25 Zentimeter verschaffen der Feuerwehr mehr „Luft”

Von: Otto Jonel
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Ein bisschen mehr Breite wird die Zufahrt zur Körrenziger Rurbrücke erhalten, damit auch die Feuerwehr den Fluss überqueren kann. Foto: Jonel

Linnich. In einem anderen Bereich würde man von einer eher kosmetischen Operation sprechen angesichts des Eingriffs, der der Rurbrücke Körrenzig bevorsteht. Das Bauwerk, das im Frühsommer nach einer gründlichen Sanierung freigegeben wurde, wird wieder etwas aufgeweitet. Die Fahrbahneinschnürung wird um 25 Zentimeter zurückgenommen.

Viel Lärm um nichts? Mitnichten. In diesem Fall entscheiden Zentimeter über Wohl und Weh. Denn, wie Dr. Andreas Boué dem Linnicher Werksausschuss erläuterte, mit einer verringerten Breite der Durchfahrt werde sichergestellt, dass kein Schwerlastverkehr über die Brücke fährt. Breit ist gleich schwer, und Belastungen von mehr als 7,5 Tonnen könnten der Brücke den Todesstoß versetzen. Deren Tragkraft ist eben auf 7,5 Tonnen beschränkt - ohne Spielraum nach oben.

Abgestuft

Das war mal anders, wie Boué erinnerte. Ursprünglich sollte das Rur-überspannende Bauwerk aus dem Jahr 1960 - gedacht als Feldwegbrücke mit einer Spur - 12 Tonnen Gewicht verkraften. Im Jahr 2000 wurde sie bei der alle sechs Jahre fälligen Hauptuntersuchung erstmals als „mangelhaft” eingestuft, und bei der Prüfung 2008 durch den TÜV in der Traglastfreigabe auf nur noch 5,5 Tonnen abgestuft

Die Aachener Diagnose- und Ingenieurgesellschaft Dr. Boué hatte 2009 noch angenommen, die Körrenziger Brücke ließe sich im Rahmen der Sanierung so weit ertüchtigen, dass die ursprünglich Belastungsgrenze wieder auf 12 Tonnen angehoben werden könnte.

Das erwies sich allerdings als zu optimistisch. Qualität und Festigkeit des Betons waren weit geringer, als angenommen. Mehr als 7,5 Tonnen Traglast sind auch nach der Sanierung nicht mehr möglich. Die Warnung ist ernst: Bei einer erheblichen Überstrapazierung droht die sofortige Sperrung. Die Brücke wäre dann zudem irreparabel. „Ein einspuriger Neubau der Brücke würde rund 800.000 Euro kosten, ein zweispuriger 1,2 Millionen”, sagte Bou

Eine wesentliche Erkenntnis der Prüfexperten: Alles deutet darauf hin, dass die Brücke regelmäßig überlastet wurde. Die Nebenstrecke zwischen Körrenzig und Brachelen wurde auch von 20-Tonnern als Abkürzung genutzt.

Um das zu unterbinden wurde die Brückendurchfahrt so eng gemacht, dass sie nur von Pkw und Kleintransportern problemlos zu passieren ist. Allerdings passen nun auch Ackerschlepper und Löschfahrzeuge der Feuerwehr nicht mehr durchs Nadelöhr.

Den Wunsch nach etwas mehr Weite hat das Büro auf Umsetzbarkeit untersucht. Die Lieblingsvariante der Ingenieure war ein Abbau der Betonzylinder. Stattdessen sollten „Aufpflasterungen” mit scharfkantigen Wassersteinen erfolgen, die nur von Lastwagen mit mindestens 50 Zentimeter Bodenfreiheit ohne Schadensrisiko überquert werden könnten. Das, lautete ein Einwand, könnten eventuell auch die schweren Brummer schaffen, die man ja unbedingt aussperren möchte.

Mehrheitlich bei vier Gegenstimmen wurde eine andere Variante gewählt. Der Abstand der derzeit eingrenzenden Betonzylinder wird um 25 Zentimeter verbreitert. Das verschafft Feuerwehr- und breiteren Rettungsfahrzeugen die Möglichkeit, die Brücke zu nutzen. Schwere Lkw und überbreite landwirtschaftliche Fahrzeuge bleiben weiterhin außen vor. Auch das Schild mit der 2,20-Meter-Angabe als maximale Durchgangsbreite bleibt stehen - sozusagen als Abschreckung.
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