Wichtige Einblicke in die Asyl-Thematik

Von: dawin
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Der Offene Helferkreis Asyl Selfkant hatte ins Tüdderner Rathaus eingeladen: Am Podium informierten Pfarrer Roland Bohnen (l.), Mussié Mesghinna und Bärbel Windelen über die Flüchtlingsthematik. Foto: dawin

Selfkant-Tüddern. Es war eine Art Aufbruchstimmung, sagte Pfarrer Roland Bohnen, die sich um Weihnachten vergangenen Jahres breit machte. „Da haben wir von der Notwendigkeit gehört, den Menschen, die hier Zuflucht suchen, zu helfen“, erklärte der Seelsorger der Gemeinschaft der Gemeinden St. Servatius Selfkant.

Er ist Initiator des Offenen Helferkreises Asyl Selfkant, der seit einigen Monaten besteht und sich um Flüchtlinge in der Westkommune kümmert. Im Tüdderner Rathaus informierte der Helferkreis die Öffentlichkeit über seine Arbeit und seine Ziele.

Bärbel Windelen, Gemeindesozialarbeiterin des Caritasverbandes für die Region Heinsberg und vom Organisationsteam des Helferkreises, wies auf die Wichtigkeit des Gremiums hin: „Immer mehr Menschen aus immer neuen Regionen der Welt flüchten zu uns.

Es gilt, manche Hindernisse zu beseitigen – in Bezug auf Sprache, auf Wohnraum, auf die unterschiedlichen Wertsysteme und auf das Verständnis im Alltag.“ Begegnung, Projekte und natürlich Unterstützung seien wichtig, die sich zum allergrößten Teil nur mithilfe ehrenamtlicher Helfer realisieren ließen. Doch bei allem Engagement, so betonte Bärbel Windelen weiter, würden auch die Freiwilligen an rechtliche Grenzen stoßen und müssten fachkundige Auskünfte bei Beratungsstellen einholen.

Einen groben Einblick in die diffizile Asyl-Pro-blematik gab bei der Bürger-Informationsveranstaltung Mussié Mesghinna von der zentralen Kontaktstelle für Flüchtlingsarbeit beim Caritasverband für das Bistum Aachen. Der studierte Soziologe, Politologe und Pädagoge aus Aachen erläuterte unter anderem den Rechtsbegriff Flüchtling und welche Berechtigungen sich aus diesem Status für die soziale Versorgung, die Grundleistungen, die Wohnungsversorgung oder den Krankenschutz ergeben.

Auch den komplizierten und oft langwierigen Weg des Asylverfahrens erläuterte er. „Im Durchschnitt dauert ein Verfahren sechs Monate, in vielen Fällen auch ein Jahr und länger.“ Auch drei Jahre nach der Anerkennung als Flüchtling würde das Vorliegen ihrer Gründe nochmals überprüft.

Abschottung hat fatale Folgen

Gegenwärtig könne man weltweit von rund 50 Millionen Menschen ausgehen, die sich auf der Flucht befinden, davon 16 Millionen, die in ihrem Heimatland bleiben und dort versuchen, sich vor Gewalt und Verfolgung in Sicherheit zu bringen. „Die meisten Flüchtlinge suchen Zuflucht in den Nachbarstaaten, in der Hoffnung, bald wieder in die Heimat zurückkehren zu können.“

Dabei würden kleine, finanziell meist nicht so üppig ausgestattete Staaten wie etwa der Libanon eine für ihre Verhältnisse enorm hohe Zahl an Menschen aufnehmen. „Die reichen Länder schotten sich ab – mit fatalen Folgen für die Flüchtlinge“, kritisierte Mesghinna. Außerdem würden sie mit ihren Waffenlieferungen in die Krisenregionen die Brisanz dramatisch verschärfen.

Umso erfreulicher sei die Feststellung, dass Deutschland sich als Zuwanderungsland betrachte und in den vergangenen drei Jahren „viel Bewegung in die Flüchtlingsthematik gekommen ist“. „Wir haben so viele Ehrenamtler wie noch nie, und sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten“, konstatierte Mesghinna, der in Eritrea geboren ist, 1984 als Flüchtling anerkannt wurde und seinerzeit noch negative Erfahrungen machen musste.

Ehrenamtler intensiv schulen

Auch die Kirche belasse es nicht dabei, soziales Engagement von der Kanzel zu predigen, sondern habe sich selbst auf den Weg gemacht und setze ein aktives Zeichen. „Eigentlich ist meine Aufgabe überflüssig geworden“, scherzte Mesghinna, der Flüchtlinge auch psychosozial betreut. Auch er betonte, dass die ehrenamtlich Tätigen intensiv geschult sein sollten, wenn sie in rechtlichen Angelegenheiten beraten würden.

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