312. Lazarus-Spross mehrsprachig getauft

Von: ptj
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Höhepunkt der altehrwürdigen
Höhepunkt der altehrwürdigen Zeremonie: „Pattühm” Klaus W.A. Schröder tauft den 312. Spross der Historischen Gesellschaft Lazarus-Strohmanus mit einem Schnaps. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Zo Jülich wied, wie allbekannt, de Lazarus jepreck...”. So beginnt das Nationallied der Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus, das traditionell die „Döf” im KuBa einleitet.

Getauft wurde der 312. Sohn der Gesellschaft auf den Namen „Klaus Wilhelmus Albertus”, und zwar vom gleichnamigen Taufpaten: „Pattühm” Klaus W.A. Schröder” muss als Immobilienmakler „arbedde, wenn andere nix dunn”, wie Präsident Heinrich Ningelgen es in seiner Begrüßung ausdrückte.

Gut gebauter Täufling

Schröder brachte seine Freude über die „ganz besondere Ehre” zum Ausdruck, Pattühm eines so „gut gebauten, kräftigen Täuflings zu sein”, den er sofort ins Herz geschlossen habe. Alle seine guten Eigenschaften will er auf den ihm anvertrauten Spross übertragen. Mögen sie in der Kürze der Lebensdauer des Neugetauften zum Tragen kommen: Schröders „rheinischer Humor mit westfälischen Wurzeln” und sein seriöses Auftreten, das den Erfolg für einen „Vermittlungsmakler” garantiere.

Ferner will der Pattühm seine „herausragenden Tanzkünste” vererben, von der seine Frau nach 30 Ehejahren noch schwärme. Schröder, der 1991 den Vorsitz der Stadtgarde übernommen hat, rühmte ganz nebenbei die Tanzausbildung so vieler Kinder und Jugendlicher in den letzten 20 Jahren und vergaß auch nicht zu erwähnen, dass sein Vater vor 41 Jahren ebenfalls Pattühm eines Lazarus-Täuflings war.

Den mit Spannung erwarteten Taufnamen verkündete Ningelgen in drei Sprachen, in seinem selbst kreierten Latein, „Plattdütsch” und „normalem Deutsch” für diejenigen, die ersteres nicht verstehen: „Proles is e gentis occident palus ortum oppidum-prostata et ea ruber-crux-mater. Virus sub et saltare virgonis id communis-cohors in Juliacum. Saepius germanicus-victor cum cohors-saltare. Nobilis concilarus et mercator a monumentum, domus, aula, terra, domicilium, horreum, casa, et stabulum. Canus-flafurs pulder rotundus fremitum benignus ursus, saltare altus-volare Lazarus Strohmanus Klaus Wilhelmus Albertus”.

Im Ripuarischen, dem Dialekt der fränkischen Eingeborenen, will das heißen: „Aus dem Geblöt der Westmuttkrate, Jong vom ahle Bürgermester-Widderpart on de Beging vom fussich Krütz. Hahn em Körv bei de Fraulütt on Dänzerinnen von de Stadt-Kommis-Zaldate us Jülich. Luter on döckes Dütschemester em Huch-Blümerant-Höppe-Doop. Extemierter Verschärbeler von Kruffese, Meetskaserne, Jehöffte, Jrond, Bänd, Bösch, Eäd on Schüre. Jlöhniche jriese jeäle hoorije jood jesennter Keäl wie ne Beär; Klöß, Wellem, Albertes us de Strühmanns-Jesellschaff”.

„Übersetzt ins normale Deutsch” bedeutet dies: „Nachfahre des aus dem Westfalenland stammenden Stadtdirektors und der Rot-Kreuz-Mutter. Mann unter den tanzenden Jungfrauen der Stadtgarde aus Jülich. Mehrfacher Deutscher Meister im Gardetanz. Angesehener Vermittler und Händler von Bauten, Häusern, Gehöften, Ländereien, Wohnungen, Scheunen, Hütten und Ställen. Graublonder rothaariger schöner runder brummender gutmütiger Bär, tanzender und hochsteigender Lazarus Strohmanus Klaus Wilhelm Albert”.

Im Anschluss an die Tauf-Zeremonie mit einem Schnaps wurde der Täufling hochgebunden, damit ihn die feiernde Gesellschaft mit Lazarus-Kappen auf dem Kopf im Blick behalten kann. Im Übrigen kann dieser „Kaf-Lümmel” nach Bekunden Ningelgens im Gegensatz zu Selgersdorfer Strohpuppen auch stehen und benötigt keine Frau zur Geburt, wie es bereits in der Zeitung gestanden habe.

Musikalischer Einlauf

Als „warmer musikalischer Einlauf” hatten schon vor der Zeremonie die beiden Musikanten Wolfgang Gehlen und Hans Weiergans gedient. Gehlen sang aus dem alten Jülicher Giesen-Repertoire das unbekanntere „Unser Städtchen” mit dem Refrain: „Ja, dat ist Jülich...”. In einem Rübenlied nach Rudi-Schuricke-Manier wurde der „Knolle-Knolle-Scherry-Schabau” besungen, bevor das berühmte Hexenturmlied angestimmt wurde.

Mit Schröder als Pattühm war der anschließende Auftritt der Stadtgarde keine Frage. Viele galant geschwungene Beine auf der Bühne sorgten für Stimmung im gut gefüllten Kuba-Saal. Engen Bezug zu Jülich zeigte im Anschluss der beliebte Balladensänger „Pflaumenflücken” alias Bernd Flücken.

Seine Ablösung übernahm der Kölner „Pfundskerl” und Karnevals-Senkrechtstarter Kai Kramosta mit vielen Angriffen auf die Lachmuskeln. Als „große Nummer mit viel Spektakel” beschloss die Big Band „Dukes of Brass” der KG Herzogstädter den offiziellen Teil der Kindstaufe. Für das musikalische „Heidewitzka” bei der traditionellen Jülicher Zeremonie sorgten die „Merzbach-Musikanten” aus Koslar und Ederen.
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