Weihnachtspakete zeigen, dass Gefangene nicht vergessen sind

Von: defi
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Seelsorger der JVA bereiten die Weihnachtstüten-Aktion vor, die nicht nur David (vorne l.) und Mahsum (vorne r.) das Fest verschönert. Foto: defi

Heinsberg. Weihnachten im Knast steht sicherlich auf niemandes Wunschzettel. Damit sich diejenigen, die in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg die Festtage unfreiwillig verbringen werden, dennoch nicht ganz von der Welt verlassen fühlen, legen sich die Seelsorger, die die 320 Strafgefangenen Jugendlichen und 100 Untersuchungshäftlinge betreuen, auch in diesem Jahr wieder mächtig ins Zeug und gehen auf „Betteltour“, wie Pfarrer Günter Pilger die Aktivitäten rund um die Paketaktion zugunsten der Gefangenen scherzhaft nennt.

Egal ob Christ oder Muslim

Konfessionsübergreifend arbeiten die evangelischen und katholischen Seelsorger Hand in Hand und sorgen dafür, das jeder Häftling zu Weihnachten eine schöne, gut gefüllte Weihnachtstüte bekommt, egal ob er nun Christ oder Muslim ist oder vielleicht auch gar keiner Glaubensrichtung angehört. 400 Kilometer legen die Pfarrer Günter Pilger, Gernot Müller, und Rüdiger Hagens sowie Diakon Stephan Lütgemeier jedes Jahr vor Weihnachten zurück, um in den Gemeinden die Sachspenden abzuholen, zu denen sie zuvor über die Gemeindebriefe und die Internetseiten der Kirchengemeinden in der Region aufgerufen haben.

Pfarrer Rüdiger Hagens: „Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung ist sehr zufriedenstellend, bisher konnten wir jedes Jahr die Tüten füllen.“ Wie wichtig der „Gruß von draußen“ für die „da drinnen“ ist, macht Mahsum klar. Der 22-Jährige sitzt ein. Er kennt Weihnachten hinter Gittern. 2013 gab es als Festessen an Heiligabend ein halbes Hähnchen und zum Nachtisch Eis mit heißen Kirschen – und die Weihnachtstüten der Seelsorger. Seit die Pakete der Familienangehörigen verboten sind, da gelangte doch das ein oder andere in den Knast, was dort nicht hingehört, sind die gestifteten Weihnachtstüten umso willkommener nicht nur wegen Tabak und Schokolade. Mahsum: „Wir denken dann hier drinnen, dass wir nicht vergessen sind. Wir sind zwar die Untergeordneten der Gesellschaft, aber jede Kleinigkeit freut uns.“

Weihnachten ist für die Strafgefangenen auch der Tag des längsten Aufschlusses. Alle dürfen acht Stunden raus aus ihren Zellen und gemeinsam in den Fluren Weihnachten feiern. „Dieser Tag bleibt auch hier nicht vergessen“, sagt Mahsum. Noch stärker als die Glaubensrichtungen verbindet die Gefangenen ihre Herkunft. Aus welcher Stadt sie kommen regelt, wer wem wohlgesonnen ist. Mahsum hat erlebt, dass es an Weihnachten im Knast anders, friedlicher untereinander ist. „Komischerweise ist dann jeder zu jedem korrekt. Man teilt doch den gleichen Schmerz.“ Jeder habe doch draußen eine Mutter, die auf ihn warte.

Bis zum 15. Dezember

David (21) wird Weihnachten auch in der JVA verbringen. Er hat das Amt des Küsters übernommen. „Wenn ich Besuch von einem Ehrenamtler bekomme, habe ich das Gefühl, nicht vergessen zu sein,“ sagt er.

Bis zum 15. Dezember werden in den Pfarrbüros Sachspenden entgegengenommen. Willkommen sind zum Beispiel Kaffee, Tabak, Dauerwurst, Konserven und Süßes. Geldspenden sind auch hilfreich. Für Informationen steht Stephan Lütgemeier unter stephan.luetgemeier@jva-heinsberg.nrw.de oder Telefon 02452/921329 zur Verfügung.

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