Wer wird mehr gestört: Mensch oder Tier?

Von: Verena Müller
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Wohin geht‘s am Effelder Waldsee? Eher Richtung Spaßbad oder bleibt der Naturbadcharakter erhalten? Effelder diskutierten. Foto: vm

Wassenberg-Effeld. Wie kann am Effelder Waldsee eine Balance zwischen Tourismus und Natur sichergestellt werden? Diese Frage diskutierten rund 30 Effelder Bürger mit dem Nabu-Landesvorsitzenden Josef Tumbrinck auf Einladung des Wassenberger Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen.

Die Pläne der beiden neuen, niederländischen Pächter des Campingplatzes und Badebetriebs hatten, wie im Lauf des Abends deutlich wurde, die Bürger zum Teil sehr beunruhigt. Entsprechend emotional aufgeladen ging es zeitweise in der Gaststätte Ohlenforst zu. Wird der Lärm unerträglich? Werden alle Straßen zugeparkt sein? Entsteht dort ein Halligalli-Park, der ruhesuchende Naturfreunde und vor allem: schützenswerte Tierarten vertreibt? Die Vorsitzende des Ortsverbands Irmgard Stieding wusste aber mit ihrer sachlichen, und Tumbrinck mit seiner lockeren, ausgleichenden Art, die aufkommenden Wogen schnell wieder zu glätten.

Frühzeitig einbringen

Außer Frage stünde, dass sich das Antlitz des Waldsees stark verändern werde, sagte Stieding in ihren einleitenden Worten. Was über die ersten Maßnahmen – die Modernisierung des Campingplatzes und die Gestaltung des Seebads – hinausgehe, sei aber noch nicht spruchreif. Alle weiteren Pläne müssen von den zuständigen Behörden und Gremien genehmigt werden. Dr. Ruth Seidl, Grünen-Landtagsabgeordnete, war als Gast anwesend und riet den Effeldern dringend, frühzeitig gegenüber den Wassenberger Ratsmitgliedern und den Investoren Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen zu artikulieren, um nachher nicht vor vollendete Tatsachen gesetzt zu werden.

„Mit dem Naturschutz unverträglich ist eine Wasserski-Anlage, das steht außer Zweifel“, sagte Tumbrinck. Brutvögel würden dadurch massiv gestört werden.

Aus vogelkundlicher Sicht ist der See ein „sehr bedeutsames“ Gewässer, das hatte schon Martin Gellissen in „Die Vögel des Kreises Heinsberg“ beschrieben, und das bestätigte auch Tumbrinck.

Der Eisvogel brütet auf den Inseln und – was vielleicht noch nicht jeder weiß: Arktische Wildgänse, sogenannte Blässgänse, überwintern auf dem See. Über die Tundra kämen sie an den Niederrhein. Außerdem haben Biber am östlichen Ufer, wo der Campingbereich ausgedehnt werden soll, eine Wohnburg. Wie störend der Mensch in der Ausübung seiner Freizeitaktivitäten ist, ist die entscheidende Frage. Die überraschende Antwort von Tumbrinck: weniger als man vermuten würde. Die Biber seien recht robust veranlagt. Dass sie eine Zeit lang ausgestorben waren, hatte nichts mit veränderten Lebensräumen, sondern schlicht mit der Jagd zu tun. Sollten Camper sie vertreiben, bauten die Biber einfach woanders eine neue Wohnburg, so der Nabu-Vorsitzende.

Die Vögel würden normalerweise weder durch Badebetrieb, noch durch laute Musik oder Spaziergänger gestört. Man dürfe den Brutplätzen nur nicht zu nahe kommen. „Was der Mensch als unangenehm empfindet, muss Wildtiere nicht stören“, so Tumbrinck. Wichtig sei nur, dass die Tiere Rückzugsmöglichkeiten hätten. Und wenn im Winter keine Aktivitäten auf dem See stattfänden, wäre die Ruhe der Gänse auch nicht gefährdet. Für den Segelclub, der ebenfalls vertreten war, kein Problem, da die Saison ohnehin nur von März bis Anfang September dauert. Bleiben also die Wünsche der Anwohner. Der Naturbadcharakter solle erhalten bleiben, ausreichend Parkplätze geschaffen werden und: Ruhig soll es bleiben.

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