Weltbekannte Figuren aus dem Selfkant

Von: Heiner Schepp und Heinz Eschweiler
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Die Figuren von Kunstmaler Lutz Mauder sind so unverkennbar, dass der Verlag schon Rechtsstreitigkeiten gegen „Abkupferer“ gewonnen hat. Foto: Schepp (2), Eschweiler (2)
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Taschen und Butterbrotdosen, Brettchen, Flaschen und Geburtstagsausstattung: Kinder lieben Lutz-Mauder-Sachen. Foto: Schepp (2), Eschweiler (2)
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Seit 1996 hat der Verlag seinen Sitz in der Eifel, Tochter Laura wird ihn mal von Annette und Carsten Elkemann übernehmen. Foto: Schepp (2), Eschweiler (2)
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Mitten im Kinderparadies, ein Umschlagplatz für 1200 verschiedene Kinderartikel. Das Team der Auftragsbearbeitung kann nicht über Mangel an Beschäftigung klagen. Foto: Schepp (2) Eschweiler (2)

Selfkant-Schalbruch. Pit Planke, Prinzessin Miabella und Fritz Flanke: Wer diese putzigen Figürchen und ihre bunten Konterfeis nicht kennt, der hat vermutlich keine (kleinen) Kinder. Denn fast alles, was die lieben Kleinen so zum Leben und Spielen brauchen, gibt es mit den markanten Zeichenfiguren.

Der gar nicht so furchterregende Pirat, die schöne Königstochter und der flinke Fußballer sind aber nur drei der vielen „Kinder“ des Kunstmalers Lutz Mauder aus Schalbruch, der seit über 30 Jahren die bunten Illustrationen entwirft und damit auch Namensgeber für ein heute sehr erfolgreiches Unternehmen wurde mit 22 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im mittleren einstelligen Millionenbereich.

In das Monschauer Handwerker- und Innovationszentrum hat der Betrieb vor zehn Jahren seinen Vertrieb ausgelagert. Nötig gemacht hat dies das florierende Geschäft, wie Betriebsleiter Marko Hoch berichtet. Wenn die Schiffscontainer mit fast 30.000 farbenfrohen Butterbrotdosen von der Produktion in Asien eintreffen und sich bis unters Hallendach stapeln, dann geht es dort zu wie im Bienenstock. Von hier aus gehen 85 Prozent der Waren nach ganz Deutschland, zehn Prozent ins restliche Europa und fünf Prozent in fernere Länder wie Japan, Brasilien oder Namibia, berichtet Verlagsgründer Carsten Elkemann.

Butterbrotdosen und Ausmalbilder, Kindergartentaschen und kleine Tatoos, Kindergeschirr, Puzzles oder die komplette Ausstattung für einen Kindergeburtstag – sage und schreibe 1200 verschiedene Artikelchen und Artikel hat der Verlag im Angebot. Fast jede Familie hat irgendetwas davon zu Hause in der Küche oder im Kinderzimmer.

Vor 18 Jahren entdeckte Lutz Mauder die Liebe zur Selfkantlandschaft, fand in Schalbruch am Waldesrand ein idyllisches Häuschen und entschloss sich, hier sein Atelier zu errichten. Mauder wurde am 6. März 1960 in Heinsberg geboren, erlernte den Beruf des Schriftsetzers in der Druckerei Lück in Heinsberg, das Fach-Abitur war ein weiteres Ziel – so die angedachte berufliche Ausrichtung. Doch es kam anders: Lutz Mauder musste seine Pläne ändern und als junger Vater Geld für seine Familie verdienen. Sein Talent zur Malerei wurde verfeinert, schnell wurden die Ausstellungen zum Zugpferd. Neben der Malerei entwarf der junge Künstler Karten und verkaufte diese auf dem Kunsthandwerkermarkt in Aachen. Das Talent des jungen Heinsbergers sprach sich in der Szene herum, der Name Lutz Mauder war schnell ein Begriff. Neben seiner naturalistischen Aquarellmalerei entwarf der junge Künstler schön früh heiter- fröhliche Illustrationen für Postkarten. Als Vater hatte Lutz Mauder immer auch Motive aus der Kinderwelt vor Augen, inspiriert durch seine Tochter Lotte. 1983 folgte dann die geradezu schicksalhafte Begegnung in Aachen mit Carsten Elkemann, der mit „ein bisschen Pioniergeist“ Lutz Mauders Talent hervorragend ergänzte und mit ihm den heute so erfolgreichen Verlag gründete.

