Heinsberg - Zutat für eine „stille Stunde“? Vier Trompeten

Zutat für eine „stille Stunde“? Vier Trompeten

Von: Dettmar Fischer
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Die Juliacum Brassers aus Jülich spielten eine Karfreitag-Matinee in der Christuskirche Heinsberg.

Heinsberg. „Capriccio sopra la lontananza de il fratro dilettissimo“ klingt nicht nur schön beim Lesen, sondern auch beim Hören. Zu Gehör am Karfreitagmorgen brachten dieses Capriccio des jungen Bach die Juliacum Brassers, „ein ganz zartes Pflänzchen aus dem musikalischen Jülich“.

Die vier Blechbläser sind angetreten, „um die Messingaktien hienieden zu einem stolzen Hause zu führen“, sagen Martin Schädlich und Klaus Luft, beide spielen diverse Trompeten sowie der Hornist Andreas Trinkhaus und der Posaunist Johannes Meuers, wenn sie ihr Tun selber beschreiben.

Auf einer Norwegentour in 2014 brachten die vier Herren nicht nur dankbar entgegengenommene Messingaktien unters musikliebende Volk der Norweger, sondern auch ein Stück Musik mit zurück in die Region, nämlich einen Trauermarsch des norwegischen Romantikers Edvard Grieg.

Feine Stückchen Musik

Johann Sebastian Bachs Capriccio, Griegs Trauermarsch und so manches andere feine Stückchen Musik bereiteten den Zuhörern einer Matinee in der Christuskirche Heinsberg eine „stille Stunde“ (soweit Blechbläser still sein können), – eine Einstimmung auf das Osterfest.

Alle Mitglieder des Quartetts Juliacum Brassers sind studierte Musikanten. Große und kleine Trompeten, Posaune, Horn, Kornett und auch einige Dämpfer, die etwa beim Trauermarsch zum Einsatz kamen, hatte das Quartett im Gepäck. So konnte Posaunist Johannes Meures zu recht darauf verweisen: „Wir arbeiten mit sehr viel Material.“

Jedes Musikstück wurde mindestens so hübsch angekündigt von einem der Musiker, wie die folgenden Melodien klangen. Den Vogel schoss Klaus Luft ab. Ihm fiel die Anmoderation des Stückes „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu. Wie er da so nichts sagend in die Reihen schaute, lang und länger und dann seine Manuskriptseite umdrehte, auf die Noten verwies und sagte: „Lied ohne Worte“, diesen Effekt hätte Buster Keaton nicht besser ausgespielt.

Auch bei Bachs Frühwerk, dem erwähnten „Capriccio sopra la lontananza de il fratro dilettissimo“ glänzte Luft. Er begab sich kurz in einen Nebenraum der Kirche. „Muss wohl mal austreten“, dachte das Publikum. Doch Johannes Meures erläuterte den Sachverhalt dahingehend, dass Johann Sebastian Bach diese ungewöhnliche Programmmusik mit 17 Jahren komponierte.

Posthorn aus der Ferne

Sie schildere den Abschied eines lieben Freundes, der auf eine lange und zur damaligen Zeit sicherlich nicht ungefährliche Reise mit der Postkutsche aufbreche. Kollege Klaus simuliere nun den Klang des Posthorns aus der Ferne.

Eine Meditation des Eschweiler Kantors Franz-Josef Surges ergänzte ein wohl ausgewogenes Konzertprogramm.

Mit einem irischen Segenswunsch „in einer sehr schönen Version“, so Johannes Meures endete die Karfreitag-Matinee in der Christuskirche.

Etwas anderes als eine „sehr schöne Version“ hätte wohl auch kein Zuhörer nach diesem Konzerterlebnis von den Juliacum Brassers erwartet.

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