„Willkommen in Erkelenz“: Ein Netzwerk der Hilfe für Flüchtlinge

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
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Angepackt: In der Fahrradwerkstatt hilft Manfred Nause (r.) von „Willkommen in Erkelenz“ mit Rat und Tat beim Herrichten von Drahteseln.
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Engagiert: Der Verein „Willkommen in Erkelenz“ heißt auch gerne neue Mitstreiter willkommen.

Erkelenz. Im Frühjahr 2015 erreichten die Flüchtlingszahlen in Deutschland einen neuen Höhepunkt. Bund, Länder und Kommunen waren ziemlich unvorbereitet und sahen sich vor völlig neuen Aufgaben, die mancherorts die Kapazitäten zu übersteigen drohten. Ehrenamtliche Helfer sprangen in die Bresche und schufen gemeinsam mit Kommunen und Institutionen ein Netzwerk der Hilfe für die Neuankömmlinge. In Erkelenz gründete sich im März 2015 der Verein „Willkommen in Erkelenz“ (W.i.E.), der von Franz Thiel ins Leben gerufen wurde.

Mittlerweile hat der Verein rund 160 Mitglieder und ist mit seinen Projekten breit aufgestellt. Sie reichen von der Fahrradwerkstatt, die bislang rund 200 gespendete Räder für die Mobilität der Flüchtlinge aufarbeiten konnte, bis hin zur Hausaufgabenbetreuung, bei der bis zu 20 Ehrenamtler den Flüchtlingskindern in der Astrid-Lindgren-Schule helfen.

„Gerne würden wir diese Hilfe auch in anderen Schulen anbieten“, betont Thiel. „Doch derzeit fehlt es uns an Manpower.“ Denn mit der Zahl der Aufgaben ist die der Ehrenamtler leider nicht mitgewachsen. So mussten einige Angebote erst einmal aus Personalmangel auf Eis gelegt werden. „Wir können jede Hilfe brauchen“, betont Thiel. „Personell wie finanziell.“

Und räumlich. Denn die Fahrradwerkstatt, die bislang in einer ungenutzten Immobilie untergebracht war, muss umziehen. Nun sucht der Verein einen Raum von rund 50 Quadratmetern, in dem weitere Drahtesel flott gemacht werden können. Wiederbelebt werden soll auch wieder der Bauwagen für Spaß und Spiel an der Unterkunft in Neuhaus.

Andere Projekte leben von der Kooperation, zum Beispiel „Spaß und Kultur“, das zusammen mit der katholischen Jugendkirche „Jack“ und dem Cusanus-Gymnasium auf die Beine gestellt wurde.

Der Verein versteht sich als Lobby für Flüchtlinge, wie Thiel betont. Doch dabei habe der Verein keinen Alleinvertretungsanspruch. Vielmehr werde die Kooperation mit anderen Organisationen und Institutionen gesucht. Denn oft scheitern Ideen an der dünnen Personaldecke.

Vielleicht liege es ja daran, dass die Menschen von dem Thema Flüchtlinge genug haben, gibt Thiel zu bedenken. „Das ist durchaus verständlich“, räumt er ein. „Doch wird es den Menschen und den vor uns liegenden Aufgaben nicht gerecht.“ Denn Integration gelinge nur im Miteinander. Es muss nicht immer Hausaufgabenhilfe sein. Auch Begleitung beim Gang zum Amt oder zur Bank, bei der Wohnungssuche und bei der Organisation alltäglicher Aufgaben benötigen die Flüchtlinge auch Hilfe. „Es handelt sich oft um punktuelle Hilfe, die abnimmt, je mehr sich die Flüchtlinge bei uns auskennen“, betont Thiel.

Auf die Arbeit der Erkelenzer ist auch Thorsten Klute aufmerksam geworden. Der Staatssekretär für Integration in NRW, besucht am Donnerstag, 19. Januar, den Verein, um sich vor Ort über seine Arbeit zu informieren. Nach dem Besuch der Vereinsräume trägt sich Klute ins Goldene Buch der Stadt ein.

Dann geht es weiter in die Oerather Mühle, wo er als Ehrengast der ersten Jahresversammlung des Vereins beiwohnt und einen Vortrag hält über die Integration in NRW. Zum Vortrag um 18 Uhr und der anschließenden Versammlung sind Interessenten herzlich eingeladen.

Vielleicht hat ja auch jemand Interesse, bei W.i.E. im Rahmen des Bundesfreiwilligenjahres zu arbeiten, hofft Thiel. Denn die Arbeit des Vereins müsse auch von innen heraus organisiert werden.

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