Carsten Elkemann, Jahrgang 1960, erinnert sich noch genau an die erste Begegnung mit Lutz Mauder, der 1983 mit seinen einfarbigen Postkarten in den Spielzeugladen („Hedis Lädchen“) spazierte, den Elkemann damals gemeinsam mit Hedi Bartussek in Aachen betrieb. Eine Schale mit den Mauder-Karten fand Platz in der Auslage, „und fortan waren diese Karten immer von Kunden umlagert“, erzählt Carsten Elkemann. Er sagte sich: „Junge, das ist was, daraus kann man was machen!“ Als Großhandelskaufmann in der Papierbranche hatte er „ein wenig Ahnung von der Materie“ und wagte Anfang 1984 mit je 15.000 Mark Eigenkapital und von Hedi geliehenem Geld den Sprung in die Selbstständigkeit. Unter dem Namen „Villa Kunterbunt“ betrieb Carsten Elkemann ab 1985 parallel Verlag und – gemeinsam mit Hedi Bartussek – den Spielzeugladen. Erst 1996 trennten sich die Partner „im Guten“ und Carsten Elkemann und seine Frau Annette fanden eine neue Bleibe für Familie und Firma am Waldrand in der Eifel.

„Ich bin der Künstler, den Verlag führen andere“, sagt Mauder. Das Atelier ist sein Ding, eine Schreibtischarbeit würde Lutz Mauder nicht lange aushalten. „Ideen hat man ja jede Menge, es kommt darauf an, was man daraus macht“, antwortet der Künstler auf die Frage nach der ständigen Inspiration. „Es gibt im Kinderleben Klassiker wie zum Beispiel Piratenwelt oder Bauernhof, Dinos, Pferde, Feuerwehr oder Polizei“, sagt Mauder. Diese verfeinert er stets kindergerecht und hat einen Stil gefunden, der Kinder – und auch Eltern – in ihrer heilen Welt anspricht und unterstützt. „Das Bild muss leben“, lautet die Philosophie des Künstlers. Lutz Mauder liebt die stetige Entwicklung: „Früher waren die Farben dunkler, dies brachte die Zeit so mit sich. Die Motive sind zwar immer gleich geblieben. Eine Kuh bleibt eine Kuh, aber ich kann diese heute viel lebhafter darstellen“, freut sich Lutz Mauder jeden Tag auf seine Arbeit. „Ich lebe mit dieser Kinderwelt“, hat Mauder ein Leuchten in den Augen und kann es kaum abwarten, bis er wieder den Pinsel in die Hand nehmen kann. „Ich habe auch keinen Achtstundentag mit festgesetzten Zeiten. Man lebt mit dieser Arbeit – und wenn ich abschalten muss, dann ist Gartenarbeit angesagt.“

Der kleine Verlag hat sich prächtig entwickelt. Die Karten von Lutz Mauder, also das Gründungssortiment sozusagen, sind längst vielfarbig geworden, adhäsiv haftende Fensterbilder als Konkurrenz für „Window Colour“ hatten der jungen Firma einen heftigen Schub nach vorne gegeben, und Mitte der 90er-Jahre begann die Erfolgsgeschichte der bunten Abziehbilder mit Lutz-Mauder-Motiven für die Kinderhaut. „Die Tattoos machen bis heute 30 Prozent des Umsatzes aus“, berichtet Annette Elkemann, „da sind wir Marktführer“, sagt sie. Das liegt auch daran, dass Tochter Laura Elkemann (27), die schon engagiert in der Geschäftsleitung tätig ist, sich erfolgreich um eine kinderhautverträgliche Weiterentwicklung der Tattoos bemüht hat und diese heute im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten der Kosmetikverordnung entsprechen.

Das Sortiment wurde bis heute stetig weiterentwickelt, die Ideen gehen nicht aus, und „Handwerker“ Lutz Mauder setzt diese mit ungebrochener Begeisterung und Fingerfertigkeit um. Wem also demnächst die Nixe Sina Seestern, Yanuk der Indianer oder die Hexe Mira Mistelzweig begegnen, der sollte wissen: Es sind „Kinder“ von Lutz Mauder.

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