Heinsberg - Wladimir Kaminer: Geschichten sprudeln nur so aus ihm heraus

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Wladimir Kaminer: Geschichten sprudeln nur so aus ihm heraus

Von: anna
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Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Mimik und Gesten begeisterte Wladimir Kaminer sein Publikum in Heinsberg. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Ein Mensch, der aus eigentlich ganz Alltäglichem nicht nur lesbare Geschichten macht, sondern diese in seiner bildhaften Sprache wahrhaft zum Leben erweckt – das ist Wladimir Kaminer, wenn er vor seinem Publikum steht, ja wirklich steht, den ganzen Abend lang. Und dabei macht es kaum einen Unterschied, ob er gerade Erlebtes erzählt oder seine Geschichten vorliest, die einfach nur so aus ihm herauszusprudeln scheinen.

Zum dritten Mal war er auf Einladung der Buchhandlung Gollenstede jetzt schon in Heinsberg zu Gast, dieses Mal mit seinem neuen Buch mit dem Titel „Onkel Wanja kommt“. Wie Onkel Wanja kam er mit dem Zug und stieg versehentlich schon in Mönchengladbach aus. „Er wird gerade eingesammelt“, sagte Marcus Mesche und sorgte so schon in seiner Begrüßung und der Entschuldigung für elf Minuten Verspätung für die ersten Lacher des Abends.

Dann kam er, Wladimir Kaminer, und stellte sich vors Publikum. Sitzen wäre auch gar nicht gegangen, wäre doch da vielen Zuschauern die variantenreiche Gestik des gelernten Dramaturgen entgangen, mit der er seine Wortbilder in seinen Lesungen zum Leben erweckt. Um sein Buch ging es da erst einmal gar nicht. Er erzählte von seiner Reise nach Amerika, von seiner „Gartenkarriere“ und den Problemen mit „spontaner Vegetation“ – seine Art, wucherndes Unkraut zu beschreiben – und von seinen Erlebnissen in einem kleinen 160-Seelen-Dorf in Brandenburg, in dem er sich niedergelassen hat.

„Die gut begründete Grimmigkeit der Russen“ war seine erste Lesegeschichte überschrieben. Darin charakterisierte er auf bekannt bildhaft-amüsante Weise die Weltanschauungen unterschiedlicher Nationalitäten. Es folgte eine Weltpremiere: der Bericht über die Prüfungen zur mittleren Reife seiner Tochter. „Wie der Käse muss der Schüler reifen, bevor er dem Staat auf den Tisch kommt“, so sein Fazit.

Und dann kam er doch noch auf Onkel Wanja zu sprechen. „Das beste Buch, das ich jemals geschrieben habe, das wichtigste“, erklärte er. „Ich bin 45, die Vergangenheit wird immer größer. Ich versuche darin, alle Geschichten der Vergangenheit in Reih und Glied aufzustellen.“ Eigentlich laufe er mit seinem Onkel Wanja in dem ganzen Buch die Invalidenstraße entlang. „Wir klären die Welt in diesem Spaziergang!“

Kaminer erzählte von der Pubertät seiner Tochter und bemerkte: „Wir hatten keine. Ich pubertiere in gewisser Weise mit.“ Er schwelgte in Erinnerungen an seine erste „real existierende sozialistische Hose“, gewaschen mit Steinen und Sand, und an die Flut grün-gestreifter, kurzer Hosen aus Jugoslawien, die plötzlich in seiner russischen Heimat zur Mode deklariert wurden. Schließlich philosophierte er sogar über die Tourismusentwicklung als Folge des Meteoriten-Einschlags im russischen Tscheljabinsk.

Beim nächsten Mal werde er seine Lesung da fortsetzen, wo er aufgehört habe, versprach er seinen begeisterten, mehr als 80 Zuhörern und Zuschauern. „Uns allen wünsche ich, dass das Frühjahr volle Pulle kommt. Wir brauchen mehr Sonne. Auf ein Leben in der Sonne, das ganze Jahr über!“, verabschiedete er sich, nicht ohne wie schon in der Pause geduldig weiter seine Bücher und CDs aus der Russendisko zu signieren.

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