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100 Tage Bürgermeister: Axel Fuchs zieht Bilanz

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„Klinken putzen“: Das war in den ersten 100 Tagen eine der wichtigsten Tätigkeiten des neuen Jülicher Bürgermeisters Axel Fuchs. Foto: Uerlings

Jülich. Das Ende der Ära Heinrich Stommel nach über 20 Jahren, ein langer Wahlkampf, sechs Nachfolgekandidaten, und eine Stichwahl mit dem deutlichen Sieger Axel Fuchs. Das vergangene Jahr mit den Bürgermeisterwahlen in Jülich war turbulent.

Jetzt sind die ersten 100 Tage des neuen Amtsinhabers bereits vergangen. Sie waren sicher nicht ruhig, aber mutmaßlich ruhiger als die Monate zuvor. Zeit für ein erstes kurzes Fazit. Unser Redakteur Volker Uerlings sprach mit dem 48-jährigen Jülicher Verwaltungschef.

Der Jülicher Schuldenstand hat sich kaum verändert, die Steuern wurden nicht deutlich gesenkt, eine Gewerbegroßansiedlung gab es nicht. Sie können mit Ihren ersten 100 Tagen im Amt kaum zufrieden sein – oder doch!?

Axel Fuchs (stutzt – und lacht): Ich bin in gewisser Weise sogar sehr zufrieden. Nach meiner Wahrnehmung haben wir zurzeit eine super Stimmung in der Verwaltung. Das ist mir sehr wichtig. Ich will nicht beurteilen, warum das so ist. Wir sind Dienstleister. Und diese Dienstleistung müssen wir bestmöglich erbringen. Das ist klar. Aber ich stehe zu 100 Prozent zu meinen Leuten. Wenn man mit ihnen nicht gut umgeht, will ich das sofort wissen. Wir müssen respektvoll mit den Bürgern umgehen, aber die auch mit den Kollegen in der Stadtverwaltung.

Die Reaktionen nach Ihrer Wahl lassen darauf schließen, dass die Erwartungshaltung hoch war/ist?

Fuchs: Eine hohe Erwartungshaltung gibt es immer, das ist klar. Aber mir wird sie nicht so präsentiert. Ich verspüre eine große Akzeptanz in der Bürgerschaft und die Haltung: Der kann nicht von heute auf morgen alles ändern, wir lassen den mal machen.

Das wird wohl nicht immer so bleiben...

Fuchs: Nein, aber ich bin eben ein anderer Typ als mein Vorgänger. Ich komme mehr aus der Mitte der Bevölkerung. Vielleicht räumt man mir da nun etwas mehr Zeit ein.

Sie haben angekündigt, Klinken zu putzen. Wieviele waren es schon?

Fuchs: Ich habe auch gesagt, dass meine Tür immer offen steht – für die Bevölkerung und Mitarbeiter. Bis zum Wochenende komme ich in gut 100 Tagen auf 335 Termine. Das waren auch eine Menge Einzelgespräche, denn viele wollen den Bürgermeister kennenlernen. Einige Klinken habe ich schon geputzt. So war ich in der Zuckerfabrik, bei den Firmen Eichhorn und Gissler & Pass, natürlich im Forschungszentrum, da habe ich auch am Nachbarschaftsdialog teilgenommen. Nach und nach werde ich alle größeren Arbeitgeber besuchen. Grundsätzlich möchte ihnen die Wertschätzung dafür entgegen bringen, dass sie Verantwortung für uns alle tragen, weil sie Arbeitsplätze schaffen und erhalten. Ich bin für sie da.

Nehmen wir das Beispiel Eichhorn. Die geplante Betriebserweiterung ist in Teilaspekten umstritten. Welche Position vertreten Sie?

Fuchs: Wir sind mitten im Verfahren. Ich hoffe, dass bald alle Gutachten vorliegen. Die sollte man abwarten. Jedenfalls müssen die politischen und planerischen Verfahren bald weitergehen.

Ein anderes konkretes Beispiel, das die Diskussionen beherrschte, aber in der Warteschleife hängt, ist die Bebauung des Walramplatzes. Wann wird entschieden?

Fuchs: Das muss der Rat beantworten. Ich bezweifle aber die positive Wirkung auf die Innenstadt. Meine persönliche Meinung hat sich nicht geändert: Ich bin gegen eine massive Bebauung des Walramplatzes. Wichtig ist grundsätzlich, dass man weiter ein Pfund Butter in der Innenstadt kaufen kann, und das ist nach meinen Informationen gewährleistet. Wie die Politik entscheidet, bleibt abzuwarten.

Gutes Stichwort: Wie haben Sie als parteiloser Bürgermeister die Zusammenarbeit mit der Politik erlebt. Hat man schon versucht, Ihnen zu zeigen, wo‘s lang geht?

Fuchs: Ich kann mich über das Miteinander nicht beschweren, es gab ein sehr kollegiales Verhältnis. Mir ist es wichtig, früh auf Entwicklungen hinzuweisen und sehr transparent zu arbeiten. Von daher habe ich schon mehrfach zu interfraktionellen Sitzungen eingeladen....

...die dann hinter verschlossenen Türen stattfinden!

Fuchs: Sie können mich beim Wort nehmen: Transparenz ist mir grundsätzlich ein ganz wichtiges Anliegen. Sie gilt auch gegenüber der Öffentlichkeit und der Presse als Vertreter der Öffentlichkeit.

Dann bitte ein transparenter Blick auf das alte FH-Gelände, für das sich bau- oder kaufwillige Bürger interessieren. Wann geht es los?

Fuchs: Ich will, dass das Projekt deutlich an Fahrt aufnimmt. Wie das geschieht, muss man abwarten – auch vor dem Hintergrund, dass das personell von der Verwaltung und der Stadtentwicklungsgesellschaft zu stemmen ist.

Das hört sich danach an, dass Externe bei der Erschließung und Vermarktung mitwirken.

Fuchs: Warum nicht? Wir wissen, dass es Projektierer gibt und sollten mit Ihnen sprechen. Wir sollten auch mit dem Land sprechen, dem ein Teil der Fläche gehört. Es gibt neue Programme für geförderten Wohnungsbau, der sich hier wunderbar integrieren ließe – wie zum Beispiel mit einer ressourcenschonenden Faktor-X-Siedlung.

Ihr Kurz-Fazit nach 100 Tagen?

Fuchs: Ich erfahre jeden Tag Positives. Jürgen Frantzen aus Titz hat vor der Wahl in einem Beitrag der Tageszeitung gesagt, Bürgermeister ist der schönste Job der Welt. Ich glaube, er hat Recht.

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