„Wir für Ruanda“ boykottiert Wassenberger Weihnachtsmarkt

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:

Wassenberg. Wie war das doch noch gleich? Stand die Weihnachtszeit nicht stets unter einem „guten Stern“? Den Frieden soll sie doch in die Herzen der Menschen tragen, oder? Na zumindest der Weihnachtsmarkt, der sich an diesem Wochenende durch die Straßen von Wassenberg ergießt, scheint für den Vorsitzenden des Vereins „Wir für Ruanda“, Dr. Bernd Bierbaum, nicht gerade unter einem guten Stern zu stehen.

Zum ersten Male seit 15 Jahren wird der Verein nicht an dem weihnachtlichen Treiben teilnehmen. Die Verärgerung über gestiegene Kosten ist der Grund.

„Als unser Verein vor 15 Jahren das erste Mal am Wassenberger Weihnachtsmarkt teilnahm, war es noch kostenlos“, sagt Bierbaum. „Ein paar Jahre später waren es erst 90 Euro, dann wurden es 190 Euro Standgebühr. In diesem Jahr jedoch, bedingt durch einen neuen Vermarkter, sollten wir mehr als 500 Euro Standgebühren für das Aufstellen unseres eigenen Standes zusammen mit den Stromkosten bezahlen. Unsere Freunde, die den Stand betrieben hätten, empfanden dies als reine Abzocke.“

Trotz eines Protestes beim Gewerbeverein und beim Bürgermeister von Wassenberg sei der Veranstalter bei seiner „horrenden Forderung“ geblieben, beklagt Bierbaum gegenüber unserer Zeitung. Das Schicksal geistig behinderter afrikanischer Kinder spiele da wohl keine Rolle. „Und wenn man glauben möchte, Weihnachtsmärkte hätten etwas mit dem Fest der Liebe zu tun – so irrt man sich! Nur kalter Kommerz ist angesagt“, macht Bierbaum seiner Enttäuschung Luft.

Ganz allein auf weiter Flur scheint Bierbaum mit seiner Sicht der Dinge nicht zu stehen. „Schon einige Leute haben bei der Stadt angerufen und gefragt, wieso sie jetzt mehr bezahlen müssen“, erklärt Bürgermeister Manfred Winkens auf Nachfrage. Die Durchführung des Weihnachtsmarktes liege zwar in Händen des Gewerbevereins, aber dennoch sagt Winkens im Hinblick auf den Protest von Bierbaum: „Wenn dies so ist, finde ich es absolut nicht gut und unverhältnismäßig, weil der Verein niemand ist, der sich daran bereichert.“

Der Vorsitzende des Gewerbevereins, Georg Hensges, bringt hingegen durchaus Verständnis für das Vorgehen des neuen, aus Düsseldorf stammenden Weihnachtsmarkt-Betreibers auf. Demnach sei wohl der Glühweinverkauf am Afrika-Stand der Haken für die drastische Erhöhung der Standgebühr. Denn damit lasse sich nun einmal viel Geld verdienen, daher werde hier auch für den Verein „Wir für Ruanda“ keine Ausnahme zu anderen Glühweinanbietern gemacht.

In diesem Jahr, so Hensges, habe der Gewerbeverein dem Düsseldorfer „freie Hand“ zugesichert. „Wenn wir den Platz verpachten, haben wir kein Anrecht darauf, die Zahlen zu sehen.“ Im nächsten Jahr allerdings, das verspricht Hensges, werde über Probleme schon im Vorfeld gesprochen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert