Heinsberg - Wolllust: Stricken ist gut für die Seele

Wolllust: Stricken ist gut für die Seele

Von: Mirja Ibsen
Letzte Aktualisierung:
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Pullis kaufen Bianca Goertz (l.) und Oxana Maier (r.) nicht, sie stricken sie. Seit Mai führt Oxana Maier das Geschäft „Kluge Wolle“ in Heinsberg.
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Susanne Kandulski hat im März 2015 den Laden „Kalana“ an der Liecker Straße eröffnet. Alle 14 Tage dienstags gibt es dort einen Stricktreff.
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Kuschelig knallige Knäule: Der Anblick dieser wollig weich bestückten Wand, lässt leidenschaftlichen Strickerinnen die Fingern kribbeln. In Heinsberg kann man die Wolllust offline befriedigen. Foto: mib

Heinsberg. Sarah Jessica Parker tut es, Cameron Diaz tut es und die neue Lagerfeld-Muse Cara Delevingne tut es auch: Stricken. Ob sie es tun, weil es im Trend liegt, oder weil es so gesund ist? Darüber gibt es nämlich Studien. Zum Beispiel von der Medical School in Havard, die nachgewiesen hat, dass Stricken Stress abbaut.

In Amerika ist es eine neue Masche der Ärzte, schwer kranken Patienten die Arbeit mit der Stricknadel zu empfehlen, bevor sie Antidepressiva verordnen. Und wer Anleitungen wie „Anschlag 150 M in Runden, 5 R glatt li., 5 R glatt re., … am Ende locker abketten“, versteht – und umsetzt, der hat auch gleich beide Gehirnhälften trainiert.

Susanne Kandulski strickt aber auch, weil sie es liebt, mit Farben zu spielen, weil es ein schönes Gefühl ist, etwas selbst zu erschaffen – und weil es Spaß macht. Weil die Wolllust der 46-Jährigen seit 30 Jahren so groß ist, hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und im Mai 2015 ein kleines Wolllädchen an der Liecker Straße in Heinsberg eröffnet. Ein Wollknäuel und eine Tasse Kaffee prangen auf dem Ladenschild: Kaluna – Wolle und mehr. „Ka“ steht für Kandulski und „Lana“ ist das italienische Wort für Wolle.

Das Schild an dem Laden in der Apfelstraße 60 an der Ecke zur Petergasse ist bereits überholt. „Kluge Wolle, Mode für Sie“, steht da. Aber nicht mehr lange. Das möchte Oxana Maier noch ändern. Die 40-Jährige hat im April den kleinen Laden von Marlies Keutmann übernommen, ihn renoviert, neu sortiert und am 3. Mai diesen Jahres wiedereröffnet. Nur das Schild passt jetzt nicht mehr zu dem hellen Boden in Holzoptik, den weißen Regalen und der Ladentheke im französischen Landhausstil.

Die Wolle hat sie optisch weiter in den Vordergrund gerückt, denn die soll jetzt die Hauptrolle spielen. Oxana Maier ist nämlich seit sie sechs Jahre alt ist ebenfalls eine leidenschaftliche Strickerin. So leidenschaftlich, dass die gelernte Einzelhandelskauffrau dafür sogar ihre Zelte in Sankt Augustin bei Bonn komplett abgebrochen hat und nach Heinsberg gezogen ist.

Lange hat sie den Traum von einem eigenen Laden gepflegt und sich umgehört, ob jemand einen Nachfolger sucht. Fünf Jahre dauerte es, bis sie in Heinsberg fündig wurde. „Ich habe mich gleich wohlgefühlt in der Stadt.“ Zum Glück ließ sich auch ihr zwölfjähriger Sohn von ihrer Begeisterung anstecken, sonst wäre der Traum schnell ausgeträumt gewesen.

Und so klicken und klappern in der Heinsberger Innenstadt die Nadeln an mindestens zwei Orten höchst professionell. Obwohl – sie klappern gar nicht mehr so laut. Sie sind jetzt nämlich meistens aus Holz. Rosenholz zum Beispiel. „Das Klappern mag ich auch gar nicht so“, sagt eine Kundin, die extra aus Krefeld nach Heinsberg gekommen ist, um sich bei Kalana mit gleich zwölf flauschigen Wollballen einzudecken.

Die weite Fahrt, nur wegen Wolle? Das liegt an der speziellen Marke, die Susanne Kandulski anbietet. „Da stimmt einfach das Preisleistungsverhältnis. Die Wolle lässt sich gut stricken und ist nicht zu teuer“, sagt die Kundin, trägt die Papiertüte, in der die flauschigen Fäden für ihr neues Dreiecktuch schlummern, aus dem Laden und lächelt.

Es gebe im Rheinland nur vier Läden, die diese Marke anbieten, sagt Susanne Kandulski während ihre Hände weiter an ihrem Schultertuch stricken. Sonst werde die Wolle meist online verkauft. Aber auf dem Bildschirm täuscht oft die Farbe und auch der Kuschelfaktor ist dort nicht spürbar. Deshalb hat Susanne Kandulski oft Kunden aus dem Grenz- und dem Ruhrgebiet im Laden.

Oxana Maier hat Stammkunden. Kunden, die schon bei Marlies Keutmann ihre Wolle gekauft haben und sich freuen, dass es jetzt weiter geht mit dem Traditionsgeschäft an der Apfelstraße. Da wird dann an der Theke über neue Strickmuster und verlorene Maschen gequatscht und gestrickt – zwei rechts, zwei links.

Der Rhythmus der Hände, die Monotonie und das Klicken der Nadeln gleichen einem Mantra. Deshalb bezeichnen Psychologen das Stricken gar schon als das neue Yoga. Die Gedanken können schweifen.

Aber nicht nur das mache die Handarbeit so attraktiv, findet Susanne Kandulski, die viele junge Frauen unter ihren Kunden hat. Die wollen sich einfach individueller kleiden. „Die haben es satt, ihrem Schal dreimal in der Stadt zu begegnen.“ Doch selbst gestrickt ist jedes Stück ein Einzelstück.

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