Jülich - 13 starke Frauen mit einem Kämpferherz

13 starke Frauen mit einem Kämpferherz

Von: Kr.
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Gemeinsam hießen sie die Gäste in der Stadtbücherei Jülich willkommen:( von links) Susanne Kalkowski, Gudrun Kaschluhn, Ruth Tavernier-Schwab, Bürgermeister Heinrich Stommel, Gisela Majunda und Mandy Geithner-Simbine. Foto: Kròl

Jülich. Der Internationale Frauentag lag zwar schon eine Woche zurück, doch auch in diesem Zeitrahmen kann man getrost Veranstaltungen zu diesem so wichtigen Tag noch ansetzen. Gemeinsam hatten die Gleichstellungsstelle der Stadt Jülich, die Stadtbücherei Jülich und die VHS Jülicher Land in die Bücherei eingeladen, um sich im Rahmen des Welt-Frauentages den Frauen in der Literatur zuzuwenden.

Im Mittelpunkt standen insbesondere die 13 Frauen, die seit der Einführung des Nobelpreises für Literatur im Jahre 1901 mit dieser Auszeichnung bedacht wurden.

„Dass drei städtische Einrichtungen an dieser Veranstaltung beteiligt sind, macht deutlich, dass uns in Jülich dieser Tag wichtig ist“, erklärte Bürgermeister Heinrich Stommel, der in die Bücherei gekommen war, um die Gäste zu begrüßen. Er erinnerte an die Anfänge der Frauenbewegung im Jahre 1911, als der Kampf um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Frauen an vorderster Stelle stand. Es ging auch ums Wahlrecht für Frauen und damit auch um ihre Gleichstellung.

Viel, so erklärte Stommel, sei schon erreicht worden, doch es gebe noch viel zu tun, um die Gleichstellung der Frauen in der Arbeitswelt und allen anderen Lebensbereichen durchzusetzen.

Dies fand auch Mandy Geithner-Simbine, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jülich. Susanne Kalkowski, Fachbereichsleiterin für Kultur der VHS Jülicher Land wartetet da auch gleich mit einer Statistik auf. Den 13 Frauen, die seit 1901 den Literatur-Nobelpreis erhielten, stehen 98 Männer gegenüber. Auf den 18 Stühlen der Schwedischen Akademie, die für die Vergabe zuständig ist, saßen in all den Jahren nur sechs Frauen. „Frauen und ihre Leistungen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, ist der beste Weg zur Gleichstellung“, betonte sie.

Intensiv hatte Gudrun Kaschluhn, die dem Literaturkreis der VHS vorsteht, sich auf diese Matinee vorbereitet und recherchiert. Sie stellte jede der 13 Frauen, angefangen bei Selma Lagerlöf, die als erste Frau 1909 den Preis erhielt, über Grazia Deledda 1926, Sigrid Undset 1928, Pearl S Buck 1938, Gabriela Mistral 1945, Nelly Sachs 1966, Nadine Gordimer 1991, Toni Morrison 1993, Wislawa Szymborska 1996, Elfriede Jelinek 2004, Doris Lessing 2007, Herta Müller 2009 bis zu Alice Munro 2013 kurz vor.

Vergessen und umstritten

Manche sind schon in Vergessenheit geraten wie Grazia Deledda, Gabriela Mistral und Wislawa Szymoborska, andere wie beispielsweise Elfriede Jelinek oder Pearl S. Buck waren eher umstritten, doch zu lesen, betonte Gudrun Kaschluhn lohnen sich alle. Sie alle haben oder hatten Kämpferherz, setzten sich für die Dinge, die ihnen wichtig waren, ein und behaupteten sich in einer von Männern dominierten Welt.

Ans Herz legte Gudrun Kaschluhn ihrer überwiegend weiblichen Zuhörerschaft Selma Lagerlöf und ihr Buch „Gösta Berling“, nicht zu vergessen auch „Nils Holgersson“.

Skandinavien und der Ferne Osten

Grazia Deledda schildert die Landschaft und das Leben in ihrer sardischen Heimat und veröffentliche bereits mit zwölf Jahren. Um das mittelalterliche Leben in Skandinavien hatte sich Sigrid Undset verdient gemacht, und Pearl S. Buck hatte ihren Leserinnen und Lesern das Leben des Fernen Ostens nahe gebracht. Sie stellte Ruth Tavernier-Schwab näher vor, erläuterte ihre Biografie und las aus ihrem wohl bedeutendsten Werk „Die gute Erde“. Sie war das, was man heute als Bestseller-Autorin bezeichnen würde, doch literarisch war sie unter Wissenschaftlern nicht sehr anerkannt und ihr Nobelpreis umstritten.

Gabriela Mistral steht für machtvolle Gefühle. Die deutschstämmige Jüdin Nelly Sachs interpretiert das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke, so wurde ihre Auszeichnung begründet. Sie erhielt außerdem als erste Frau den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Nadine Gordimer war stets Kämpferin gegen die Apartheid und ihr Buch „Juli‘s Leute“ empfahl Gudrun Kaschluhn den Anwesenden wärmstens. Toni Morrison eine Frau, die in Amerika für bessere Lebensverhältnisse der Afroamerikaner kämpfte, hatte Kaschluhn wenige Tage zuvor in der katholischen Bücherei Linnich ausführlich behandelt und den Zuhörerinnen dort wärmstens empfohlen.

Wislawa Szymborska gilt als durch und durch politischer Mensch, was sich auch in ihren 16 Gedichtbänden widerspiegelt. Elfriede Jelinek wurde zwar für ihre sprachliche Leidenschaft und als erbarmungslose Moralistin ausgezeichnet, ihr Roman „Lust“ wird jedoch häufig als pornografisch kritisiert. „Zu Unrecht“, findet Gudrun Kaschluhn.

Doris Lessing eine Mitstreiterin für die Gleichheit der Frauen, stellte Gisela Majunda ausführlich vor. „Ihre Bücher ‚Afrikanische Tragödie‘, sollte man lesen, ‚Das goldene Notizbuch‘ kann man lesen, aber ‚Das fünfte Kind‘ muss man gelesen haben“, meinte Gudrun Kaschluhn.

Mit Herta Müller und Alice Munro endet diese Vorstellung starker Frauen der Literaturgeschichte, bei der sich sicherlich so manche Zuhörerin neue Anregungen holte.

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