Zukunft des Einzelhandels: Das Smartphone gibt beim Kauf den Weg vor

Von: Rainer Herwartz
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Ohne Smartphone läuft bald nichts mehr: immer mehr Kunden wünschen sich zur Orientierung ein kostenloses WLAN-Netz in Heinsberg. Auch für den Einzelhandel bietet das gute Chancen, sich und sein Angebot zu präsentieren. Foto: Rainer Herwartz
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G&V-Vorsitzender Peter Heinrichs (rechts) warb bei der Vollversammlung für freies WLAN in Heinsberg. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Der Trend ist eindeutig und nicht mehr zu stoppen: Ohne Online-Präsenz dürfte es für die meisten Einzelhändler in Zukunft immer schwerer werden, ihre Kunden so zu erreichen, wie diese es erwarten. Und: Allein in Heinsberg möchten 57,5 Prozent der Besucher in der Innenstadt WLAN kostenfrei nutzen dürfen. Dies erfuhren die Mitglieder des Gewerbe- und Verkehrsvereins Heinsberg bei ihrer Vollversammlung.

Nicht nur die Untersuchung „Vitale Innenstädte 2016“, an der die Stadt Heinsberg teilnahm, führte dies zutage, auch der Managing Director von The Cloud Networks Germany, Tim Gülicher, untermauerte die Feststellung mit spannenden Details. Sein Unternehmen ist der führende unabhängige Provider für öffentliche WiFi-Netze in Europa. Obwohl diese zukunftsweisenden Informationen alle Mitglieder des Gewerbe- und Verkehrsvereins brennend hätten interessieren müssen, fand letztlich nur ein Fünftel der Mitglieder den Weg zur Versammlung in die Begegnungsstätte.

G&V-Vorsitzender Peter Heinrichs und der Wirtschaftsförderer der Stadt Heinsberg, Michael Dahmen, hatten das Befragungsergebnis von 240 Besuchern der Stadt, die an zwei Tagen im letzten Jahr angesprochen wurden, aufbereitet. Demnach hat der typische Kunde der Stadt nun quasi ein Gesicht. Er ist nämlich eine Sie, älter als 51 Jahre und kauft bevorzugt Lederwaren und Schuhe.

Generell stellen die 51- bis 65-Jährigen mit 30,6 Prozent den derzeit mit Abstand größten Teil der potenziellen Kunden in der Kreisstadt. 54,7 Prozent kommen dabei nicht aus dem Stadtgebiet, was in der Summe höher liege als bei vielen anderen Städten vergleichbarer Größe. Das Durchschnittsalter betrage 47,7 Jahre.

Es seien beileibe nicht nur die jungen Leute, bei denen mittlerweile das Smartphone den Wegweiser durch den Alltag bilde, stellte der smarte Tim Gülicher klar. „50 Prozent der 60-Jährigen sind heute online“, erklärte er. Eine traditionelle Plakatierung, wie sie oft noch anzutreffen sei, werde von diesen Menschen längst nicht mehr wahrgenommen und verfehle das Ziel.

Das bekannte Centro in Oberhausen, das mit dem kostenlosen WLAN ausgestattet worden sei, diente als ein Beispiel. „Nicht weniger als 90 Prozent der täglich 70.000 Besucher gehen online“, sagte Gülicher. „Die Kunden orientieren sich über das Smartphone, wo etwas zu bekommen ist, um nicht umsonst dorthin zu fahren.“

Zu einem vergleichbaren Ergebnis führte auch die Umfrage des Instituts für Handelsforschung IFH in Köln. Danach möchten 41,5 Prozent der in Heinsberg Befragten das Objekt ihrer Begierde schon online reservieren lassen, um es dann im Geschäft abholen zu können. „Wir haben eine sehr starke Kundenbindung in der Stadt“, sagte Dahmen. Heinsberg sei in den Augen der Kunden sehr attraktiv, aber dennoch „ausbaufähig“, was zum Beispiel das Flair, junge Zielgruppen, WLAN oder Parkplätze anbelange. Bei Letzterem erhielt Heinsberg lediglich die Note 3,3. Gleichwohl gebe es keine Großstadt und kaum eine mittelgroße Stadt, die in diesem Punkt gut bewertet werde. Aachen hatte sogar nur eine 3,6 erzielt.

Bürgermeister Wolfgang Dieder versprach in der Vollversammlung, dass das Problem nun definitiv angegangen werde. Er fragte sich allerdings auch, warum das Freizeit- und das ÖPNV-Angebot verhältnismäßig schlecht bewertet worden seien, obwohl beides objektiv nicht schlecht sei. Offenbar fehle es hier an der nötigen Kommunikation, meinte er.

Weit besser als der Durchschnitt vergleichbarer Städte lag Heinsberg bei seinen Besuchern übrigens in den Punkten Erreichbarkeit mit dem Pkw, verkaufsoffene Sonntage, Gastronomie, Dienstleistungsangebot, Einzelhandelsangebot und Lebendigkeit. Recht munter war denn auch das augenzwinkernde Fazit, das Peter Heinrichs am Ende der Vollversammlung zog: „Wir haben gelernt, dass doppelt so viele Leute online gehen wie fremd.“ Heinsberg hat sich zum Ziel gesetzt, dem möglichst bald Rechnung zu tragen.

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