Wenn Kinder einfach Spaß machen...

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Bürgermeister Herbert Corsten
Bürgermeister Herbert Corsten (l.) und Ortsvorsteherin Ruth Deckers überreichten Urkunden und Präsente an Familie Schmidt aus Selfkant-Höngen. (agsb)

Selfkant-Höngen. Nein, alltäglich ist es wahrlich nicht. Sieben Kinder in die Welt zu setzen ist angesichts des fortschreitenden Trends zur Ein-Kind-Ehe in Deutschland für viele Zeitgenossen schon beinahe „verdächtig”. Reflexartig reagieren sie mit Fragen nach dem sozialen Status der Eltern.

Ab einer bestimmten Anzahl von Sprösslingen wird dann schnell mal von einem „Unterschichtenproblem” gesprochen. Gerade so, als seien Kinder etwas, das es zu vermeiden gelte, ähnlich eines Schnupfens. Auf die Idee, dass es Menschen gibt, die einfach Kinder lieben und die von ihrem Toben und Geschrei nie wirklich genervt sind, kommen sie nicht. Doch ein ebensolches Ehepaar sind Kathleen und Frank Schmidt aus Höngen. Bei ihrem siebten gemeinsamen Kind, Söhnchen Patrice Pharelle Phelan, wurde jetzt sogar Bundespräsident Christian Wulff zum Ehrenpaten.

Urkunde und Geschenke

Bürgermeister Herbert Corsten und Ortsvorsteherin Ruth Deckers besuchten eigens aus diesem Grund die Familie mit Urkunde und Geschenken im Gepäck. Die Ehrenpatenschaft beim siebten Kind, die beantragt werden muss, habe in erster Linie symbolischen Charakter, erläutert Corsten. Mit einer Patenschaft, die in der Taufe besiegelt werde, habe sie nichts zu tun. Der Bundespräsident bringe mit der Übernahme der Patenschaft hingegen die besondere Verpflichtung des Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck (siehe Beisteller).

Die Schmidts fühlen sich dadurch in ihrer Lebensphilosophie bestätigt, in deren Mittelpunkt eindeutig ihr Nachwuchs steht. Wenn morgens um Vier der Wecker klingelt, ist das für die 31-jährige Mutter und ihren 45 Jahre alten Ehemann quasi der Startschuss in einen täglichen Marathon, bei dem erst am späten Abend, wenn die Kleinen satt und zufrieden in ihren Bettchen liegen, die Ziellinie in greifbare Nähe rückt. Während Frank Schmidt sich morgens nach den ersten Handreichungen im Dienste seiner Jungs auf den Weg zur Arbeit bei der Firma Dreko in Erkelenz macht, heißt es für Ehefrau Kathleen, ihre sieben Burschen für Kindergarten oder Schule vorzubereiten. Zunächst steht aber an, das Frühstück zu zubereiten für die gesamte Rasselbande.

Kein systematischer Plan

Von einer systematischen Planung halte sie dabei jedoch nichts, wie sie gegenüber unserer Zeitung erklärt. Jedes Kind werde so versorgt und betreut, wie es halt gerade nötig sei. Das gilt für die drei Burschen, die bereits die Westzipfelschule in Schalbruch besuchen ebenso wie für die Freizeitgestaltung der Racker in den Nachmittagsstunden. Und irgendwie scheint Muttern alles im Griff zu haben, denn der Älteste der Söhne, der neunjährige Jean Pascal, bestätigt freudig: „Mathe ist ein Lieblingsfach.” Voller Stolz präsentiert er dabei seine Schulhefte. „Sie sind sehr aufgeweckt und freundlich”, gibt denn auch die Mama mit einem glücklichen Strahlen im Gesicht gerne zu. „Die Kinder machen einfach Spaß.”

Und der kam auch beim Besuch von Bürgermeister und Ortsvorsteherin nicht zu kurz. Sie hatten nämlich nicht nur einen Blumenstrauß nebst der obligatorischen 500 Euro des Bundespräsidenten dabei, sondern zudem einen Fußball, der gleich für Hochstimmung sorgte und sofort auf dem Spielplatz ausprobiert wurde. Da kann sich Papa demnächst schon auf die nächste Runde freuen, wenn er von der Arbeit kommt. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt da wohl nicht.

Seit 1949 insgesamt 72.000 Ehrenpatenschaften übernommen

Der Bundespräsident übernimmt auf Antrag der Eltern die Ehrenpatenschaft für das siebente Kind einer Familie. Ist der Antrag für das Kind unterblieben, kann er auch für ein später geborenes Kind der Familie gestellt werden. Die Ehrenpatenschaft wird in einer Familie nur einmal übernommen. Zum Zeitpunkt der Antragstellung müssen einschließlich des Patenkindes mindestens sieben lebende Kinder zur Familie zählen, die von denselben Eltern, derselben Mutter oder demselben Vater abstammen. Adoptivkinder sind den leiblichen Kindern gleichgestellt. Das Patenkind muss Deutsche(r) im Sinne des Art. 116 Abs. 1 GG sein.

Die Anträge auf Übernahme der Ehrenpatenschaft sind dem Bundespräsidialamt über die örtlich zuständige Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung zuzuleiten. Der Bundespräsident stellt nach Prüfung der Voraussetzungen eine Urkunde über die Annahme der Ehrenpatenschaft aus und lässt diese mit einem Patengeschenk (zzt. 500 Euro) den Eltern von einem Repräsentanten der Stadt oder Gemeinde aushändigen.

Insgesamt wurden seit 1949 etwa 72.000 Ehrenpatenschaften übernommen. Christian Wulffs Vorgänger Horst Köhler hatte von Juli 2004 bis Ende 2008 insgesamt 2880 Ehrenpatenschaften übernommen.

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