Wenn Herr Puppel zum Dieb wird: Sicherheitsexperte auf Weltreise

Von: Rainer Herwartz
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Den schönen alten Nietentresor von 1865 hat Sicherheitsexperte Sascha Puppel im Internet entdeckt. Foto: Rainer Herwartz

Erkelenz. Dezenter Anzug, weißes Hemd, Brille, angenehme Stimme, freundlich-zurückhaltendes Auftreten: Sascha Puppel gehört zu den Menschen, mit denen man sich gerne morgens über den Gartenzaun einen Guten Tag wünscht, wenn man aus dem Haus tritt. Sein Haus allerdings ist mit so vielen Sicherheitssystemen gespickt, dass es zumindest für den Laien keinen Vergleich mit dem berühmten Fort Knox im amerikanischen Kentucky scheuen müsste.

Dem Ort, wo die Goldreserve des Schatzamtes der Vereinigten Staaten lagert. Und das hat einen Grund, denn Sascha Puppel ist international zertifizierter Sachverständiger für die Prüfung und Abnahme von Sicherheitstechnischen Anlagen sowie die kriminaltechnische Bewertung zur technischen Überprüfung von Tat- und Schadenshergängen und zudem öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Nur noch zwei öffentlich bestellte und vereidigte Kollegen mit gleichem Spezialgebiet gebe es in Deutschland, die sich auf diesem Arbeitsfeld tummelten, sagt er.

„Der Grund sind die hohe Durchfallquote bei den Prüfungen, Ausbildungskosten im deutlich fünfstelligen Bereich und die Scheu mancher Sachverständiger, sich eventuell vor Gericht heftigen Angriffen auszusetzen.“ Oft geht es um Millionenbeträge, wenn Puppel auf den Plan gerufen wird und eventuell im Auftrag einer Versicherungsgesellschaft nachweisen soll, dass betrügerische Machenschaften im Spiel waren.

So zum Beispiel im Fall eines Juweliers, der behauptet hatte, dass maskierte Täter durch die Ladentür hereinspaziert seien, ihn mit einer Waffe bedroht, zur Herausgabe diverser Wertgegenstände genötigt und anschließend niedergeschlagen hätten. Puppel konnte jedoch nachweisen, dass sich der Überfall wohl nur in der Fantasie des Juweliers abspielte, da die elektronisch gesicherte Eingangstür zum Laden überhaupt nicht geöffnet worden war.

Mehr Details verrät Puppel nicht, denn in seinem Beruf ist Diskretion oberstes Gebot. „Wir sind genau wie Ärzte oder Notare auf die Schweigepflicht vereidigt“, erklärt der 43-Jährige. „Wir sind für Sachen zuständig, die es offiziell gar nicht gibt“, lächelt er verschmitzt. Rund 110 Flüge bringen Puppel im Jahr in alle Welt. Egal ob bei der Nato-Airbase in Geilenkirchen, den Flughäfen Tegel, Schönefeld oder BER in Berlin, der Firma Henkel in Düsseldorf, Deutschlandradio, dem Kölner Funkhaus, Kernkraftwerken, Solarparks, bekannten deutschen Schlössern und Burgen, ausländischen Regierungen, den privaten Villen von Politikern, Sportlern oder Schauspielern – Puppel hat die elektronischen Sicherheitssysteme auf Herz und Nieren getestet.

„Zum Einsatz kommen wir meist erst dann, wenn etwas schiefgegangen ist“, sagt der Elektronik-Experte, der mit seinem sechsköpfigen Team neben Erkelenz auch eine Niederlassung in Berlin betreibt, zwischen Unter den Linden und dem legendären Checkpoint Charly.

„Zuletzt war ich in Frankreich an einem bekannten Museum tätig, das eine Wanderausstellung beherbergen sollte, die von einer deutschen Versicherung versichert ist. Zuerst gehe ich in einem solchen Fall als normaler Museumsbesucher dorthin und erkundige mich, wie was abgesichert ist. Ganz so, wie es ein professioneller Täter machen würde.“ Oftmals sei nur die lokale Polizei über sein Vorhaben eingeweiht. Und wenn er genug Informationen zusammengetragen habe, gebe er denn auch schon einmal selbst den bösen Einbrecher, um die Lücke im System bloßzulegen.

Mittlerweile betreibt Sascha Puppel mit seiner Mannschaft auch ein kriminaltechnisches Labor für sogenannte Tat- und Schadenshergangsbeurteilung, auf das auch die Polizei gerne zurückgreife. „Für elektronische Fragestellungen bei Sicherheitstechnik sind wir die Einzigen in Deutschland. Gerade Versicherungsbetrug ist hier ein riesiges Thema.“

Ganz ungefährlich ist der Job des Erkelenzers, der eigentlich ein „Ur-Kölner“ ist, wohl nicht. Seitdem er Familienvater wurde – seine aus Düsseldorf stammende Frau schenkte ihm einen Sohn –, nehme er längst nicht mehr jedes Angebot an, sagt er. Offerten aus dem Nahen Osten oder Staaten wie Venezuela habe er zuletzt abgelehnt. „In manchen Ländern ist es so heikel, dass man sogar Einweg-Laptops verwenden muss, die nach Gebrauch vernichtet werden.“

Da mutet der französische Nietentresor aus dem Jahr 1865, den Sascha Puppel in seinem Büro als Blickfang aufgestellt hat, geradezu wohltuend nostalgisch. „Für die damalige Zeit ist es ein Meisterwerk“, sagt Puppel. „Er verfügt schon über ein Zahlenschloss und einen Brandschutz aus Schamott.“ Natürlich hat er das Schätzchen mit einer speziellen Alarmanlage gesichert, die sich bereits regt, wenn man der Kostbarkeit zu nahe kommt. Sicher ist eben sicher!

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