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Zu viel nackte Haut ist an Schulen tabu: Das Thema entfacht Diskussionen

Von: Katharina Menne und Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Welche Kleidung ist angemessen an Schulen, wenn es draußen heiß ist? Die Diskussion darüber ist mindestens so alt wie der Minirock. Die Schulen der Region sind sich einig, dass die Kleidung nicht zu kurz und nicht zu aufreizend sein sollte. Foto: imago/Ralph Peters

Kreis Heinsberg. In den 60er Jahren waren Miniröcke ein Aufregerthema, heute sind es die Hotpants: Heiße Temperaturen entfachen an deutschen Schulen allsommerlich die Diskussion über die angemessene Kleidung für den Unterricht.

Wie viel Bein dürfen die Schülerinnen zeigen, wie tief darf der Ausschnitt sein und darf man den Bauchnabel im Klassenzimmer und auf dem Schulhof zur Schau stellen? Wir haben an den Schulen in der Region nachgefragt, ob es eine verbindliche Kleiderordnung gibt.

Dass die Schüler im Unterricht nicht zu viel Haut zeigen dürfen, hat das Kreisgymnasium Heinsberg in seiner Schulordnung festgelegt. „Die Kleidung darf nicht zu freizügig sein. Das ist aber immer eine Interpretationssache. Wenn es sexuell aufdringlich oder nötigend wird, schreiten wir ein“, sagt Joachim Lengert, stellvertretender Leiter des Kreisgymnasiums.

Zwar kämen Verstöße gegen diese Vorgaben nicht allzu oft vor. Sei dies jedoch der Fall, dann kleideten sich aber die Mädchen und jungen Frauen zu aufreizend. Man habe nicht festgelegt, welche Kleidungsstücke generell verboten sind, „aber das Oberteil darf nicht so knapp sein, dass es weniger bedeckt als rausschaut. Wenn nur der Bauchnabel rausschaut, ist das noch kein Grund einzuschreiten“, sagt Lengert. Tragen die Schülerinnen aber zu wenig Stoff, dann müssen sie das prompt ändern. Entweder haben sie noch ein T-Shirt dabei, leihen sich eins oder müssen nach Hause, sich umziehen.

Auch am Cusanus-Gymnasium in Erkelenz steht in der Schulordnung festgeschrieben, dass die Schülerinnen und Schüler sich „schulangemessen“ zu kleiden haben. „Muscle-Shirts, kurze, tief ausgeschnittene Tops und zu knappe Hosen sind tabu“, sagt der stellvertretende Schulleiter Willi Gronenthal. Das werde so von den Klassenleitungen an die Schüler weitergegeben und gegebenenfalls angesprochen. Es sei aber eigentlich noch nie vorgekommen, dass es grobe Verstöße gegen diese Anordnung gab. „Die Schüler sind diesbezüglich sehr vernünftig und halten sich in der Regel daran“, sagt er. „Nach Hause schicken mussten wir deswegen noch nie jemanden.“

Die Kleiderordnung habe außerdem vorrangig eine erzieherische Intention. „Später im Berufsleben ist es wichtig, ein Gefühl dafür zu haben, wie man sich angemessen kleidet“, sagt Gronenthal. Freizeitkleidung sei selten angemessen. Wo also, wenn nicht in der Schule, können die Heranwachsenden damit beginnen, ein solches Gefühl zu entwickeln?

Fingerspitzengefühl gefragt

Eine schriftliche Kleiderordnung gibt es an der Realschule in Hückelhoven nicht. An der relativ kleinen Schule sei das nicht nötig, da reichten Absprachen, sagt Schulleiter Sven Hagen. „Aber Werteerziehung ist Teil unseres Schulprogramms. Und dazu gehört es, angemessen gekleidet zur Schule zu kommen.“ Das sei im Übrigen auch in einer Schulvereinbarung, die jedes Kind unterschreiben muss, festgelegt. Und wenn doch ein Kind unangemessen gekleidet zur Schule kommt, „dann thematisieren wir das“, sagt Hagen. Es sei schon vorgekommen, dass ein Kind nach Hause gehen und sich umziehen musste. Das sei aber der Einzelfall.

Was „zu freizügig“ bedeutet, entscheiden Lehrer und Schulleiter im Einzelfall. „Wenn das Kind sich bewegt und man deshalb den Bauchnabel ein bisschen sieht, ist das kein Problem. Wenn das Oberteil direkt unter der Brust endet, dann schon“, sagt Hagen. Es gehe aber auch um das Gesamterscheinungsbild des Schülers. „Legen es die Kinder darauf an, Haut zu zeigen, um ihre Mitschüler zu reizen? Oder liegt das nur an der Hitze und das Kind kleidet sich ansonsten vernünftig? Das erfordert auch etwas pädagogisches Fingerspitzengefühl“, sagt er.

Ebenso halten es auch die Schulleitungen des Cornelius-Burgh-Gymnasiums in Erkelenz, des Gymnasiums Hückelhoven und des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums in Wegberg. Es gebe keine festgeschriebenen Regeln. Auf angemessene Kleidung werde aber Wert gelegt, betonen alle einstimmig. „Wenn jemand aussieht, als sei er gerade eher auf dem Weg an den Strand als in die Schule, dann sprechen wir sie oder ihn an und weisen darauf hin, dass das so nicht geht“, sagt der Leiter des Gymnasiums Hückelhoven, Arnold Krekelberg. Zu aufreizende Outfits trügen schließlich nicht gerade zur Arbeitsmoral der Schüler bei. „Es gibt aber keinerlei Sanktionen“, betont er. „Ein vernünftiges, klärendes Wort sollte ausreichen.“

Eine freie Gesellschaft entbinde niemanden davon, bestimmte Normen einzuhalten, sagt auch Maj Kuchenbecker, stellvertretende Schulleiterin am Maximilian-Kolbe-Gymnasium. Dazu gehöre eben ein angemessener Kleidungsstil. „Ich fände es nicht gut, wenn die Schülerinnen zu aufreizend in die Schule kämen.“ Das habe auch etwas damit zu tun, die Schüler vor sich selbst zu schützen.

An der Sekundarschule Haaren arbeitet man gerade an einem schriftlich fixierten Regelwerk für angemessene Kleidung in der Schule, sagt Ellen Kuhlenbeck, stellvertretende Schulleiterin. Dabei stellt sich auch den Verantwortlichen in Haaren die Frage, was „angemessen“ denn bedeutet. Die Gremien wollen das Ansinnen noch in diesem Sommer in Textform fassen, sagt Kuhlenbeck.

Größeres Thema in Oberstufe

Probleme mit zu viel nackter Haut treten naturgemäß vornehmlich an Schulen mit etwas älteren Schülern auf. „Ich denke, das wird ab den Klassen neun, zehn und in der Oberstufe sicher problematischer“, sagt Peter Ruske, Leiter der Gesamtschule Oberbruch. Dort werden bislang nur Schüler bis zur Klasse sieben unterrichtet. Allerdings hat die Schule schon Vorkehrungen für die Zukunft getroffen. „Wir haben eine Kleidungsordnung festgelegt. Wir wollen frei über die Wahl unserer Kleidung entscheiden, damit aber niemanden irritieren“, sagt Ruske. Der Kopf muss sichtbar sein, Ausschnitt und Unterwäsche sollen genauso wie der Bauchnabel verdeckt sein und auch der zu kurze Rock ist tabu.

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