Welche Jobs Schulabgänger scheuen

Von: Nicola Gottfroh
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Jahrelang musste Helmut Schröders allein, ohne Azubi hinter der Theke stehen. Nach zwei Jahren suche hat er nun endlich einen Azubi gefunden. Andere Unternehmen müssen allerdings weitersuchen. Foto: Gottfroh

Heinsberg. Wenn der Laden voll ist, die Geräuschkulisse groß und hinter der Theke ein Bier nach dem anderen gezapft werden muss, damit die Stimmung ganz oben bleibt, dann ist Helmut Schröders in seinem Element. Für ihn ist sein Job, er ist Besitzer der Gaststätte Küppers-Franken „Beim singenden Wirt“ in Heinsberg-Straeten, ein Traumjob.

 „In der Küche kann man sich kreativ austoben und hinter der Theke hat man immer Kontakt zu Menschen, kann gemeinsam lachen oder weinen. Das ist doch toll“, sagt er.

Doch wie Schröders in den vergangenen Jahren feststellen musste, beantwortet die Traumjob-Frage nicht jeder so wie er. „Vor allem nicht die jungen Menschen“, bedauert Schröders. Denn wie viele andere Arbeitgeber in der Region findet Schröders keinen Azubi.

Helmut Schröders bildet sowohl Restaurantfachleute als auch Köche in seinem Betrieb aus. „Obwohl ich gerne ausbilden und mein Wissen an die nächste Generation der Wirte weitergeben würde“, sagt er. „Aber jemanden zu finden, der diesen Beruf so gerne macht wie ich, ist gar nicht so einfach“, sagt er.

Arbeiten am Wochenende

Das liege nicht daran, dass seine Bewerber nicht qualifiziert seien. Solche gebe es zwar natürlich auch, doch das sei nur ein kleiner Teil. „Wenn ich bedenke, dass gerade einmal sechs Bewerbungen bei mir eingegangen sind, dann bin ich geneigt zu sagen, dass das Problem, einen Azubi zu finden, in erste Linie einmal an dem Beruf selbst liegt“, analysiert Schröders und erklärt: „Fakt ist: Wenn die anderen feiern, dann arbeitet man in diesem Beruf. Ob Wochenende, Feiertage oder Karneval – in unserem Job steht man an diesen Tagen hinter dem Tresen oder in der Küche“, gesteht Schröders ein.

Dieser These kann auch Sabrina Reichler, Standortleiterin der Agentur für Arbeit für den Kreis Heinsberg, zustimmen. Tatsächlich seien es die Berufe, in denen zu Randzeiten, also früh am Morgen, spät am Abend und am Wochenende gearbeitet würde, die, die Schulabgänger scheuten, sagt sie. So sei es für Köche, Restaurantfachleute und Bäcker ein wirklich hartes Brot, ihre Ausbildungsstellen an den Mann zu bringen.

Aber auch viele Einzelhändler und Unternehmen, die Bürokaufleute ausbilden, würden noch händeringend nach Azubis suchen. Dass sie Schwierigkeiten haben, einen Azubi zu finden, hätte noch einen Grund: „Die jungen Leute wissen genau, was sie wollen“, sagt Sabrina Reichler. „Die Schulabgänger suchen zwar einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel, haben aber genaue Vorstellungen von dem Unternehmen, in dem sie arbeiten wollen, das am besten im direkten Umfeld der Bewerber liegt.“ Beides bedeutet übersetzt: Wenn die Stelle beim In-Friseur nicht zu haben ist, dann wollen sie nicht unbedingt beim kleinen Friseur auf dem Dorf Dauerwellen frisieren.

Zwei Jahre auf der Suche

Dass Gaststätteninhaber Schröders mehr Glück bei der Azubisuche hätte, würde sein Laden in der Stadt liegen, davon ist er überzeugt. „Wenn der Azubi noch keinen Führerschein hat, aber am Abend noch mit dem Bus zurück nach Hause muss, dann ist das auf dem Land eine Herausforderung. Da ist es in der Stadt schon deutlich einfacher“, sagt Schröders. Zwei Jahre sucht er inzwischen erfolglos einen Azubi. „Endlich aber scheint sich das Blatt zu wenden“, sagt er.

Nach dem Praktikum – Schröders testet die Bewerber vor dem Unterschreiben des Ausbildungsvertrages, ob sie sich mit den Arbeitszeiten arrangieren können – hat sich einer seiner sechs Bewerber entschlossen, es als Koch zu versuchen. „Ich finde das ganz fantastisch“, sagt er. Dennoch freut er sich nur vorsichtig. „Immerhin habe ich schon oft genug erlebt, dass bei den Auszubildenden nach ein paar Monaten die Luft raus war und sie die Ausbildung doch abgebrochen haben“, sagt er. Deshalb heißt es jetzt: Daumen drücken für den Azubi und für sich selbst.

Dass Problem der unversorgten Bewerber und der suchenden Arbeitgeber sei allerdings kein Neues, beruhigt Reichler. „Das haben wir in jedem Jahr, auch wenn die Zahl der unversorgten Bewerber in diesem Jahr noch einmal gestiegen ist“, sagt Sabrina Reichler.

Kopf nicht in den Sand stecken

„Wer jetzt noch keine Ausbildungsstelle gefunden hat, der muss nicht den Kopf in den Sand stecken“, macht die Standortleiterin Mut. Reichler empfiehlt den Bewerbern, die derzeit noch eine Ausbildungsstelle suchen, einmal über den Tellerrand zu schauen. „Es muss nicht immer der Job als Mechatroniker sein, denn es gibt auch viele andere Berufe, die den Wünschen und Vorstellungen vieler Bewerber nahe kommen.“

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