Wichtige Strategie gegen Altersarmut

Von: Ingo Kalauz
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An der Fichtenstraße in Hilfarth entsteht derzeit neuer Wohnraum, der für einkommensschwächere Bürger bezahlbar sein soll. Foto: Stefan Klassen

Hückelhoven. Der Bürgermeister nannte die Zahlen mit Stolz: In Hückelhoven sind derzeit 88 Wohnungen gerade im Bau oder bereits fertiggestellt, 234 sind noch in der Planung. „Diese vielfältigen privaten Investitionen in den Wohnungsbau unserer Innenstadt sind sehr bemerkenswert“, findet Bernd Jansen.

322 neue Wohneinheiten im Zentrum der Stadt – das hört sich gut an: Auf dem ehemaligen Hertie-Gelände an der Parkhofstraße vis à vis vom Shalom-Park errichtet Dr. Andreas Brandt sein Notariat; der ehemalige Teppichmagnat Gerd Jäger zieht auf dem gleichen Gelände Wohnungen „im gehobenen Preissegment“, wie es im Bauausschuss bei der Vorstellung des Projektes hieß, hoch; auf dem rückwärtigen Gelände des ehemaligen Hertie-Komplexes baut die Immobilienfirma Dahlke eine „Umweltschutzsiedlung“; an der Brassertstraße soll dort, wo bis vor kurzem noch Siedlungshäuser aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts standen, ein neues „Wohnquartier“ entstehen – den Blick an dieser Stelle weit hinein in das Rurtal bis hinein in die Voreifel wird sich Viva West als Investor gut bezahlen lassen.

Bürgermeister Bernd Jansen kündigt zudem an, dass die früheren „Landprodukte Oeben“ an der Jülicher Straße verkauft sind, auch an dieser Stelle soll „hochwertiger Wohnungsbau“ entstehen; gleiches gilt am Berresheimring auf dem Gelände hinter dem Hotel „Friends“ und dem Modehaus Röther, das sich in absehbarer Zukunft an anderer Stelle im Hückelhoven Center neu positionieren wird.

Teurer freier Markt

All diese Bauprojekte werden von privaten Investoren realisiert – wer Geld zur freien Verfügung hat, legt es in diesen Zeiten der Niedrigzinsen vorzugsweise in Immobilien an: In Großstädten und auch in mittleren Städten mit studentischem Klientel sind die Mietpreise schon heute durch die Decke geschossen: Vernünftiger Wohnraum ist für „Normalsterbliche“ dort kaum noch erschwinglich. Auf dem freien Wohnungsmarkt gelten die Gesetze des Marktes: Je geringer das Angebot, desto höher die Preise.

„Bezahlbarer Wohnraum mit preiswerten Mieten ist auch eine wichtige Strategie in Zeiten wachsender Altersarmut“, sagt Heinz-Josef Schmitz. Der Leiter der Hückelhovener Tafel weist darauf hin, dass seit dem vergangenen Jahr „jeder vierte Einwohner in Hückelhoven 60 Jahre und älter“ ist und „die wachsende Altersarmut auch in unserer Stadt zu einem Problem“ zu werden drohe.

Er nimmt dabei Bezug auf die Ergebnisse einer Bewohnerbefragung in der Stadt Hückelhoven, die vom Lehr- und Forschungsgebiet Kulturgeografie der RWTH Aachen im Auftrag der Arbeitsgruppe „Älter werden im Kreis Heinsberg“ der kommunalen Pflegeplanung des Kreises Heinsberg durchgeführt wurde.

Hintergrund der Studie ist der demografische Wandel, der seit einigen Jahren die politische und öffentliche Diskussion in Deutschland mit beherrscht und die Kommunen verstärkt zum Handeln veranlasst. Bundesweit ist demnach mit rückläufigen Bevölkerungszahlen, einer steigenden Lebenserwartung, einer durchschnittlichen Alterung der Bevölkerung sowie mit einer starken Zunahme der über 65-Jährigen zu rechnen.

Obwohl die Kommunen des Kreises Heinsberg den Bevölkerungsprognosen zufolge zukünftig unterschiedliche quantitative Einwohnerentwicklungen erfahren werden, sieht sich der Kreis insgesamt mit den Auswirkungen einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft konfrontiert.

Schmitz, der vor seiner Pensionierung Leiter des Hückelhovener Sozialamtes war, bedauert ausdrücklich, dass das Projekt „Wohnpark an der Callstraße“ in Hilfarth nun doch nicht, wie ursprünglich geplant, aus Mitteln des sozialen Wohnungsbaus NRW finanziert wird: „Es waren bereits mehr als 1,3 Millionen Euro aus Landesmitteln finanzierungstechnisch gesichert“, sagt er. Der Mietpreis bei diesen Wohnungen hätte Dank der öffentlichen Förderung bei 5,05 Euro pro Quadratmeter gelegen.

Nach Angaben der „Immobilien Zeitung“ liegt die Preisspanne für einen Quadratmeter Wohnraum in Hückelhoven zurzeit zwischen 4,90 und 7,07 Euro, im Durchschnitt muss man in Hückelhoven im Augenblick 5,94 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche an Kaltmiete zahlen. Zum Vergleich: In Erkelenz liegt der Durchschnittspreis pro Quadratmeter Wohnfläche in einem Mietshaus bei 6,34 Euro. Der Trend geht auch dort nach oben.

„Leider hat sich die Kirchengemeinde St. Gereon Brachelen aus der günstigen Förderung zurückgezogen – es haben bereits mehr als 30 Bewerbungen für die 17 Wohneinheiten vorgelegen – und wesentlich teurere, frei finanzierte Wohneinheiten errichtet und mittlerweile in Betrieb genommen“, sagt Schmitz. Seiner Meinung nach hat die Katholische Kirchengemeinde Brachelen hier ihren Auftrag, sich „auch den Bedürfnissen der einkommens- und sozialschwachen Menschen zu widmen, leichtfertig vertan“.

24 Wohneinheiten

Umso mehr freut es den Leiter der Hückelhovener Tafel, dass der Weg für einen aus öffentlichen Mitteln geförderten Neubau mit 24 Wohneinheiten an der Fichtenstraße in Hilfarth frei gemacht worden ist: „Das ist der schnellen Entscheidung des Bürgermeisters, des Architekten Peter Greven und der des Stadtrates zu verdanken“, sagt Schmitz. „Durch dieses Projekt, das im Frühsommer 2018 fertiggestellt sein wird“, so Schmitz, würden „viele ältere Menschen mit geringen Renteneinkünften oder Grundsicherungsempfänger mit Wohnberechtigungsschein im Stadtgebiet bezahlbaren Wohnraum erhalten“.

Insgesamt gibt es im Stadtgebiet Hückelhoven, so Holger Loogen als Sprecher der Verwaltung, bei 40.943 Einwohnern in 18.610 Haushalten rund 1100 mit öffentlichen Geldern geförderte Wohneinheiten. „Die Fachtagung beim Kreis zum Thema ,Wohnen im Kreis Heinsberg‘ hat nachdrücklich bestätigt“, sagt Heinz-Josef Schmitz, „dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum eine gewaltige Herausforderungen für den zukünftigen Wohnungsmarkt auch im Kreis Heinsberg darstellt: Die Fallzahlen für bezahlbaren Wohnraum steigen, die für den frei finanzierten Wohnungsmarkt fallen.“

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