Heinsberg - Zwischen Richterrobe und Blaumann

Zwischen Richterrobe und Blaumann

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
Dieter Meier
Seit 2006 leitete Dr. Dieter Meier die Geschicke am Amtsgericht Heinsberg als Direktor. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Cool und lässig sind nicht unbedingt die beiden ersten Attribute, die man gemeinhin mit der Vorstellung von einem Richter verbindet. Und wenn man ihn in Jeans und mit schulterlangen Haaren über den Flur des Heinsberger Amtsgerichts gehen sieht, will irgendwie eine Bikerkutte besser zu ihm passen als die Ehrfurcht einflößende Richterrobe.

Doch genau diese trägt Dr. Dieter Meier nun schon seit 1978. Offiziell noch bis zum Ende des Monats, denn dann geht der Amtsgerichtsdirektor in Pension.

Die juristische Laufbahn sei in der Tat bei ihm keineswegs vorbestimmt oder gar alternativlos gewesen, erklärt Meier. „Wenn Sie so wollen, war das Jura-Studium ein Verlegenheitsstudium für mich. Ich hatte zuvor ein Jahr an der Deutschen Sporthochschule in Köln-Müngersdorf studiert. Als mir beim Turmspringen das Trommelfell geplatzt ist, war es allerdings vorbei mit dem Leistungssport.“

Zur Juristerei sei er eher per Zufall durch einen Freund aus seinem Geburtsort Brüggen gekommen. „In den Sommerferien stand ich mit meinem Freund, der bereits Jura studierte, in einer Firma am Fließband und habe Solex-Vergaser für den VW-Käfer zusammengeschraubt.“ Man habe halt viel miteinander geredet, sagt Meier. „So ist das dann gekommen.“

1968 nahm er schließlich in Köln das Jurastudium auf. Seine Referendariatszeit und noch ein weiteres Jahr als Rechtsanwalt verbrachte  er bei einer seerechtlich orientierten Kanzlei in Bremen, ehe er 1978 als beisitzender Richter ans Landgericht nach Aachen wechselte. Dort blieb der heute in Waldfeucht-Haaren lebende Jurist bis 1994. Neun Jahre verbrachte er in der Schwurgerichtskammer und von 1994 bis 95 am Schöffengericht des Amtsgerichtes Aachen. Danach führte ihn sein Weg als Direktor ans Amtsgericht nach Monschau, wo er bis zu seinem Amtsantritt in Heinsberg im Jahr 2006 blieb.

Wäre er in all den Jahren nur als Richter tätig gewesen, dann hätte ihn dies wohl nicht zufrieden gestellt, glaubt Meier. „Seit 2000 habe ich mich nach einer Zusatzausbildung neben der originären Richtertätigkeit mit der Organisationsberatung und dem Qualitätsmanagement für die Justiz befasst. In dieser Eigenschaft arbeitete ich sechs Jahre am Oberlandesgericht in Köln.“

In diesem Zusammenhang hat er sich auch in Rumänien in die Umstrukturierung der Justiz eingebracht. „Diese beiden Tätigkeitsbereiche in Kooperation waren es, die für mich den Reiz des Berufes ausgemacht haben.“ Ein Richter blicke ja eher auf zurückliegende Sachverhalte, aber als Organisator sei das Handeln ja in die Zukunft gerichtet.

„Ein sehr befriedigender Aspekt meiner Arbeit hat sich auch durch meine Aktivitäten als Betreuungsrichter ergeben, denen ich seit 1997 nachgehe. Hier stünde vor allem die Zukunftsgestaltung von behinderten Menschen im Fokus. „Das wird auch meine Zukunft sein“, sagt Meier mit Blick auf die Pensionszeit. „Ich bin gerade dabei, die Vorbereitungen zu treffen zur Gründung eines Instituts für die Aus- und Fortbildung von Berufsbetreuern und ehrenamtlichen Betreuern. Dazu werde ich auch die Zulassung als Rechtsanwalt beantragen, um im Betreungsrecht beratend tätig zu werden.“

Dass Meiers Lebensgefährtin schon seit Jahren als Berufsbetreuerin arbeitet, hat da natürlich keine unmaßgebliche Rolle gespielt. „In der Funktion habe ich sie übrigens kennengelernt“, schmunzelt der Amtsgerichtsdirektor.  50 oder 60 Arbeitsstunden pro Woche wie derzeit sollen es aber zukünftig nicht mehr werden, meint Meier. Ach ja, er hat ja seit 1995 schließlich auch noch einen Lehrauftrag am Ausbildungszentrum der Justiz in Monschau. „Ich könnte niemals von 150 Prozent auf Null runterfahren“, sagt er. „Das ginge einfach nicht. Außerdem fühle ich mich noch viel zu jung dazu.“


Das nimmt man ihm sofort ab, denn wie ein Pensionär sieht Meier wirklich nicht aus. Unvermittelt drängt sich das Bild mit der Bikerkutte wieder auf. Und schnell stellt sich heraus, dass es durchaus passen könnte. „Mein Sohn und ich sind wirklich begeisterte Schrauber“, lacht Meier. Nur gilt seine Leidenschaft weniger den bulligen Zweirädern, sondern vielmehr den PS-starken Sportwagen aus der deutschen Edelschmiede. Mit seinem Sohn, der als Rechtsanwalt in Düsseldorf arbeitet, habe er einen T 3-Campingbus von VW nahezu komplett auf Porsche-Technik umgerüstet.

„Natürlich mit dem Segen des TÜVs“, sagt Meier nicht ohne Stolz. „Das war der schnellste Campingbus in Deutschland. Er musste allerdings auf 180 km/h gedrosselt werden.“ Derzeit fährt er noch einen Youngtimer des Typs 944 aus den 80er Jahren. „Wenn ich heute noch einmal anfangen dürfte, würde ich wieder Jura studieren, aber wahrscheinlich in die Industrie gehen, weil mir dies die Chance eröffnet hätte, Jura mit meinen technischen Interessen zu verbinden.“ Eine echt coole Vorstellung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert