Heinsberg-Unterbruch - Weihnachtshaus strahlt zum letzten Mal

Weihnachtshaus strahlt zum letzten Mal

Von: Mirja Ibsen
Letzte Aktualisierung:
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Bis nach Orsbeck ist das Weihnachtshaus in Unterbruch zu sehen. Wenn es im Winter dunkel wird und die Lichter angehen, sind auf den Feldwegen rund um Haag 60 nicht nur landschaftliche Fahrzeuge unterwegs. Morgen kommen die „Castle Pipers“ – und spielen für einen guten Zeck schottische Dudelsackstücke und Weihnachtsmusik. Foto: defi, mib
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Bis nach Orsbeck ist das Weihnachtshaus in Unterbruch zu sehen. Wenn es im Winter dunkel wird und die Lichter angehen, sind auf den Feldwegen rund um Haag 60 nicht nur landschaftliche Fahrzeuge unterwegs. Morgen kommen die „Castle Pipers“ – und spielen für einen guten Zeck schottische Dudelsackstücke und Weihnachtsmusik. Foto: defi, mib

Heinsberg-Unterbruch. So muss wohl das Haus vom Weihnachtsmann aussehen: mit Sternen, die im Dunkeln leuchten, mit Lichterketten, die die Konturen von Haus und Nebengebäuden nachzeichnen, mit strahlenden Rentieren im Garten, mit dampfenden Eisenbahnen und drehenden Karussells.

Zumindest denkt das wohl so mancher Unterbrucher Wackelzahnträger – und steckt deshalb seinen Wunschzettel in den weißen amerikanischen Briefkasten, der an der Adresse Haag 60 steht.

Dabei trägt der männliche Bewohner des Hauses zwar Bart, aber der ist beileibe nicht so lang und weiß, wie es angemessen wäre, einen roten Mantel trägt er auch nicht und in seinem Stall stehen schottische Kaltblüter statt klassischer Rentiere. Und dann hat der Herr auch noch eine Frau. Na gut, man weiß ja nicht so genau, ob der Weihnachtsmann unbeweibt durchs Leben geht, deshalb ist das kein Beweis.

Seit Jahren kommen die Briefe an, die an das „Weihnachtshaus Unterbruch“ adressiert sind – auch ohne Briefmarke und Postleitzahl. Darüber staunen Susanne und Klaus Krenkers immer wieder. Sie sind sich zwar ziemlich sicher, dass sie nicht in der Dependance der Wunschfabrik vom Nordpol wohnen, aber für glänzende Kinderaugen sorgen sie schon.

Klaus Krenkers ist aber eher so eine Art Herr des Lichts oder auch Meister der Lichterketten. 15.000 bis 18.000 Lichter leuchten an seinem Haus in Unterbruch. Er hat das nicht so genau gezählt. Wenn die ersten Marzipanbrote und Lebkuchen in den Supermärkten liegen und von den Kunden fleißig ignoriert werden, weil noch niemand so richtig Lust auf Weihnachten hat, dann fängt Klaus Krenkers an, Lichterketten abzurollen, Lämpchen zu prüfen, die Technik vom Karussell zu warten, den Motor der Eisenbahn zu überholen.

Der steckte früher in einer Dialysemaschine. Der passionierte Bastler ist nämlich im Alltag Krankenpfleger an der Uniklinik in Düsseldorf ebenso wie seine Frau Susanne. Jahrelang haben sie gemeinsam im Schichtdienst gearbeitet, jetzt sitzen sie sich im Büro gegenüber. Das ist praktisch, weil sie sich die Fahrt teilen, so wie sie die Liebe zum gepflegten Weihnachtskitsch teilen.

Mit drei Lichterketten haben die Krenkers vor 20 Jahren angefangen, ihr Haus zu schmücken. „Eigentlich hat der Nachbar damit angefangen“, erzählt Klaus Krenkers. Der hatte mit einer Lichterkette die Zweige seines Walnussbaumes illuminiert. Das gefiel den Krenkers und sie machten mit. Sie dekorierten ihre Krüppelweide. Ein paar Tage später hatte der Nachbar dann drei Lichterketten mehr im Garten verteilt ...

Inzwischen packen Susanne und Klaus Krenkers jedes Jahr mindestens 30 Umzugskartons mit Weihnachtsschmuck aus. Und der Nachbar? Der hat ihnen seine Lichterketten rübergebracht: „Hast gewonnen, die kannste auch haben“, waren seine Worte. Oder so ähnlich. Susanne Krenkers erinnert sich nicht so genau. Das ist schon eine Weile her.

Die Nachbarn unterstützen die zwei Weihnachtsfans. Mal mit Strom, wenn etwas Besonderes ansteht, mal mit ermunternden Kommentaren: „Fangt ihr wieder an? Datt ist schön“, so etwas haben die Krenkers öfter gehört.

Nur in dem Jahr, in dem das Haus dunkel blieb, gab es empörte Weihnachtsspaziergänger, denn das Haus ist ein beliebtes Ausflugsziel. Aber daran konnte die Krenkers nichts ändern, andere Dinge waren in dem Jahr wichtiger, deshalb blieben die Lichterketten im Karton. Bei der Gelegenheit stellten die Krenkers allerdings fest, wie viel sie die leuchtende Hülle für ihr Haus jährlich kostet. Die Stromrechnung war mehr als 400 Euro geringer. Gesponsort werden sie nicht. Trotzdem haben sie im nächsten Jahr wieder die Lichter angeknipst. Allerdings niemals alle auf einmal, und es laufen auch nicht alle Karussells gleichzeitig. „Sonst fliegen mir die Sicherungen um die Ohren“, sagt Klaus Krenkers.

An den steigenden Stromkosten liegt es also nicht, dass die Krenkers in diesem Jahr nach Weihnachten die Lichterketten endgültig einpacken. Die Antwort ist schlicht: „Wir haben keine Lust mehr“, sagt Susanne Krenkers. Die Verwandlung des Pferdehofes in ein Weihnachtshaus ist viel Arbeit. Und die Kraxelei auf dem Dach sei auch nicht ganz ungefährlich, sagt ihr Mann.

Sie knipsen aber nicht einfach so die Lichter aus, sondern lassen es vorher noch einmal richtig weihnachten. Morgen, am Nikolaustag, kommt nicht nur der Nikolaus vorbei, sondern auch die Dudelsackspieler der „Castle Pipers“ reisen an und spielen schottische Musik, und zwar von 17.30 bis 20 Uhr. Dazu gibt es Glühwein, Kakao und Würstchen. Eintritt kostet das nicht. Eine Spende kommt dem Förderkreis zugunsten unfallgeschädigter Kinder zugute.

Autofahrer bittet die Familie, möglichst weit von Hausnummer 60 entfernt zu parken, denn vor dem Haus wird es sich vermutlich knubbeln.

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