Jülich - 1,2 Millionen Euro für Flüchtlingsheim in Jülich?

1,2 Millionen Euro für Flüchtlingsheim in Jülich?

Von: Volker Uerlings
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Die Containeranlage in Güsten von innen: Sie soll abgerissen werden, wenn in Mersch neue Unterkünfte geschaffen worden sind. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Die Lage ist ernst, und die Kapazitäten sind ausgeschöpft. Die Stadt Jülich beheimatet aktuell 221 Flüchtlinge, Ende September waren es 203. Die Zahl liegt schon über dem Spitzenwert in den 90er Jahren während des Balkankrieges. Sie hat sich durch weitere Zuweisungen binnen sechs Wochen um neun Prozent erhöht.

Diese Entwicklung dürfte weiter anhalten, so dass ein akuter Unterbringungs-Engpass droht. Die Stadtverwaltung hat nun den Kauf einer Containeranlage vorgeschlagen, die 1,2 Millionen Euro kosten soll.

Bei der letzten Beratung im Fachausschuss für Soziales wurde vor allem der dringende Handlungsbedarf bei der Unterbringung einzelner Männer dargelegt, jetzt stellt sich der fehlende Wohnraum für Flüchtlinge grundlegend dar. Sozialamtsleiterin Doris Vogel sagte am Donnerstag im Gremium: „Wir haben noch zwei Wohnungen frei. Das war‘s. Ich weiß bald nicht mehr, wo ich die Menschen hin tun soll.“

Das Sozialamt und andere Abteilungen in der Verwaltung haben geprüft, welche freien Grundstücke vorhanden sind, aber nichts Passendes gefunden. Auch die inzwischen von Gerichten abgesegnete Möglichkeit, Unterkünfte in Gewerbegebieten zu errichten, hilft in der Herzogstadt nicht weiter. Vogel: „Die Stadt hat im Gewerbegebiet keine Grundstücke.“

Die Verwaltung plant nun den kurzfristigen Kauf einer Containeranlage, die bis zu 48 Menschen Platz bietet. Die Unterkünfte sollen im Stadtteil Mersch (Am Nösserkamp) errichtet werden. Wenn dieses Projekt steht, sieht sich die Stadt zudem gezwungen, die heutige Containeranlage in Güsten abzureißen und laut Doris Vogel „da was Neues zu bauen“.

Im Rathaus Jülich geht man nicht davon aus, dass die Flüchtlingsunterkünfte nur vor­übergehend genutzt werden. Vor diesem Hintergrund sei die Anmietung von Containern „nicht wirtschaftlich“. Helma Dürholz (SPD) als Vorsitzende des Ausschusses fragte am Montag ausdrücklich nach der Mietlösung, wie sie in anderen Kommunen – zum Beispiel Titz – favorisiert wird. Das sei von Fachleuten im Jülicher Rathaus geprüft worden, antwortete die Sozialamtsleiterin Doris Vogel, aber nach deren Aussagen lohne sich „mieten nicht, wenn die Container länger als fünf Jahre gebraucht werden“.

Die dafür notwendige Summe von 1,2 Millionen Euro beeindruckte die Kommunalpolitiker. Marco Maria Emunds (SPD) hält die Flüchtlingsfrage für „eines der schwierigsten Themen überhaupt“. Er fragte grundsätzlich, ob bei der Lösungssuche auch der Gedanke der Nachhaltigkeit geprüft werde. Zudem äußerte er Zweifel, ob Standorte, „die weit vom Schuss liegen“, ideal seien. „Vielleicht müssen wir die Menschen mehr in die Mitte der Gesellschaft holen.“

Dem Einwand pflichtete Doris Vogel bei und lieferte ein Beispiel: „In Güsten fährt nach 19 Uhr kein Bus mehr. Die Flüchtlinge besuchen Deutschkurse, kommen aber abends nicht raus.“ Und können dann die Sprachkenntnisse kaum vertiefen oder anwenden. Marco Johnen (CDU) hatte eingangs der Debatte deutlich gemacht, dass die Union feste Gebäude für die Unterbringung der Flüchtlinge bevorzuge. „Wir tun uns schwer mit 1,2 Millionen Euro, die geschätzt sind.“ Die CDU würde das Geld lieber in Um- oder Ausbau von bleibenden Werten investieren.

Der Ausschuss gab am Montag keine Empfehlung ab. Die dringende Bitte der Sozialamtsleitern – „Wir brauchen eine Lösung, sonst ist Matthäus am Letzten“ – blieb aber nicht unerhört. Bis zur nächsten Stadtratssitzung spätestens will sich die Politik entschieden haben.

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