Wem gehört die Karnevalssäule und wer muss jetzt zahlen?

Von: Rainer Herwartz
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Oben thront ein Eulenspiegel: Die Karnevalssäule an der Hochstraße wurde 1998 vom Komitee Heinsberger Karneval an die Stadt übergeben. Foto: Herwartz

Heinsberg. Wohl selten dürfte ein Betrag von knapp 750 Euro in einem Ausschuss der Stadt Heinsberg für einen vergleichbaren Disput gesorgt haben wie jetzt in der jüngsten Sitzung des Schul- und Kulturausschusses. Der Grund: der Ex-Stadtprinzenclub hatte im August die Übernahme der Kosten für die Renovierung der Karnevalssäule an der Hochstraße beantragt.

Hierbei ging es um einen Betrag von 1497,02 Euro. Jetzt sah ein Beschlussvorschlag der Verwaltung vor, immerhin 748,50 Euro beizusteuern. Doch das war gar nicht so einfach.

„Das Karnevalsdenkmal ist mit seinem überörtlichen Charakter zu sehen, weil es sämtliche Wappen der Heinsberger Karnevalsvereine und der Stadtprinzen aufweist“, begann Friedbert Görtz, der Leiter des Schul-, Kultur- und Sportamtes, die Erläuterung zum Vorschlag der Verwaltung. Zudem sei die Säule auch der Treffpunkt bei den Stadtführungen mit Helmut Hawinkels. Damit erhalte sie für Menschen außerhalb der Kreisstadt eine gewisse Präsentationsbedeutung.

20 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Ex-Stadtprinzen im Komitee Heinsberger Karneval nach längerer Planung im Jahr 1996 die Erlaubnis zur Errichtung eines Karnevalsdenkmals und die Bereitstellung einer entsprechenden Grundstücksfläche in der Innenstadt beantragten. Der Kulturausschuss beschloss daraufhin am 21. November 1996 einstimmig, als Aufstellort die Fläche in der Fußgängerzone an der Hochstraße, wo das Denkmal auch heute noch steht.

Durch den renommierten, mittlerweile verstorbenen Maler und Bildhauer Ernst R. Brockschnieder wurde das Denkmal geschaffen. Darauf zu sehen sind unter anderem die Vereinswappen der im Komitee Heinsberger Karneval zusammengeschlossenen Vereine sowie die Namen der ehemaligen Stadtprinzenpaare. Eine Tradition, die bis heute fortgesetzt wird.

Die Karnevalsäule ist eine zwölfflächige Pyramide aus sandgestrahltem Sichtbeton. Gekrönt wird die Pyramide durch einen sitzenden Till, der auf der Frontfläche den Heinsberger Löwen zeigt. Ein Rundum-Bronzeband präsentiert den Schriftzug „Komitee Heinsberger Karneval 1962“. Die Wappen der Vereine, Gesellschaften und des Clubs der Ex-Stadtprinzen wurden in Speckstein gefertigt. Insgesamt misst die Karnevalssäule in der Höhe 2,50 Meter.

Die Kosten für die Anfertigung der Karnevalssäule – es war seinerzeit die Rede von rund 60.000 Mark – wurden durch die Antragsteller getragen. Bis heute angefallene Reinigungs- und Unterhaltungsmaßnahmen wurden ebenfalls von ihnen übernommen.

Dass nun also die Stadt ihr Scherflein dazu tun sollte, wollte der sachkundigen FDP-Bürgerin Anni Porn nicht einleuchten. „Wenn mir jemand ein Grundstück schenkt, damit ich ein Haus bauen kann, kann ich nicht erwarten, dass er mir das Haus auch noch renoviert“, meinte sie. Auch angesichts der klammen Kassen bei der Stadt, was sich ja nicht zuletzt in der Grundschuldiskussion gezeigt habe, fehle ihr hierfür das Verständnis. Ein pikantes Detail am Rande: ihr Ehemann Gerd Porn gehörte nach Informationen unserer Zeitung zu denjenigen, die durch eine noble Spende seinerzeit den Bau des Denkmals ermöglicht hatten.

Im Zusammenhang mit Anni Porns Äußerungen entbrannte schnell eine rege Diskussion um die Frage, wer denn überhaupt der Eigentümer der Karnevalsäule sei. Ist es denn nun die Stadt oder sind es am Ende doch noch diejenigen, die die Säule erbauen ließen? Währen Friedbert Görtz von der Stadt die Auffassung vertrat, dass das Komitee Heinsberger Karneval nach wie vor der Eigentümer sei, wurden Stimmen von CDU und Grünen im Ausschuss laut, die glaubten, dass derjenige, auf dessen Grund und Boden die Säule errichtet worden sei, damit auch zu deren Eigentümer wurde, also die Stadt.

Abgesehen von dieser Sicht dürfte ein Blick zurück in das Jahr 1998 hier wohl Erhellendes beitragen. Am 17. Januar wurde die Karnevalssäule nämlich feierlich der Heinsberger Bevölkerung „übergeben“, wie es im Festprogramm nachzulesen ist. Dies erfolgte durch den damaligen Präsidenten des Komitees Heinsberger Karneval, Heinz-Leo Heinrichs. Der frühere Bürgermeister Otto Knoll nahm das Geschenk im Namen der Stadt dankend an.

Brigitte Voßenkaul (SPD) war gleichwohl der Meinung, dass die Restaurierungskosten vielleicht grundsätzlich zu hoch angesetzt seien und ein „Anstreicher der Stadt“ es preiswerter machen könne. Ellen Florack (CDU) und Willi Mispelbaum (Grüne) stellten abermals die überregionale Bedeutung der Säule in den Vordergrund und hielten die Restaurierungskosten „für nicht außergewöhnlich hoch“. Voßenkaul ließ sich hiervon aber nicht überzeugen. Sie erklärte: „Man kann nicht mit zweierlei Maß messen. Überregionale Konzertmaßnahmen sollen ja schließlich auch nicht mehr gefördert werden.“

Pfarrer Sebastian Walde versuchte zwar noch, den Disput zu schlichten mit der Bemerkung, dass die großen sozialen Herausforderungen wohl kaum durch den anderweitig eingesetzten Betrag von 750 gelöst werden könnten, letztlich gab es jedoch keine einstimmige Entscheidung. Mit acht Ja- zu vier Nein-Stimmen wurde der Zuschuss bewilligt. Da passte das Fazit des Ausschussvorsitzenden Norbert Krichel ganz gut ins Bild: „Karneval ist eben immer noch eine ernste Sache.“

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