16. Zitadellen-Jazznacht begeistert mit musikalischer Vielfalt

Von: Kr.
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Die 16. Zitadellen-Jazznacht d
Die 16. Zitadellen-Jazznacht des Jazzclubs Jülich: Der Ausnahme-Schlagzeuger Pim Toscani und im Hintergrund Richie Hensen, der 84 Jahre alt ist. Foto: Kròl

Jülich. Deutlich abgespeckt, aber nicht minder hochklassig präsentierte sich die Zitadellen-Jazznacht 2012. Zum 16. Mal hatte der Jazzclub Jülich in das Festungsbauwerk eingeladen und bot zahlreiche musikalische Begegnungen mit fabelhaftem Jazz und außerordentlichen Musikern.

Auf zwei Bühnen, im PZ des Gymnasiums und in der Schlosskapelle, swingten und groovten fünf Bands und brachten damit das altehrwürdige Gemäuer ins Wanken. Die Zuschauer, denen bei diesem etwas reduzierten Programm die Qual der Wahl erspart blieb, erlebten und fühlten Jazz hautnah.

Es sind die Zufälligkeiten, vielfältigen Einflüsse und die jazzigen Überraschungen, die dieses Festival auszeichnen, setzt der Jazzclub doch traditionell auf eine große Bandbreite. Sie reichte auch in diesem Jahr von Dixieland über RhytmnBlues, Soul, Bläserarrangements, Kammermusik bis hin zum klassischen Klaviertrio.

Nach dem musikalischen Startschuss, dem „Swinging Walk” mit Museumsführung, eröffneten die „Juliacum Brassers” in der Schlosskapelle den Konzertreigen. Sowohl in der Klassik als auch in der Moderne zu Hause, laden die vier Blechbläser zu einem musikalischen Spaziergang durch die Epochen ein. Virtuoses Können, begeisternde Spielfreude und melodischer Einfallsreichtum zeichnen die vier Herren aus, die mit arrangierten Standards und gewitzten Eigenkompositionen überzeugten.

Der Aldenhovener Trompeter Klaus Luft, der gebürtige Jülicher Martin Schädlich, der Linnicher Posaunist Johannes Meures und der Daubenrather Hornist Andreas Trinkaus bewiesen ihr besonderes Gefühl für Klang und Harmonie. „Auch die Renaissancemusiker waren schon Jazzer. Genau wie wir haben sie schon mit den Themen und Verzierungen gespielt”, erläuterte Klaus Luft, warum auch dieses klassische Bläserquartett, mit dem sich Gastgeber Reinhold Wagner als Vorsitzender des Jazzclubs einen Herzenswunsch erfüllt, bei der Jazznacht mit von der Partie war.

Mit den Pim Toscanis Dixieland All Stars stand im PZ traditioneller Jazz im Chicago-Stil auf dem Programm. Die Band um den niederländischen Schlagzeuger Pim Toscani versprühte jene Unbeschwertheit, die nur Könner auszeichnet, und begeisterte das Jülicher Publikum. Im Laufe des Abends hatte das Sextett reichlich Gelegenheit, seine solistische Klasse auszuspielen, allen voran der Bandleader Toscani.

Eine spannende Symbiose aus Jazz und Klassik lieferten „Strings are changing” in der Schlosskapelle. Sebastian Reimann (Geige), Hajo Hintzen (Gitarre) und Dieter Ogrzewalla (Keyboard) haben ihre ureigene Art, mit den verschiedenen Musikstilen umzugehen und sind für die Freunde des Jülicher Jazzclub längst keine Unbekannten mehr. Mit Instrumenten aus der Klassik wird Musik erzeugt, die gar nicht klassisch ist.

So wird zum Beispiel aus Vivaldis Bolero ein Blues, oder beim Stück Blue Rondo fließen so ganz nebenbei ein halbes Dutzend anderer Titel ein. Wenn Sebastian Reimann zur Trichtergeige - einer Kombination aus Geige und Trompete - greift, hält es kaum jemanden auf den Stühlen. Das Trio, das die gesamte Darbietung auch noch mit einem guten Schuss Humor würzt, wurde in der Schlosskapelle ausgiebig bejubelt.

Eine mitreißende Live-Show lieferte „Soul Control” ab. Die Musikstudenten aus Hannover, kleiden Soul-Ikonen der 60er und 70er Jahre in einen modernen Mantel um und legten im PZ los wie die Feuerwehr. Tolle Bläsersätze, eine treibende Rhythmusgruppe und die impulsive Stimme Sonja Telgheders heizten dem Publikum im PZ mächtig ein. Zu den funkigen Grooves wurde getanzt und mitgeklatscht. Niemand blieb bei dieser fetzigen Soulmusik ruhig sitzen.

Ruhiger ging es da wiederum in der Schlosskapelle zu, wo das Stephan Becker Trio die Gäste in seinen Bann zog. Geradlinig und klar ist die musikalische Konzeption, die sich in ihrer offenen Art an die Tradition des Bill-Evans-Trios anlehnt. Das Trio schafft mit seinen Kompositionen Freiräume zur Improvisation. Ihre Musik ist vielschichtig und kann nur schwer in eine Schublade einsortiert werden. Sie streift leichte Jazzballaden ebenso wie klassisch-romantische Musik des 19. Jahrhunderts, Blues, Swing, Filmmusik, Funk oder. Begleitet wird Pianist Becker von Thomas Esch (Schlagzeug, Percussion) und Stefan Rey (Kontrabass).

Es war also wieder für jeden Musikgeschmack etwas dabei bei dieser Jazznacht, der das DFB-Pokalfinale in Berlin allerdings schon zusetzte, denn es waren deutlich weniger Gäste gekommen.
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