Wird „Hausbrand“ für ehemalige Bergleute gestrichen?

Von: kalauz
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Wenn es nach dem Willen der RAG geht, soll das Kohledeputat, auf das in Hückelhoven 598 ehemalige Bergleute noch heute Anspruch haben, 2018 abgeschafft werden. Die Gewerkschaft IGBCE will für den Erhalt der Deputatskohle kämpfen. Foto: kalauz

Hückelhoven. Es gibt Wörter in der deutschen Sprache, die je nach dem, der sie hört, eine völlig andere Bedeutung haben. Wenn ein Mitglied der Feuerwehr das Wort „Hausbrand“ hört, klingeln bei ihm die Alarmglocken. Wenn einem Bergmann das Wort „Hausbrand“ zu Ohren kommt, klingelt bei ihm der Geldbeutel. Jedenfalls war das bis heute so.

Seit kurzem aber klingeln auch bei den Bergleuten oder denen, die einmal Bergmann waren, die Alarmglocken: Der „Hausbrand“ nämlich, für den Bergmann das Anrecht auf kostenlose Steinkohle hat, soll abgeschafft werden.

In Hückelhoven haben nach den letzten Zahlen 598 ehemalige Angestellte oder Bergarbeiter von Sophia-Jacoba noch Anrecht auf das so genannte „Koheldeputat“, also den Hausbrand. Die allermeisten von diesen 598 Kumpel sind im Ruhestand, behalten aber ihr Leben lang das Recht auf das Kohledeputat, also auf den Hausbrand.

Angestellte eines Kohlezechenbergwerkes bekommen danach drei Tonnen Steinkohle pro Jahr frei Haus, Arbeiter 2,5 Tonnen. Da heute nicht mehr in jedem Haushalt ein Ofen steht, in dem die Kohlen verfeuert werden können, kann das Kohledeputat auch als „Energiebeihilfe“ ausbezahlt werden. Wer auf der Zeche malocht hat, erhält dann als Deputat Gutscheine, die sich am Weltmarktpreis für Kohle orientieren. Pro Jahr erhält der ehemalige Bergmann auf Sophia-Jacoba nach den letzten Zahlen 3168 Euro. Damit soll 2018 Schluss sein.

Jedenfalls will die RAG Deutsche Steinkohle das so. Die RAG ist der Betreiber der drei verbliebenen deutschen Bergwerke. Und für die und damit für die Steinkohleförderung in Deutschland wird 2018 die letzte Schicht gefahren. „Wenn wir keine Kohle mehr fördern, können wir auch keine mehr abgeben“, argumentiert das Unternehmen. Für die Gewerkschaft IGBCE dagegen hat das Deputat auch symbolische Bedeutung: „Das ist der letzte Rest der zweiten Lohntüte, mit der man den Kumpeln das Leben angenehmer machte. Weil die Arbeit schwer war“, sagt Detlef Stab, der bei Sophia-Jacoba in Hückelhoven führendes Mitglied im Betriebsrat war. Und deshalb, so Stab, will man in den anstehenden Tarifverhandlungen um dessen Beibehaltung kämpfen.

Und so ist es durchaus möglich, dass Hückelhoven 18 Jahre nach Schließung der Zeche Sophia-Jacoba noch einmal einen Streik erlebt. Wenn auch nur als ein „Strohfeuer“.

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