Zurück zu den Wurzeln des Gemüses - und ab Mai ein Stück Acker mieten

Von: Nicola Gottfroh
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Für viele Menschen ist ein eigener Garten nur ein Traum. In Schwanenberg kann dieser Traum nun Wirklichkeit werden, denn dort können sich Hobbygärtner ihre eigenen Gemüsegarten mieten.
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Frank Wilms bietet Hobbygärtnern und Ernährungsbewussten den Gemüsegarten zum Mieten.

Erkelenz-Schwanenberg. Knackigen Salat im E-Mail-Eingang, den hatte der Frank Wilms im vergangenen Jahr öfter. „Darüber habe ich mich jedes Mal richtig gefreut“, sagt 26-Jährige. Glücklicherweise handelte es sich bei der Salatattacke nicht um einen Anschlag auf seinen Computer. Vielmehr hatten stolze Hobbygärtner ihr erstes selbst geerntetes Gemüse fotografiert und das Bild zu ihrem „Vermieter“ Wilms geschickt.

Denn der studierte Agrarwissenschaftler hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen im wahren Wortsinn wieder zu den Wurzeln des Gemüses zurückzuführen. „Es gibt Kinder, die denken, Gurken kämen aus dem Supermarkt, Spinat aus der Tiefkühltruhe und Erbsen und Möhren aus der Konservenfabrik“, erklärt Wilms. „Viele Stadtkinder haben noch nie ein Gemüsebeet, in dem alles lebt, sprießt und wächst, betreten. Und einige von ihnen haben den Bezug zu den Nahrungsmitteln, die auf ihrem Teller landen, gänzlich verloren“, kritisiert Frank Wilms.

Wer den Bezug zu den Lebensmitteln noch nicht verloren hat, und sich bewusst ernähren möchte, steht allerdings vor Herausforderungen: „Wer genau wissen möchte, wo das Gemüse herkommt, der muss zu teuren Bioprodukten greifen, direkt auf dem Bauernhof einkaufen oder die Sache einfach selbst in die Hand nehmen“, erklärt der junge Agrarwissenschaftler. Und genau diese Möglichkeit, letzteres in die Tat umzusetzen, bietet Frank Wilms den Menschen im Kreis Heinsberg.

Unter dem Motto „Gesund und Gartenfrisch“ hat er im vergangenen Jahr begonnen, einen Teil der landwirtschaftlichen Fläche des elterlichen Hofs zwischen Hoven und Schwanenberg an Hobbygärtner zu vermieten. „Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen selbst Gemüse anbauen möchten. Aber mir war auch klar, dass das gar nicht so einfach ist – selbst in der hiesigen ländlichen Region“, sagt er und erklärt: „Viele haben nur einen kleinen Balkon oder mit viel Glück einen kleines Stück Garten. Um Gemüse selbst anzubauen, reicht der Platz oft nicht.“

Sein Gefühl trügte ihn nicht. Mit seiner Idee, kleine Parzellen des Feldes an Hobbygärtner zu vermieten, traf er ins Schwarze. 17 Parzellen brachte er im vergangenen Jahr unters Volk.

Nach dem Erfolg im Vorjahr war Wilms klar, dass „Gesund und Gartenfrisch“ in eine zweite Runde gehen muss. „Die meisten, die in der vergangenen Saison dabei waren, machen auch diesmal wieder mit“, freut sich Wilms. Zudem hat die Grundschule Schwanenberg mit Unterstützung der Kreissparkasse ein Stück Acker gemietet. „Ab Mai können die Grundschüler dann richtig miterleben, wie das Gemüse wächst und sehen, wie sehr man Pflanzen pflegen muss, damit sie irgendwann auf dem Teller landen können“, sagt Wilms.

Neue Mieter gesucht

Insgesamt 25 Parzellen, wahlweise 25 oder 50 Quadratmeter groß, sind bislang verpachtet. Ein weiteres Dutzend Gemüsegärten sind jedoch noch frei und warten auf neue „Mieter“. „Wer Interesse hat, kann sich für die kommende Saison noch eine Parzelle mieten.“ Das biete sich auch für Berufstätige und vor allem für junge Familien an, betont Wilms, denn er verspricht: „Die Arbeit am Feld hält sich in Grenzen. Mit einer guten Stunde Einsatz in der Woche sollte alles gelingen“, sagt er. Das sei auch deshalb so, weil Frank Wilms seinen Kunden viel Arbeit abnimmt. Bereits im April wird er alles vorbereiten und den Acker mit 24 verschiedenen Gemüsesorten bepflanzen oder besäen. Das sind drei Gemüsesorten mehr als im vergangenen Jahr.

Am 1. Mai wird der Acker dann freigegeben, die Kunden dürfen dann selbst gärtnern, die Pflanzen hegen und pflegen und wenige Wochen später das erste Gemüse, Wirsing, Porree, Radieschen oder Salate, ernten. Auf einem noch unbepflanzten, rund fünf bzw. zehn Quadratmeter großen Stück können die Hobbygärtner nach Lust und Laune sähen und pflanzen, was sie wollen. „Letztes Jahr waren da vor allem Erdbeeren der Renner“, sagt Wilms.

Kostenlos ist der eigene Gemüsegarten allerdings nicht. 90 Euro kostet die 25 Quadratmeter große Parzelle, für 50 Quadratmeter Gemüsebeet zahlen Kunden 170 Euro pro Saison. Die beginnt am 1. Mai und endet am Erntedankfest, dem 31. Oktober. „Den Betrag erntet man aber wieder ein“, sagt Wilms.

Damit wirklich nichts schief geht, macht sich der 26-jährige Agrarwissenschaftler mit Lippenpiercing die moderne Technik zu nutze. Regelmäßig sendet er seinen Kunden per E-Mail Newsletter und informiert sie, wann sie Ausschau nach dem gemeinen Kartoffelkäfer halten müssen, und wann Zeit ist, das Unkraut zu jäten. „Natürlich habe ich immer ein Auge drauf, damit alles glatt läuft und die Hobbygärtner auch wirklich ernten können“, sagt er. Deshalb gibt es auch regelmäßige Sprechstunden auf dem Acker.

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