Heinsberg - Zahl der Flüchtlinge hat sich in Heinsberg vervierfacht

Zahl der Flüchtlinge hat sich in Heinsberg vervierfacht

Von: Rainer Herwartz
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An der Brotausgabe in der Heinsberger Tafel legte Bürgermeister Wolfgang Dieder eineinhalb Stunden lang selbst mit Hand an. Foto: agsb

Heinsberg. Schon vor einiger Zeit hatte Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder einen Besuch bei der Heinsberger Tafel machen wollen, den Termin aber dann doch verschieben müssen. Nachdem das engagierte Team aus Ehrenamtlern nun in unserer Zeitung über die sich zuspitzende Situation berichtete, da pro Woche rund 20 neue Haushalte hinzukämen, die es zu versorgen gelte, wollte Dieder sich vor Ort ein Bild machen.

Doch nicht nur das, der Verwaltungschef packte gleich bei der Lebensmittelausgabe auch noch tatkräftig mit an. Es sei schon ganz schön eng gewesen, berichtet Dieder. Als er kurz vor Beginn der Verteilungsaktion das Gebäude an der Erzbischof-Philipp-Straße betreten habe, musste er sich zunächst einmal den Weg durch die wartende Menge bahnen.

Den Weg gebahnt

„Dass sich der eine oder andere hier beengt fühlt, kann ich nachvollziehen“, meinte Dieder. Heinz-Werner Küpper, der Geschäftsführer der Heinsberger Tafel, hatte bekanntlich im Vorfeld gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass der Anteil der deutschen Bedürftigen an den Nutzern der Tafel immer geringer werde, weil sich gerade ältere Menschen von dem neuen Menschenandrang schlicht überfordert fühlten.

„Trotz der Vielzahl der Leute, die versorgt werden müssen und der damit verbundenen Belastung, wird das aus meiner Sicht optimal gemanagt“, sagt Dieder. „Wir hatten eineinhalb Stunden alle Hände voll zu tun, um dem Ansturm gerecht zu werden.“

Dass dieser nicht abreißen wird, ist für den Bürgermeister sehr wahrscheinlich. „Zu Beginn des Jahres hatten wir rund 100 zugewiesene Flüchtlinge, jetzt sind es 390. Das führt zu gewaltigen Anstrengungen auch in der Belastung des ehrenamtlichen Engagements.“ Zum Glück sei die Spendenbereitschaft der Heinsberger Bürger und Geschäftsleute enorm.

„Auch die Bereitschaft, uns Wohnungen zu vermieten, ist groß.“ Das Problem, das es zu bewältigen gelte, liege eher noch in einem anderen Bereich. „Es besteht darin, die Versorgungsstruktur aufrecht zu erhalten. Die Mitarbeiter müssen jetzt nicht mehr 100, sondern schon rund 400 Menschen betreuen.“ Es bestehe die Gefahr, dass irgendwann eine immer größer werdende Diskrepanz zwischen den Leistungen bestehe, die den Flüchtlingen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zustünden und dem, was durch die Kommunen tatsächlich umgesetzt werden könne, befürchtet Dieder.

Keine Hilfe zu erwarten

Auch wenn letztlich niemand einen gesetzlichen Anspruch auf die Leistungen einer Tafel hat, wird sich die Situation hier ähnlich darstellen. Auf eine wirkliche Hilfe durch die Kommune können die Ehrenamtlichen dabei allerdings nicht zählen, denn bei der Stadt seien die Kapazitäten schon für die eigenen Pflichtaufgaben unabdingbar, macht Dieder deutlich. Die Bringschuld liege eindeutig bei Bund und Land.

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