Zeugin im Fall Pier fühlt sich bedroht

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Wegberg Antonius-Klinik
Der ehemalige Chef der Antonius-Klinik in Wegberg muss sich vor Gericht verantworten, weil sieben Patienten durch Behandlungsfehler gestorben sein sollen. Foto: dpa

Wegberg. Die mutmaßliche Verfasserin der anonymen Anzeige gegen den Ex-Chefarzt der Wegberger Antonius-Klinik Arnold Pier sowie weitere Ärzte wurde von der Mönchengladbacher Polizei „auf der untersten Stufe ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen”, so ein Verfahrensbeteiligter am Montag gegenüber unserer Zeitung.

Nach ihrer Zeugenaussage am vergangenen Donnerstag im Prozess vor dem Landgericht Mönchengladbach erlitt die 47-jährige Krankenschwester Jutta W. einen Weinkrampf und fühlte sich anschließend von Angehörigen oder Freunden der angeklagten Mediziner bedroht.

„Man wartete draußen auf die Dame”, sagt Rechtsanwältin und Nebenklägerin Hiltrut Hören. „Dass die Frau Angst hatte, war deutlich zu spüren.” Ihr Kollege Karlheinz Rabe, ebenfalls Vertreter der Nebenklage, sah die Gruppe ebenfalls vor dem Gericht stehen und hörte dabei unter anderem die Bemerkung: „Die soll durchmachen, was wir auch durchgemacht haben. Das kann gar nicht schlimm genug sein.”

Die völlig aufgelöste Zeugin musste schließlich ihr Auto stehenlassen und wurde von mehreren Polizisten weggefahren. Die bislang in Wegberg lebende Zeugin wurde nach Informationen unserer Zeitung in einer von der Polizei vermittelten Wohnung untergebracht. Im Unterschied zu „höheren Stufen” eines Schutzprogrammes behält die Zeugin ihre Identität und ihre Papiere.

Derweil nahm sich die weiterhin berufstätige Krankenschwester den Mönchengladbacher Rechtsanwalt Hans-Jürgen Engel: „Ich habe Akteneinsicht beantragt”, so der Anwalt gegenüber unserer Zeitung. „Wir werden zum nächsten Prozesstermin am kommenden Donnerstag dem Gericht mitteilen, ob meine Mandantin eine Urheberschaft des Briefes einräumt und ob sie weiterhin aussagt.”
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