Heinsberg-Oberbruch - „Wir für Ruanda“: Hilfsverein hat schon neue Ziele im Visier

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„Wir für Ruanda“: Hilfsverein hat schon neue Ziele im Visier

Von: Anna Petra Thomas
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Vielerlei Leckereien dufteten zwei Tage lang über das Gelände des Oberbrucher Schulzentrums. Gefragt waren auch die Kochbananen, von Afrikanerinnen stilecht präsentiert mit verschiedenen Saucen. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Oberbruch. 59, 54, 61 oder 43: So viele Körner sind in einer Ähre Weizen, die aus nur einem Samenkorn entsteht. Fleißige Hände haben sie gezählt am Sonntagvormittag während des ökumenischen Gottesdienstes anlässlich des Ruanda- und Afrikafestes auf dem Gelände des Oberbrucher Schulzentrums.

„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern“, zitierte Mechthild Schnitzler dazu ein afrikanisches Sprichwort, das sie gleich abwandelte in einen deutschen Leitgedanken: „Kleine Ursache, große Wirkung!“ Beispiele dafür hatte sie zuhauf, auch aus dem Leben des Oberbrucher Hilfsvereins „Wir für Ruanda“, der in diesem afrikanischen Land ein Zentrum für Kinder mit geistiger Behinderung geschaffen hat.

Der evangelische Pfarrer Sebastian Walde, der den Gottesdienst gemeinsam mit dem katholischen Pfarrer Konrad Mohr aus Schleiden hielt, griff das Bild über die Mühen des Sämanns nach dem Text aus dem Matthäusevangelium (Mt 13, 1-9) in seiner Predigt auf. Die Saat falle nur zu einem Viertel auf fruchtbaren Boden. „75 Prozent der Bemühungen sind also umsonst“, erklärte er. Da würden Zweifel entstehen, würde sich in unserer modernen Gesellschaft ein Glaube breitmachen, der mit diesen 75 Prozent argumentiere. „Das bringt doch nichts. Ich kann doch nichts machen!“, laute das Glaubensbekenntnis dieser Menschen.

Gott urteile jedoch nicht von vornherein. Er wolle auf jeden Fall die 100 Prozent erreichen. „Jeder bekommt von Gott seinen Samen“, betonte Walde. Und wenn sich dieser vervielfältige, sei dies noch ein viel größeres Wunder. „Ich wünsche Euch jedenfalls, dass all das, was Ihr einbringt, viel Frucht bringt“, sagte er den aktiven Mitgliedern des Vereins, aber auch all den Menschen, die gekommen waren, um die Arbeit von „Wir für Ruanda“ schon allein mit ihrem Besuch beim Fest zu unterstützen.

Zentrum für 210 Kinder

Dr. Bernd Bierbaum, Gründer und Vorsitzender von „Wir für Ruanda“, setzte diesen Gedanken fort, indem er über die Arbeit vor Ort berichtete. 210 Kinder würden derzeit im Zentrum betreut, erklärte er, aber insgesamt 1500 Menschen in Ruanda könnten derzeit von dem Geld leben, das durch den Verein dort ankomme. Aus dem vor zehn Jahren gegründeten Zentrum sei inzwischen ein kleines Dorf mit 18 Gebäuden auf fünf Hektar Gelände geworden, berichtete er. Das Wesentliche am Konzept sei inzwischen, dass das Zentrum jeweils Kinder aus einer Gemeinde des Landes aufnehme, immer 24 Kinder in zwei Gruppen mit vier Lehrern. Die Kinder würden zwei Jahre im Zentrum bleiben und dann zusammen mit ihren Lehrern an ihre Heimatschule zurückkehren. So sei Integration möglich, aber keine Inklusion, betonte er. Inklusion sei auf dieser Ebene nicht möglich.

Ein neues Ziel ist jetzt ein inklusiver Kindergarten. Hier sei Inklusion möglich, weil Kinder auf dieser Ebene noch nicht sozialisiert seien, so Bierbaum. Weiterhin soll ein Berufsbildungszentrum entstehen, in dem geistig behinderte Menschen nach ihrem Schulabschluss die wesentlichen Fertigkeiten für ihren Alltag erlernen können. Dafür soll auch der Erlös des Festes verwendet werden.

Als Schirmherr würdigte Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, die Arbeit des Vereins. Davon habe er sich selbst schon Ende 2011 vor Ort überzeugt, erzählte er. Der Verein beeindrucke nicht nur durch seine Arbeit, sondern werde auch von der Bevölkerung vor Ort anerkannt. Und weit mehr als 100 Prozent der Gelder aus Oberbruch kämen dort an, weil es dem Verein immer wieder gelinge, sie aus öffentlichen Fördertöpfen weiter anzureichern.

So auch bei dem Berufsbildungszentrum. Hier würde sich die deutsche Botschaft mit 10.000 Euro beteiligen. Der Verein müsse die restlichen 15.000 Euro zusammenbringen, erklärte Dr. Bernd Bierbaum.

Dabei soll auch der Erlös des Festes helfen, das wieder ein vielfältiges Programm bot mit Musik, afrikanischen Spezialitäten, Bücher-, Trödel- und Kunsthandwerkermarkt und vielem anderen mehr.

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