Erkelenz-Schwanenberg - Wege gegen das Vergessen: Straße bekommt unvergessenen Namen

Wege gegen das Vergessen: Straße bekommt unvergessenen Namen

Von: hewi
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Laurence Leyens und Bezirksausschussvorsitzender Michael Tüffers am enthüllten Straßenschild in Schwanenberg. Foto: hewi

Erkelenz-Schwanenberg. Leopold und Erna Leyens lebten mit ihrer Familie in Schwanenberg, bis sie 1942 im KZ Izbica dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer fielen. Ihre Namen sind bis heute nicht vergessen und werden es auch niemals sein. Denn nun wurde in einem feierlichen Akt eine Straße im Neubaugebiet Tichelkamp in „Leyensring“ benannt.

Ihr Haus am Rheinweg beherbergt heute die Filiale der Kreissparkasse und die Marktschänke. Ein zusätzliches Schild unter dem Straßennamen erinnert an die Leopold und Erna Leyens, die stellvertretend für die jüdischen Bürger Schwanenbergs stehen.

Ihre beiden Kinder Hannelore (Laura) und Gerald (Gerry) Leyens konnten mit einem Kindertransport nach London gerettet werden. Sie gründeten Familien und nahmen ihr Leben auf. Doch der Kontakt nach Schwanenberg riss nie wirklich ab. Nachkommen der Familien waren schon oft in Erkelenz und Schwanenberg zu Besuch. Auch jetzt waren Kinder und Enkel der beiden Geschwister nach Schwanenberg gekommen, um der Enthüllung des Straßenschildes beizuwohnen.

Die Idee, eine Straße nach der Familie Leyens zu benennen, hatte das Presbyterium schon vor 14 Jahren bei der Erschließung des Neubaugebietes „In der Schlei“. Damals sei es nicht dazu gekommen, betonte der Vorsitzende des Schwanenberger Bezirksausschusses, Michael Tüffers.

In einem zweiten Anlauf stimmten nun Bezirksausschuss und Stadtrat einstimmig für die Namensgebung. Die Feier begann mit einem ökumenischen Gottesdienst und endete nach der Enthüllung des Schildes im Gemeindezentrum.

„Wenn es die Straßenbenennung nicht gegeben hätte, wäre auch ein bisschen Scham geblieben“, erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin Astrid Wolters. Ihr Dank galt den „Nimmermüden“, die dafür gesorgt hätten, dass die Erinnerung an die Familie Leyens und die Pflicht zur Zeichensetzung nie aufgegeben wurde. An die Mitglieder der Familie Leyens gerichtet, sagte sie: „Es macht uns stolz, dass Sie auch heute noch zu uns kommen und uns auf unserem manchmal steinigen Weg begleiten.“

Richard Leyens ist der Enkel von Leopold und Erna Leyens. Er war stellvertretend für seinen Vater Gerald gekommen, der aufgrund seines hohen Alters die beschwerliche Reise nicht antreten konnte. Seine Schwester Laura verstarb vor neun Jahren 84-jährig.

Richard Leyens beschrieb seinen Vater und seine Tante als warmherzige und liebevolle Menschen, die jedoch niemals über ihre Vergangenheit sprachen. Einmal, so berichtete er, habe der Vater erzählt vom Erkelenzer Marktplatz, wo die Juden zusammengetrieben wurden, und vom heutigen Kaufhaus Martini, vor dem SA-Männer mit Schildern standen: „Kauft nicht bei Juden!“. Trotzdem seien es nicht nur bittere Erinnerungen. Denn es gab Menschen, die selbstlos geholfen haben.

Hass habe er nie empfunden. „Insgesamt kehrte unser Vater immer gerne zu Besuchen nach Deutschland zurück und hielt ebenso gerne Kontakt zu Deutschen, wo immer er in der Welt war“, betonte Leyens. Für seinen Vater sei es wichtig, nicht in der Vergangenheit zu leben und den Blick nach vorne zu richten. „Wir fühlen uns besonders geehrt, dass Sie den Namen Leyens als Symbol gewählt haben, um an die Zeit großen Verlustes zu erinnern.“

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