Wildwuchs: Bald knattern die Sägen am Lago Laprello

Von: Mirja Ibsen
Letzte Aktualisierung:
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Vom See nichts zu seh‘n: Schwarzerlen lieben Gewässer und sie vermehren sich schnell. Aber da wo sie jetzt stehen, sollten sie gar nicht hin, deshalb werden sie jetzt zurechtgestutzt. Fotos (2): mib
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Meterhoch stehen Weiden hinter dem Beobachtungsturm zwischen Nord- und Südsee – zu hoch.

Heinsberg. „Wenn wir jetzt im Winter nichts tun, kann man im Sommer nichts mehr sehen“, sagt Stadtbiologe Frank Backwinkler. Und zu sehen gibt es einiges im Naturschutzgebiet am Lago Laprello, zumindest, wenn man sich ein bisschen auskennt und für Ornithologie interessiert. Ein Feldstecher wäre dabei auch hilfreich. Dann könnte man den 15 bis 18 Zentimeter großen Flussregenpfeifer erkennen, der im Sommer auf der Insel des Nordsees brütet, oder den rahmgelben Federbusch am braunen Kopf der Pfeifenten oder den kleinen Eisvogel.

Im Moment ist das aber schwierig, denn die Weiden vor den Beobachtungstürmen, die eigentlich den Blick zum Nordsee öffnen sollten, sind hoch gewachsen. Und sie wachsen weiter. Ein bis zwei Meter schlagen die Triebe im Jahr aus. „Ein Pflegeschnitt ist jetzt dringend notwendig“, sagt Backwinkler.

Dafür hat die Stadt Heinsberg eine externe Firma beauftragt, weil der Bauhof der Stadt bereits stark ausgelastet ist. Als städtischer Biologe wird Backwinkler die Arbeiten begleiten. Sein Ziel ist es, die „Wintergäste“ des Sees so wenig wie möglich zu stören. Sorgen um brütende Enten macht er sich nicht. Dafür hat er den Termin für die Arbeiten in das Winterhalbjahr gelegt, und „wenn es zu laut wird, können die Vögel immer auf den Süd- oder Ostsee ausweichen“.

Backwinkler hofft, dass es noch in diesem Winter gelingt, auch die Insel auf dem Nordsee von den wild gewachsenen Birken zu befreien. Denn Bäume hat der Vogel des Jahres 1993, der dort im Frühjahr seine Nestmulden anlegt, nicht gern. Der Flussregenpfeifer bevorzugt einen sandigen, kiesigen Untergrund, eine niedrige Vegetation und die Nähe zum Wasser. Normalerweise findet er sie auf Kiesbänken in der Mitte von Flüssen, aber da natürliche Flussläufe immer seltener zu finden sind, weicht der Zugvogel auf Baggerseen aus. „Wenn die Insel zuwächst, wird der Flussregenpfeifer dort nicht mehr brüten“, erklärt der Biologe.

Arbeiten am Nord- und Südsee

Die Sägen werden aber nicht nur in und um den Nordsee aktiv sein. Ab Dienstag, 8. November, werden Spaziergänger auch am Südsee Landschaftsgärtnern begegnen. Sie schneiden das Gehölz dort, wo eigentlich ein freier Blick auf den See vorgesehen ist. Die heimische Schwarzerle zum Beispiel, deren Samen in der Nähe von Feuchtgebieten besonders gut gedeihen, hat sich am Uferrand stark ausgebreitet. Diese Laubbäume sollen „auf den Stock“ geschnitten werden, dass heißt, sie treiben auch wieder aus, was wiederum bedeutet, dass solche Pflegearbeiten künftig regelmäßig notwendig sein werden. Schließlich soll der See auch zu sehen sein. Frank Backwinkler weiß aus Erfahrung, dass alles, was am Lago Laprello geschieht, von den Bürgern sehr aufmerksam verfolgt wird. Selbst Mäharbeiten am Lago werden mit Argusaugen beobachtet und dann landet schon mal eine wütende E-Mail in seinem Postkasten. Aber der Biologe erklärt gerne die Notwendigkeit. „Ich finde es ja gut, dass die Menschen sich melden. Je mehr Menschen auf die Natur achten, desto weniger kann falsch laufen.“

In der kommenden Woche beginnen die Arbeiten. Die Stadtverwaltung bittet Nutzer des Naherholungsgebietes um Verständnis, falls die Wege vorübergehend schwerer zugänglich sein sollten, und um besondere Vorsicht.

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