Wenn die Damen mit Handtaschen kämpfen

Von: mabie
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Action und Krieg auf der Bühne: Dies gab es bei den beiden Aufführungen des VHS-Kellertheaters in der Aula der Geilenkirchener Realschule. Foto: Markus Bienwald

Kreis Heinsberg. Wogende Meereswellen in der Aula der Städtischen Realschule in Geilenkirchen? Ein griechisches Urlaubsparadies mit Essen vom bekannten Burger-­Brater? Alles kein Problem für das Ensemble vom Kellertheater der Anton-Heinen-Volkshochschule.

Spannende Umsetzung

Dramatisch, witzig, aktionsgeladen und tiefgründig zugleich faszinierte das Kellertheater mit seiner gleich zweimal aufgeführten Fassung von George Isherwoods Komödie „Odysseus“. Und gleich zweimal beeindruckten sie mit der spannenden Umsetzung einer uralten Geschichte. Denn den Rahmen vom klassischen Odysseus, seine lange Irrfahrt nach den Kriegen, die List mit dem Trojanischen Pferd und die Welt der griechischen Sagen und Götter blieb im Gerüst unangetastet. Spaß ist, was daraus gemacht wurde, denn mit unbändiger Spielfreude ging es der klassischen Ausgestaltung eines alten Stoffs an den Kragen. Da gab es für Odysseus, der tagelang auf dem Meer trieb, Essen aus der glücklich machenden Kinder-Burger-Tüte, serviert mit einem Döschen kalter Cola, da kämpften die Damen in den mythischen Kriegen mit Handtaschen, und das hölzerne Pferd lugte mit Steckenpferd-Kopf aus einer Decke hervor. Auch die sagenhaften Details wie schwer amerikanisch akzentuierte Phäaker, Sirenen, die mit ihren lieblichen Stimmen gar nicht gehört werden wollen, und ein trotziger Sohn Telemach ließen die Herzen der begeisterten Besucher gleich höher schlagen. Passenderweise hatte das Ensemble vor ihren Aufführungen in der kleinen Ortschaft Vinteln bei Gangelt geprobt. Es ist nicht wirklich eine Odyssee, dorthin zu finden, aber sehr ländlich ist es schon. Geholfen hat es in jedem Fall, dort zu proben, denn der von Isherwood aufgearbeitete klassische Stoff wurde ideal umgesetzt.

Von echtem Schrot und Korn

So ist König Alkinoos (Frank Rimbach) ein Herrscher von echtem Schrot und Korn, denn er ist mehr Lebemann und Waffenhändler denn reiner Repräsentant. Seine lebhaften Töchter Prinzessin Nausi (Pia Mackenstein) und Mavro (Monika Brinkmann) haben es ebenfalls faustdick hinter den Ohren. Am Hofe des Despoten eingetroffen, erzählt der nun gealterte Seefahrer Odysseus (Winfried Weckert), wie er als junger Odysseus (Wieland Erbsch) in den Trojanischen Krieg zog und dafür seine geliebte Frau Penelope (Adi Limburg) und den kleinen Telemach (Raphael Baumeister) auf der Heimatinsel Ithaka zurücklassen musste. Seitdem sucht der ewig Reisende nach seiner Heimat, und seine Gattin muss sich der sehr drängenden Wünsche ihrer Freier erwehren, die Odysseus für tot erklären lassen wollen.

Schöne Verwirrungen

Natürlich ergaben sich aus dieser historisch-komödiantischen Gemengelage jede Menge schöne Verwirrungen und komische Situationen, die in weiteren Rollen auch Ute Gerlach (Eurykleia), Christian Wies (Zyklop, Freier), Otti Mommertz (Kalypso, Matrose), Maria Schlicht (Athene) und die Regisseurin Roswitha Grass (Odysseus‘ Mutter) zu Wort kommen ließen. Mit der Grafik und dem Design von Henning Grass und der Beleuchtung und Technik von Peter Müller formte sich so ein Ensemble, das für tolle Theaterabende garantierte.

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