Wenn Wandern eine Lebensphilosophie ist

Von: Ingo Kalauz
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Gut unterwegs: Dorothee Mühlenbruch. Foto: Ingo Kalauz

Hückelhoven-Kleingladbach. Das Wandern soll bekanntlich des Müllers Lust sein. Für Dorothee Mühlenbruch aus Kleingladbach ist dieses Sprichwort viel zu verkürzend: „In der Natur sein, Bewegung, unterwegs sein, Neues sehen und erleben, die Sinne anregen und schärfen, Inspiration und Entspannung, Fitness, Gesundheit, unterwegs mit nur dem Nötigsten, reduziert auf mich und die Natur, das ist großartig. Das ist Wandern.“

Und sie hat ein Buch darüber geschrieben, das sie „Der Weg zum Glück führt über den nächsten Gipfel“ genannt hat und das seit wenigen Wochen auf dem Markt ist. „Das Buch zu schreiben, hat richtig Spaß gemacht, das ging schnell. Auch die Illustrationen zu malen, war für mich ein Vergnügen.“

„Das war eine ziemlich stramme Prüfung, die ich ablegen musste“, sagt sie. Bei der Natur- und Umweltschutz-Akademie des Landes Nordrhein-Westfalen in Recklinghausen hat sie nach 80 Wochenstunden und intensiver Prüfung das Zertifikat erhalten – und darf sie sich jetzt „Natur- und Landschaftsführerin“ nennen.

Auf die Prüfung vorbereitet hat sie sich im Eifelverein. „Förster, Kunsthistoriker und Psychologen haben mir da das Rüstzeug für die Prüfung mit auf den Weg gegeben“, sagt sie. Jetzt bietet sie Wandertouren unter ihrer Führung an, unter anderem zwölf Tagesetappen über den Neanderlandsteig, der auf 243 Kilometern um den Kreis Mettmann führt. „Die Fahrt mit dem Bus müssen die Teilnehmer natürlich bezahlen, aber sonst ist die Teilnahme kostenlos. Ich mache die Wandertouren, die ich anbiete, ehrenamtlich“, sagt sie. Wandern ist für Dorothee Mühlenbruch zur Lebensphilosophie geworden.

„,Was ist die Natur?‘ bin ich bei der Prüfung gefragt worden.“ Und? Was hat sie geantwortet? „Wir sind die Natur!“ Wandern, das sei eine Tätigkeit der Beine und es sei ebenso ein Zustand der Seele. „Und eine natürliche Art der Entschleunigung“, sagt sie.

Ihre optimistische, auf den Mensch zugehenden Art, ihre positive Einstellung zu den anfallenden Dingen des Alltages und zum Leben allgemein wirken ansteckend. „Wenn du auf den Beinen in der Natur unterwegs bist, werden die Eindrücke des täglichen Lebens blasser. Die Eindrücke und Bilder der Wanderung sind langsam und intensiv“, sagt die zertifizierte Wanderführerin. Das Wandern sei eine Bereicherung, die jeder kostenlos erfahren könne, sagt sie. Allerdings, und das betont sie nachdrücklich, bestehe die Kunst des Wanderns darin, „seine Pforten der Wahrnehmung möglichst weit zu öffnen“. In sich reinhorchen, seinen Körper spüren und befragen sei dabei genau so wichtig wie die Bilder, die die Natur anbietet, langsam und intensiv wahrzunehmen.

Wie ist sie eigentlich auf die Idee gekommen, Wanderführerin zu werden? War sie schon immer mit dem Rucksack in der Natur unterwegs? „Nein, ich war selbstständige Kauffrau“, sagt Dorothee Mühlenbruch lachend. Im Erkelenzer Marienviertel hat sie einen Lebensmittelladen betrieben. Als sie und ihr Mann das Geschäft 2012 an den Nagel hängten, hat sie für sich eine neue Aufgabe, eine neue Herausforderung gesucht: „Man kann ja nicht nix machen.“

Also hat sie sich mit Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, die in ähnlicher Situation waren wie sie und die so dachten wie sie, zusammengetan und zunächst einen Fitnesstag und dann einen Wandertag für Frauen ins Leben gerufen. „Und dann habe ich bei der Stadt, bei der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Petra Hudler, angefragt, ob ich das nicht ‚Hückelhovener Frauenwandertag‘ nennen dürfte. Als sie das näher erläutert hatte, was hinter einem „Wandertag für Frauen“ steckte, „waren die bei der Stadt Feuer und Flamme für das Vorhaben“.

Und Dorothee Mühlenbruchs Idee fiel auf fruchtbaren Boden: „Zweimal im Monat nehmen jeweils etwa 30 Leute das Angebot wahr. Im vergangenen Jahr“, das erzählt sie so eher beiläufig, „nahmen 121 verschiedene Frauen an meinen Angeboten teil, die sind 9822 Kilometer gewandert.“ Woher sie das so genau weiß? „Heute gibt es GPS, da kannst du jeden Meter festhalten.“

Die Wanderungen auswählen, die Strecken vorher abgehen („Ich selbst laufe so rund 1000 Kilometer im Jahr“), die Fahrten organisieren, die Leute anschreiben, die Touren, die sie für die Anton-Heinen-Volkshochschule anbietet, ausarbeiten und „nebenbei“ noch einen „etwas anderen Ratgeber“ für Wanderfreunde schreiben – ist das nicht alles ein bisschen viel?

„Nö“, antwortet Dorothee Mühlenbruch kurz und bündig. Sie habe für sich, auch durch das sehr bewusste Erleben der Natur, die Fähigkeit entwickelt, sich „von jetzt auf gleich aus einer unangenehmen Situation in eine Ich-genieße-was-um-mich-herum-ist-Situation zu bringen“. Wunschlos glücklich also? „Natürlich nicht. Du musst dir immer wieder neue Ziele setzen, dich neuen Aufgaben stellen“, sagt sie.

Lesungen aus ihrem gerade erschienenen Wanderführer würde sie gerne machen, „um noch mehr Menschen für das Wandern zu begeistern“. Und ein neues Buch hat sie auch schon irgendwie im Hinterkopf: „Man müsste mal alle Wandertouren, die man im Kreis Heinsberg nachgehen kann, zusammenfassen.“

Sie wird das anpacken. „Letztendlich“, sagt die Wanderführerin Dorothee Mühlenbruch aus Kleingladbach, „ist das Leben doch nichts anderes als eine hoffentlich lange, gute und nicht zu schwere Wanderung“. Auf denn!

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