Windpark: Protest im Grenzbereich ist groß

Von: dawin
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Math Cuijpers vom Dorpsraad Koningsbosch ärgert sich über die „Riesenräder“, die in direkter Grenznähe entstehen sollen. Foto: dawin

Selfkant/Koningsbosch/NL. Repowering heißt, alte Windräder durch moderne, effizientere ersetzen. Modern heißt allerdings auch: groß, sehr groß. So groß, dass die Anlagen vielen Anwohnern ein Dorn im Auge sind. Auf Waldfeuchter Gebiet sind drei Riesenrotoren von 200 Metern (inklusive der Flügelhöhe) im Windpark zwischen Waldfeucht und Saeffelen bereits seit einiger Zeit beschlossene Sache.

Auf dem angrenzenden Selfkänter Areal sollen ebenfalls Mega-Räder errichtet werden, zwei an der Zahl. Der Gemeinderat hat sich jüngst dagegen ausgesprochen. Der Kreis Heinsberg als Aufsichtsbehörde hat allerdings das letzte Wort. Eine Genehmigung hat er bislang nicht erteilt. „Es ist lediglich ein Vorbescheid ergangen, und der ist rein planungsrechtlicher Natur“, erklärt ein Sprecher des Kreises.

In diesem Vorbescheid sei dem Antragsteller lediglich mitgeteilt worden, dass das Bauvorhaben nach dem Flächennutzungsplan der Gemeinde Selfkant zulässig sei. „Zunächst müssen die vorgetragenen Bedenken und Einwände geprüft werden, ehe genehmigt oder auch nicht genehmigt wird.“

Die Gemeinde Selfkant möchte eine Belästigung der Saeffelener Bürger durch die imposanten Anlagen, die immerhin knapp 40 Meter höher als der Kölner Dom sind, auf jeden Fall vermeiden. Ob und gegebenenfalls was die Gemeinde nach ihrer frisch beschlossenen Veränderungssperre für die Windenergiezone unternimmt, steht nach Angaben von Bürgermeister Herbert Corsten noch nicht fest.

Fest steht, dass den noch nicht installierten Windrädern schon jetzt der Wind entgegen bläst – auch von jenseits der Grenze. In dem niederländischen Nachbarort Koningsbosch in der Gemeinde Echt-Susteren, dessen Wohnbebauung teilweise nur einen Steinwurf von dem Windpark entfernt liegt, sind die Bürger wegen des Vorhabens besorgt und aufgebracht.

Einer, der die Ängste und Bedenken der Koningsboscher auf den Nenner bringt, ist Math Cuijpers. Cuijpers ist Mitglied im sogenannten Dorpsraad (Dorfrat), das siebenköpfige, parteiunabhängige Gremium setzt sich aus diversen Interessenvertretern zusammen. Der Dorpsraad ist Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Kommunalpolitik, sein Plazet, aber auch seine Kritik in lokalen Belangen ist in aller Regel von Bedeutung.

600 Meter bis zur Wohnbebauung

Für Math Cuijpers ist es deshalb unverständlich, dass „bei der Errichtung der Windkraftanlagen, die teilweise bis zu 600 Meter an die Wohnbebauung ranreichen, weder die Koningsboscher noch die Gemeinde Echt-Susteren noch die Provinz Limburg ausreichend gehört wurden“. Er verweist auf eine Vereinbarung zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Provinz Limburg, in der eine bilaterale Kooperation in puncto Umweltschutz festgeschrieben ist. „Das ist hier nicht passiert“, sagt er.

Der Kreis Heinsberg wehrt sich gegen die Kritik aus Koningsbosch, sein Sprecher lässt wissen, dass die niederländische Seite sehr wohl am Genehmigungsverfahren beteiligt werde: „Bis zum 13. März hatten auch die Bürger und Behörden jenseits der Grenze Gelegenheit, ihre Bedenken darzulegen. Diese fließen selbstverständlich in die Bewertungen mit ein.“

Wie dem auch sei: Der Protest im Grenzbereich gegen die insgesamt geplanten fünf Riesenrotoren ist groß, er reicht weit über die Koningsboscher Dorfgrenzen hinaus, zum Beleg hierfür präsentiert Cuijpers eine Leserbrief-Seite einer regionalen Zeitung.

Grundsätzlich, sagt Cuijpers, sei der Dorpsraad nicht gegen Erneuerbare Energie aus Wind, und verweist auf die seit vielen Jahren bestehenden, kleineren Rotoren in direkter Sichtweite: „Aber jetzt wird die Sache deutlich übertrieben. 200 Meter, das ist einfach zu hoch.“ Ebenso wie viele Anwohner in Saeffelen befürchten die Niederländer nach Angaben Cuijpers eine Verschandelung des Landschaftsbildes, eine starke Lärmbelästigung, einen wuchtigen Schattenwurf und eine optische Umweltverschmutzung durch die nächtlichen Leuchtsignale.

„Außerdem hat sich schon aufgrund der vorhandenen Anlagen gezeigt, dass die Wohnhäuser einen deutlichen Wertverlust erleiden“, moniert der Mann vom Dorpsraad. Auch die bauliche Entwicklung seines Dorfes sieht er wegen der kurzen Abstandsflächen der Mega-Räder zur Ortslage für die nächsten Jahrzehnte gefährdet.

Noch ist nichts konkret, sagt Werner Joerißen, Saeffelens Ortsvorsteher. „Es gibt noch Gesprächsbedarf. Die Kreis- und Gemeindeverwaltung setzen sich an einen Tisch und suchen nach einer einvernehmlichen Lösung, die allen Betroffenen, auch den niederländischen Nachbarn, gerecht wird.“ Math Cuijpers und die übrigen Koningsboscher dürfte es vielleicht freuen.

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