Windräder doch in Myhl? Grüne scheitern mit Vorschlag

Von: ger
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Wassenberg. Auch nach langer Diskussion wollten sich Grüne und Linke nicht damit abfinden, dass die Stadt Wassenberg Windräder per Konzentrationszone im Birgelener Wald zulassen will.

Sie stimmten in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses gegen eine Änderung des Flächennutzungsplanes, die zur Folge haben soll, dass Windkraftanlagen im Birgelener Wald – und sonst nirgendwo in Wassenberg – gebaut werden dürfen. Konzentrationszone mit Ausschlusswirkung nennen die Verwaltungsleute das. Alle anderen Fraktionen stimmten dem zu. So weit das Formale.

Die Grünen hatten die Verwaltung per Antrag beauftragt, zu prüfen, ob man die Konzentrationszone nicht doch bei Myhl, entlang der neuen Trasse der B 221 n, ausweisen könne. Dort werde das Landschaftsbild durch den Bau der Umgehungsstraße ohnehin beeinträchtigt und Leitungen und Wege seien viel leichter einzurichten als im Birgelener Wald, argumentierte Fraktionsvorsitzender Robert Seidl in dem Antrag.

Die Verwaltungsspitze und zwei Mitarbeiter des Ingenieurbüros Lange, das im Auftrag der Stadt eine Potenzialanalyse in Sachen Windkraft in Wassenberg erstellt hatte, erteilten diesen Überlegungen eine Absage. Der Tenor: Wie man es auch drehe und wende, die infrage kommende Fläche in Myhl bleibe schlichtweg zu klein. Sollte man nun trotzdem dieses Areal zur Konzentrationszone für die Windenergie erklären, falle die Ausschlusswirkung weg.

Das bedeute: Wenn die Fläche zu klein sei, um der Windkraft „substanziell Raum“ zu geben, könnten an vielen Stellen im Stadtgebiet Windräder errichtet werden, ohne dass die Stadt etwas dagegen tun könne – auch im Birgelener Wald. Nur mit der Zone im Birgelener Wald sei eine Verspargelung der Landschaft zu verhindern. Seidl sah das anders: „Wir hätten die Möglichkeit, mit anderen Kriterien andere Flächen zu finden.“

Kämmerer Willibert Darius sagte, dass eine Konzentrationszone in Wassenberg mehr als 30 Hektar groß sein müsse, um den gesetzlichen Anforderungen in Sachen Ausschlusswirkung zu genügen. In Myhl komme man je nach Größe der Anlagen aber nur auf knapp zehn bis rund 20 Hektar, sagte Thomas Finke vom Ingenieurbüro Lange.

Die Grünen lehnen Windräder im Birgelener Wald unter anderem aus dem Grund ab, dass das Wassenberger Werben mit Naherholung, Tourismus und dem Premiumwandweg Birgeler Urwald durch die Windkraftpläne konterkariert werde. Dazu sagte Finke: „Beeinträchtigungen für die Erholung sind nicht komplett zu leugnen.“

Die Abwägung habe jedoch ergeben, dass es sinnvoll sei, die Windräder im Wald – relativ weit von Wohnhäusern entfernt – zuzulassen. In ihren Häusern hielten sich die Bewohner permanent auf, im Wald nur temporär. Das spreche dafür, die Windräder trotz der negativen Auswirkungen auf Tourismus und Naherholung im Birgelener Wald zuzulassen.

Zur Sitzung des Ausschusses waren erneut rund 50 Gegner der Windkraftpläne gekommen. „Wenn es so viel Widerstand aus der Bevölkerung gibt, sollte man die Sache nicht brachial durchsetzen“, sagte Christa Frohn (Linke). Ausschussvorsitzender Karl-Heinz Dohmen (CDU) befürchtete dagegen, dass sich nach dem „Sankt-Florians-Prinzip“ auch an­de­ren­orts Widerstand formieren würde, wenn man die Planung noch umwerfen würde. „Wenn wir näher an Wohnbereiche heranrücken, produzieren wir neue Bürgerinitiativen. Dann säßen hier vielleicht noch mehr Leute“, sagt er.

Wohl auch, um den vielen Zuhörern die Überlegungen seiner Fraktion näher zu bringen, verlas Hermann Thissen (SPD) eine längere Stellungnahme. Darin erklärte er, warum sich die Genossen für die Windenergie im Birgelener Wald entschieden haben.

Er sagte zum Beispiel, dass Erfahrungswerte betätigten, dass der Abstand zu den Wohnhäusern groß genug sei, um Gesundheitsgefährdungen für die Anwohner ausschließen zu können. Gleichwohl ermunterte er die Bürgerinitiative „Rettet den Birgeler Urwald“ dazu, einen Bürgerentscheid anzustreben, damit alle Wassenberger über das Thema entscheiden können.

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