder seines Großvaters zum Anlass nahm, die Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf das Dorf Barmen und auf die damaligen Bewohner aufzuzeigen. Barmen ist sein Heimatdorf.

Viele Tränen sind geflossen

Bereits am 2. September 1939, so hatte es der Autor erfahren, wurde eine erste Einheit von Wehrmachtssoldaten in der Schützenhalle und im Pfarrheim einquartiert. „Damit begann schon sehr früh die Erkenntnis, dass die Barmener die Kriegseinwirkungen miterleben werden“, sagt Alexander Holz. Ein Krieg, der angesichts des raschen Erfolgs über Polen „wohl bis Weihnachten beendet sein wird.“ So erinnern sich Augenzeugen, die in vielen Stunden des Erzählens mit dem Autor zusammensaßen, wobei „auch viele Tränen flossen.“

Damalige Geschehnisse, die sich jetzt zu einem „Gesamtbild“ zusammengeflossen sind. „Es war nicht mein Ziel, militärische Zusammenhänge offenzulegen. Es war mein Ziel, die Auswirkungen des Krieges auf Barmen und den im Jahre 1939 insgesamt 890 Einwohnern aufzuzeigen“, sagt der Autor. Auch wenn es zu Beginn schwer war, genügend Zeitzeugen zu finden, hatten sie ihren Willen bekundet, „mitzuarbeiten, sich zu öffnen“. „Als Zuhörer erlebte man, wie schwer es ist, intensiv gemachte Beobachtungen von damals mit dem Abstand von mehr als einem halben Jahrhundert zu begreifen“, gibt Holz zu.

So geht Alexander Holz nicht nur auf die Situation der Menschen in der Heimat ein, sondern betrachtet auch mittels der Briefe, die teilweise einer Zensur durch die damalige Kriegsmaschinerie unterzogen wurden, das Leben und Sterben der Barmener Soldaten an den Fronten. „Intensive Beachtung wird dabei den gefallenen Soldaten geschenkt, deren Schicksal eine besondere Profilierung erfährt“, nennt der Autor exemplarisch das Schicksal seines Großonkels, Adolf Holz. „Es ist Blödsinn, überhaupt so etwas zu schreiben, aber es wird besser, wenn ich es Dir übermittle“ versucht der Soldat –die Zeilen während der stetigen Angriffswellen der Russen geschrieben – seine Gedanken auf die entscheidende Aussage zu lenken, „dass es schwer ist für eine Frau, ein ganzes Leben alleine zu bleiben. Auch für unseren Sohn Karl-Heinz...“ Ein Frontbrief, der aufrüttelt, bewegt, aber deutlich macht, wie die Soldaten im fernen Russland mit der Heimat verbunden waren. Noch bevor die Feldpost nach fünf Wochen eintraf, war er gefallen, am 15. Oktober 1944 im heutigen Polen. Holz war einer von 91 Opfern, deren Leidensweg oder die Umstände des Todes bislang unbekannt geblieben waren. Durch die Recherche in verschiedenen Archiven gelang es dem Autor, fast alle vermissten Schicksale aus Barmen, Merzenhausen und des Salesianums Overbach zu klären.

Viele Gespräche, viele überlassene Briefe, abgebildete Wehrpässe und Fotografien bereichern das 315-seitige Werk, das Alexander Holz als „Arbeit gegen das Vergessen“ ansieht. Und „in Anbetracht der langen Zeitspanne ist die Erinnerung an die Soldaten und die ums Leben gekommenen Einwohner auf natürliche Weise gefährdet“, will Holz nicht, „dass das Schicksal der Menschen auf einen bloßen Eintrag auf ihren Grabsteinen oder auf die Tafeln des Ehrenmals am Alten Friedhof in Barmen reduziert wird.“ Alexander Holz Intention: „Dieses Bucht soll einem solchen Prozess entgegensteuern, damit in Zukunft ein menschliches Schicksal hinter einem Namen eröffnet wird und der Leidensweg der Menschen für die Nachwelt - als Mahnung - erhalten bleibt.“

Zu beziehen ist das Buch „Als der Krieg nach Barmen kam“ über die Jülicher Buchhandlung Fischer, beim Autor (Telefon 02461/8018877) selbst oder im Dorv-Laden in Barmen. Es kostet 26 Euro und ist im Verlag Hahne und Schlömer in Düren erschienen.

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