Wie lang drückte er wirklich zu?

Von: Heike Ahlen
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Mönchengladbach/Wegberg. Im Prozess gegen den 56-jährigen Gastwirt Peter J. aus Wegberg, der im August 2010 mit einem Würgegriff einen randalierenden Gast (35) getötet haben soll, wird vermutlich am 11. Juni das Urteil fallen.

Wegen Beihilfe mitangeklagt ist Pascal B. (26), der als Kellner aushalf und seinem Chef zur Hilfe eilte, als dieser ihn aufforderte, den Arm des Opfers festzuhalten.

Dass das Opfer Marius K. erheblich alkoholisiert und aggressiv gewesen sein soll, als er zu später Stunde mit einem Freund die Gaststätte betrat, bestätigten Zeugen.

Einer der Männer, mit dem der Familienvater dann kurz darauf in der Kneipe aneinander geraten sein soll, berichtete, K. habe ihm auf die Schulter geschlagen und herumgepöbelt. Der Freund des Opfers hat jetzt vor Gericht ausgesagt, er habe deshalb versuchen wollen, Marius K. zum Gehen zu bewegen - die Frau des Gastwirts habe ihn aber vor die Tür geschickt.

Dass der Wirt und der Gast kurz darauf auf dem Boden miteinander rangen, haben etliche Leute mitbekommen. Das entscheidende Indiz aber fehlt - nämlich die Antwort auf die Frage, wann Marius K. keine Gegenwehr mehr leistete. Er habe mehrfach den Griff gelockert und K. gefragt, ob er sich beruhigt habe, gab Gastwirt Peter J. zu Protokoll. Marius K. habe nicht geantwortet, aber jedes Mal wieder angefangen, sich zu wehren. Irgendwann habe ein Gast gerufen: „Der ist eingeschlafen, Du kannst loslassen.” Das, so hatte der Peter J. in seiner Aussage erklärt, sei der Moment gewesen, in dem er gespürt habe, dass der Körper unter ihm erschlaffte - er habe daraufhin sofort losgelassen. Gesehen hat das aber niemand genau.

Die Rechtsmedizinerin, die sich mit der Suche nach der Todesursache beschäftigt hat, kommt dagegen zu einem anderen Schluss: Das Opfer sei erstickt, erklärte sie. Bei einem Schwitzkasten-Griff werde das Opfer bereits nach ein bis zwei Minuten bewusstlos. Bis zum Tod müsse man den Griff aber drei bis fünf Minuten aufrecht erhalten. Mindestens eine Minute fehlt also, in der Marius K. nach dieser Aussage bewusstlos gewesen sein müsste, bevor er starb.

Mit der Frage, wie lange er wirklich zudrückte, müssen sich nun Richter auseinandersetzen.
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