Wie sich eine palästinensische Christin für Frieden in Nahost einsetzt

Von: Johannes Bindels
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„Friede sei mit Dir“: Khadra Zreineh schenkt den Zuhörern ihres Vortrags im Wassenberger Pfarrheim ihr Friedenssymbol – eine Taube mit Ölzweig im Schnabel. Foto: Bindels

Wassenberg. „Mein Beruf ist mir Berufung geworden“, betonte Khadra Zreineh im Pfarrheim von St. Georg in Wassenberg ihrem aufmerksamen Publikum gegenüber. Die Christin aus Bethlehem war einer Einladung der Pfarrgemeinde und Propst Thomas Wieners gefolgt.

Die vierfache Mutter und in Deutschland geborene Palästinenserin berichtete vom Leben der christlichen Minderheit zwischen verfeindeten Parteien in ihrem Land, aber auch von der ungebrochenen Hoffnung auf Frieden. Tags zuvor war sie mit ihrem Anliegen, ihr Land aus dem Blickwinkel der christlichen Minderheit und der einfachen Bevölkerung zu schildern, zu Gast im Bürgerhaus in Höngen im Selfkant.

Als Touristenführerin habe sie eine deutsche Reisegruppe um Pfarrer Roland Bohnen aus Süsterseel in Bethlehem kennengelernt. Erst auf Einladung von Menschen aus Deutschland werden ihr die Ausreise und der Erhalt eines Visums ermöglicht. Die Schönheit ihres Landes aufzuzeigen und vom schwierigen Alltag der einfachen Menschen zu berichten, und das Gespräch beim gemeinsamen Essen mit den Touristen zu suchen, sei ihr Anliegen.

Dass sie fließend Deutsch spreche und in ihrem palästinensischen Pass als Geburtsort Engelskirchen stehe, hat sie ihrem Vater zu verdanken, der in den 60er Jahren als Schriftsetzer in Bonn gearbeitet hat. Als sie 15 Jahre alt war, wollte die Familie eigentlich nur Urlaub in Palästina machen, aber dann wurde mitten in den Wirren von Krieg und Gewalt Bethlehem ihre neue Heimat.

Wie Josef und Maria

Seit 1978 und ihrer Heirat lebe sie in der autonomen Zone Palästina. Ihr Mann begleite sie auf ihren Reisen. „Viele nennen ihn Josef, obwohl er Basem heißt“, erzählte sie. Den Namen habe er erhalten, weil er sie wie Josef seine Maria vor mehr als 2000 Jahre überall hin begleite, ließ sie das Publikum wissen und schaffte einen Moment der Heiterkeit.

Die Zuversicht lasse sie sich nicht nehmen, das ist eine ihrer glaubhaften Botschaften, das bringe ihr christlicher Glaube und ihre daraus gespeiste Nächstenliebe als Christin mit sich, sagt sie. Auch unter den Israelis und den christlichen und muslimischen Palästinensern gebe es nach wie vor sehr viele Menschen, die eine dauerhafte Aussöhnung wollten. Leider handelten jedoch die Scharfmacher auf beiden Seiten des Konflikts „nach der Maxime: Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sagt sie.

„Jerusalem liegt nur acht Kilometer entfernt, aber Zäune, Mauern und bewachte Grenzen machen es mir unmöglich dorthin zu gelangen.“ Den Alltag zwischen christlichen und muslimischen Arabern erlebe sie trotzdem als gut und von gegenseitigem Respekt geprägt. „Ich habe eine Gebetsgruppe gegründet“, erzählt sie. Ihre unerschütterliche Hoffnung beziehe sie aus ihrem Glauben und einem von ihr initiierten Friedenscafé, in dem jüdische, muslimische und christliche Schüler zusammenfinden. Dennoch sei die Abwanderung der jungen Generation, die im Ausland studieren und leben möchte, eine Tatsache.

Auch die Chancen eines eigenständigen palästinensischen Staates sieht Zreineh mit Skepsis: Wie könne das klappen ohne eigenes Wasser und ohne eigene Stromkraftwerke? Dem könne man nur Einrichtungen wie Schulen, Reha-Häusern und Krankenstationen entgegen setzen, die durch großzügige Unterstützungen ermöglicht wurden. Aber es reiche eben noch nicht, um eine Zukunft zu sichern. Allen Widrigkeiten zum Trotz will sie sich weiter für Dialog und Aussöhnung einsetzen, denn wer könne im Land der Wunder nicht an Wunder glauben?

Am Ende ihres Vortrags schenkte sie jedem der Besucher das Symbol des Friedens, eine Taube mit einem Ölzweig, geschnitzt aus palästinensischen Olivenholz, mit den Worten: „Friede sei mit dir.“

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