Wie aus Gebrauchtklamotten hochwertige Kleidung wird

Von: Anna Petra Thomas
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So entsteht das neue Lieblingsteil: Michelle Heinrichs, Louisa Cüppers und Lena Meyer bei der Arbeit mit Stoff, Nadel und Schere. Foto: Anna Petra Thomas
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Auch die Jungs legten Hand an: Die Kölner Designerin Gina Kalf (links) und Florian Shin schauen Lutz Randerath beim Sticken zu. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Michelle Heinrichs hat aus dem Rückenteil eines einfachen, grauen Sweatshirts ein Dreieck ausgeschnitten und da hinein edle cremefarbene Spitze eingenäht. Die Ärmelbündchen sind mit der gleichen Spitze veredelt. Während sie ihr „neues“ Lieblingsteil mit Strass verziert, sind am Tisch gleich gegenüber Hannah Küppers und Mara Bause mit einem schwarz-weißen Strandkleid und einer grauen Bluse beschäftigt. Daraus wird jetzt ein schöner Zweiteiler, ein Kleid mit Jacke.

Fast könnte man glauben, in ein Atelier junger Modedesigner eingetaucht zu sein. So ähnlich ist auch gedacht, was sich in dieser Woche im Heinsberger Kreisgymnasium abgespielt hat. 27 Schüler der Jahrgangsstufe acht des Differenzierungskurses Politik/Wirtschaft schufen aus einem gebrauchten Kleidungsstück ein „neues“ Lieblingsteil.

Ihre kreativen Arbeiten sind Teil des euregionalen Projekts „Textile Art Fashion Today“ (TAFT) der Jugendkunstschule der Bleiberger Fabrik aus Aachen und zweier Designerinnen. In diesem Projekt arbeiten Schüler aus zwölf Schulen in der Euregio Maas-Rhein in einer Projektwoche jeweils mit einem Künstler zusammen. Modedesign ist der Schwerpunkt des Projekts, wobei großer Wert auf den Aspekt der Nachhaltigkeit gelegt wird.

So haben sich die Schüler des Kreisgymnasiums in der Theorie zunächst mit dem Entstehungsprozess von Textilien befasst und dabei die Produktionsbedingungen in den Herstellungsländern kritisch beleuchtet. Die zentrale Frage: „Billige T-Shirts – Wer zahlt den Preis?“ Weiter zur Vorbereitung des eigenen Designs gehörten Besuche im Textilmuseum Tuchwerk in der Aachener Soers und im Fairkauf-Laden der Caritas in Aachen. Aufgabe war, ein gebrauchtes Kleidungsstück für weniger als drei Euro zu kaufen, um es in ein neues Lieblingsteil zu verwandeln.

Bevor es an die Arbeit mit Nadel und Faden ging, galt es, ein sogenanntes Moodboard zu erstellen. Dabei wurden auf einem großen weißen Karton in Form von Bildern, Farben, Stoffmustern und anderen Materialien die Ideen für das neue, eigene Design visualisiert. „Sommerlich und bunt“ erdachte sich zum Beispiel Lutz Randerath das Design für sein graues Shirt, das er mit einer Hawaii-Blume bestickte. Auch ihm stand Gina Kalf, Modedesignerin aus Köln, mit Rat und Tat zur Seite.

Das notwendige Handwerkszeug

Sie hatte das notwendige Handwerkszeug wie Scheren und Nadeln mitgebracht, und auch eine Näh- und eine Kettelmaschine, Stoffe und Garne, Bügeleisen und Bügelbrett hatte sie dabei. Sybille Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik: „Schön, dass auch die Jungs so gut mitmachen!“

Einer von ihnen, Florian Shin, hatte ein Hemd „kontrastreich“ gestaltet: Er fügte ein blau-weiß gestreiftes Hemd mit einem schwarzen Poloshirt zusammen. Dabei verwendete er von dem Hemd den Kragen, die Knopfblende und die Brusttasche. Bei Lena Meyer, die aus einer orange-grau karierten Bluse mit einem Stück grauen Stoff ein neues Kleid gemacht hatte, fehlten nur noch ein paar kleine Pailletten auf dem Kragen. „Man kauft, was einem gefällt. Aber wenn man‘s selber macht, ist es doch noch viel schöner“, war ihr Fazit. „Und dann sieht man auch mal richtig, wie viel Arbeit das doch ist!“

Mit Lena Meyers Aussage hat sich für Sibylle Keupen die Zielsetzung des Projekts erfüllt, den Schülern zum einen eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Mode zu ermöglichen und sie dabei für einen nachhaltigen Konsum im Alltag zu motivieren.

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