Wie ein Spendenprojekt jede Menge Blut fließen lässt

Von: Anna Petra Thomas
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Anton Maier, Vorsitzender des 1. FC Heinsberg-Lieck, wollte auch selbst Blut spenden. Danach sorgten sich seine Vereinsfreunde liebevoll um ihn, weil sein Kreislauf ein kleines bisschen mehr Zeit brauchte. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Kurz vor dem Start war Nazim Yildirim noch in Schweiß gebadet. Zu groß waren Anstrengung und Aufregung zugleich bei der großen Frage, ob die von ihm initiierte Blutspende-Aktion unter dem Motto „Verein(t) Leben retten“ gelingen würde. Seine Idee für das Projekt war es, Vereine zum Mittun aufzufordern und so Menschen den Schritt zu erleichtern, sich erstmals für eine Blutspende zu entscheiden.

Genau vier Stunden später strahlte der Seniorenspieler des 1. FC Heinsberg-Lieck jedoch übers ganze Gesicht. Das Projekt hatte sogar mehr als die anvisierten Blutspenden für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) erbracht. 150 hatte das hoch gesteckte Ziel gelautet. 166 waren es am Ende, davon sage und schreibe 63 Erstspenden.

Nach den Erfahrungen des DRK sind es ansonsten bei normalen Terminen rund 80 Spenden, „wenn es gut läuft“, so Pressereferentin Gabriele Hoch, „100, wenn es sehr gut läuft.“ Zudem liege die Zahl der Erstspender normalerweise nur zwischen vier und sechs.

Schon gleich zu Beginn bildete sich in der Aula der Heinsberger Realschule eine kleine Schlange vor der Anmeldestation. Vertreter von Vereinen, die diese Aktion vor allem ansprechen wollte, aber auch Einzelspender wie zum Beispiel Landrat Stephan Pusch reihten sich geduldig ein.

Gemeinsam mit weiteren 30 Seniorenspielern sowie haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des DRK hatte Yildirim die Aktion perfekt organisiert. Sogar kleine Geschenke wie Trinkflaschen oder Einkaufsgutscheine eines Heinsberger Wohnkaufhauses hatte er besorgt. Das bekannte, rote Espresso-Mobil eines Geldinstituts war im Einsatz, und ein Supermarkt hatte für alle Spender Süßigkeiten zur Verfügung gestellt.

„Wir arbeiten in zwei Schichten“, erklärte Yildirim, „damit wir auch selbst alle Blut spenden können.“ Mit Manuel dos Santos kam dann auch der erste Spender gleich aus den Reihen des 1. FC Heinsberg-Lieck. Vorsitzender Anton Maier tat es ihm nach, brauchte danach jedoch ein bisschen mehr als die verordneten zehn Minuten Ruhe.

Wahrhaft alte Hasen waren dabei wie Siegfried Bretzke (78) aus Oberbruch, der seine 135. Spende „ablieferte“ oder Hazzaa Alnasser (25), der nach seiner Flucht aus Syrien seit eineinhalb Jahren in Erkelenz lebt. Im Integrationskurs habe er von der Aktion gehört, berichtete er. „Das habe ich zu Hause auch schon gemacht“, erklärte er sein selbstverständliches Engagement. „Alle Leute sind doch gleich.“

Die Spender wurden von einem Arzt vor der Spende eingehend beraten, und auch Gabriele Hoch beantwortete wie ihre Kollegen vom DRK geduldig alle Fragen wie etwa die, wie viel Blut ein Mensch überhaupt besitze. „Wenn er 75 Kilo wiegt, sind es etwa fünf bis sechs Liter“, erklärte sie. Und mit den 500 Millilitern die er spende, könne er gleich drei Menschen helfen, denn verwendet würden die Blutplättchen, die roten Blutkörperchen und das Blutplasma.

Yildirims Aktion gefiel ihr so gut, weil dem Verein mit den meisten Teilnehmern auch noch ein großer Pokal winkt und die Organisatoren in Verbindung mit der Pokalübergabe am kommenden Samstag zudem noch an die Tafeln in Heinsberg und Oberbruch spenden wollen. Das zunächst bei der Weihnachtstombola der Seniorenspieler eingenommene Geld, rund 700 Euro, war der Auslöser für die Aktion „Verein(t) Leben retten“ gewesen. Die Spieler des 1. FC Heinsberg-Lieck wollten nämlich nicht nur Geld spenden, sondern auch aktiv Gutes tun. Inzwischen hat sich dank weiterer Spenden die zur Verfügung stehende Summe für die beiden Tafeln auf insgesamt 2000 Euro erhöht.

Den großen Pokal dürfen am nächsten Samstag übrigens die Spieler des FSV 09 Geilenkirchen in Empfang nehmen. Der Verein stellte 18 Spender. Auf Platz zwei kam der SC 09 Erkelenz, gefolgt von der Löschgruppe Porselen der Freiwilligen Feuerwehr.

Für den 1. FC Heinsberg-Lieck spendeten 35 Mitglieder, allerdings außer Konkurrenz. „Es ist ein schönes Gefühl, ein verdammt geiles Gefühl, was wir erreicht haben“, lautet Yildirims Fazit. „Ein Gefühl, das man nicht mit einem Sieg nach einem Spiel vergleichen kann. Über diese Aktion werden wir nicht nur Monate, ja sogar Jahre reden.“ Sein Verein, dem er für die Unterstützung sehr dankbar ist, habe Worten Taten folgen lassen. „Das gibt uns Mut für weitere tolle Aktionen.“

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