Weihbischof Johannes Bündgens: Das Netz der Ehrenamtler weiter knüpfen

Weihbischof: Das Netz der Ehrenamtler weiter knüpfen

Von: Anna Petra Thomas
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Nah dran: Weihbischof Dr. Johannes Bündgens diskutierte beim Ehrenamtsfest nach der Predigt mit Haupt- und Ehrenamtlern der GdG Heinsberg-Waldfeucht. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Unterbruch/Waldfeucht. Er spricht mit Kleinkindern und Senioren, diskutiert mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, besucht kirchliche und weltliche Einrichtungen: Während der gesamten Adventszeit ist Aachens Weihbischof Dr. Johannes Bündgens in Heinsberg und in Waldfeucht unterwegs, genauer gesagt in den 15 Pfarreien, die zur Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Heinsberg-Waldfeucht gehören.

So war er am Wochenende auch in der Pfarrkirche St. Maria Schmerzhafte Mutter in Unterbruch zu Gast, wo das Ehrenamtsfest der GdG gefeiert wurde. Leider nahmen jedoch nicht so viele Ehrenamtler teil, wie das Pastoralteam erwartet hatte. Nicht einmal die Hälfte der rund 150 erwarteten Gäste waren gekommen.

Im vergangenen Jahr hatte die GdG erstmals zu einem solchen Fest eingeladen, um dem Ehrenamt in den Pfarreien eine besondere Wertschätzung entgegenzubringen, mit guten Erfolg und über 100 Gästen. Dieses Mal sollte das Fest während der Visitationszeit gefeiert werden zusammen mit dem Weihbischof, aber es kamen viel weniger, wohl wegen der zahlreichen Verpflichtungen in der Vorweihnachtszeit, so die Vermutung der Organisatoren im Pastoralteam.

Eine gemeinsame heilige Messe mit dem Weihbischof eröffnete das Fest. Dabei stellte Propst Markus Bruns in seiner Begrüßung das neue Leitmotiv für das Team der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der GdG vor. „Wir vernetzt im Glauben“ lautet es. Er habe auf seinem Handy eine Nachricht aus Rom erhalten, erklärte Bündgens in seiner Einführung und erinnerte die Anwesenden an das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das in Rom ein Feiertag sei. In der ersten Woche seiner Visitation habe er bekannte Gesichter wiedergesehen, viele Begegnungen gehabt und Gespräche geführt, so der Weihbischof weiter.

In seine Predigt stieg er ein mit er Begegnung mit zwei Trapezkünstlern im Zirkus. Die beiden seien ein eingespieltes Team und könnten einander quasi blind vertrauen, erklärte er. „Wir vernetzt im Glauben“ habe eine ähnliche Bedeutung. Das Ehrenamt in der GdG sei kein Hochseilakt, sondern eine Arbeit im vertrauten Rahmen, „denn belastbare Beziehungen braucht jeder Mensch“, so Bündgens.

Die Knoten im Netz seien in der Gemeinschaft der Ehrenamtler die Hände, die halten und tragen würden. Und dann wurde er ganz deutlich: Die Arbeit der Katholischen Kirche sei derzeit nicht leicht. „Wir machen eine Krisenzeit durch“, räumte er ein. Der Algorithmus, das bisher gelebte Kirchenjahr, trage nicht mehr.

Im zweiten Teil der Predigt wandte sich Bündgens dem Evangelium zu, vor allem dem Ausspruch Mariens, die da sagt: „Siehe ich bin die Magd des Herrn“. Vielfach sei diese Stelle missbräuchlich ausgelegt worden, so der Weihbischof, sei reduziert worden etwa auf Dienste im Kloster, die hätten getan werden müssen.

Maria zeige in diesen Worten aber gar keine Demut, gebe sich nicht klein und niedrig, sondern stolz und selbstbewusst. „Von diesem Selbstbewusstsein wünsche ich Ihnen und mir viel“, schloss der Bischof und nutzte noch einmal das Bild vom Netz. Die Ehrenamtler sollten ihr Netz weiterknüpfen im Vertrauen, dass Gott sie auffange, sagte er.

Der Papst und das Vaterunser

Nach der Predigt standen den Ehrenamtlern für zehn Minuten drei Angebote offen: Sie konnten mit dem Weihbischof sprechen, Fürbitten schreiben oder sich von Priestern segnen lassen. In der kleinen Diskussionsrunde mit dem Weihbischof bat ihn einer seiner Gesprächspartner, mehr für die Aus- und Fortbildung der Ehrenamtler zu tun. Hier konnte Bündgens von den Erfahrungen mit sogenannten Ehrenamtsakademien berichten. Diskutiert wurde aber auch die ganz aktuelle Kritik von Papst Franziskus an der Übersetzung des Vaterunsers.

Die Formulierung „Und führe uns nicht in Versuchung“ sei nicht gut, hatte er in einem Fernsehinterview gesagt. „Lass mich nicht in Versuchung geraten“, habe Franziskus als Übersetzung vorgeschlagen, denn: „Ein Vater hilft, sofort wieder aufzustehen. Wer dich in Versuchung führt, ist Satan“, so der Papst. Dem stimmte einer der Ehrenamtler voll zu. Er habe schon lange gefordert, die Übersetzung in „Und führe uns in der Versuchung“ zu ändern.

In den selbst geschriebenen Fürbitten wurden schließlich wieder die Sorgen und Nöte deutlich, die Ehrenamtler in ihrer Arbeit bewegen: Da ging es um den Mut, den Glauben weiterzugeben, die Jugendlichen zu erreichen oder darum, die Traditionen der Katholischen Kirche, etwa im Erhalt der Frauengemeinschaften, aufrechterhalten zu können. „Es sind schwierige und bewegte Zeiten für uns alle“, fasste Bruns am Ende des Gottesdienstes zusammen. Dank der guten Vernetzung sei es aber möglich, auch in diesen Zeiten zur Katholischen Kirche zu stehen. Ein gemütliches Beisammensein bei Snack-Buffet, Glühwein und Gesprächen in der Kirche rundete das Ehrenamtsfest ab.

Am 21. Dezember wird es eine Abschlusskonferenz geben, bei der Bündgens dem GdG-Rat und dem Pastoralteam seine Beobachtungen, Eindrücke und Erfahrungen schildern wird. Die GdG könne dort aber auch Wünsche äußern, so Bruns im Gespräch mit unserer Zeitung. Einer davon sei ein Seelsorger für die weiterführenden Schulen in der GdG. Auch solle diskutiert werden, wie die GdG ihrem Verlust gesellschaftlicher Relevanz entgegenwirken könne.

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