Wegberg-Petersholz: Die ersten Flüchtlinge haben Quartier bezogen

Von: Helmut Wichlatz
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Eingezäuntes Übergangsquartier: In Petersholz sind derzeit rund 60 Flüchtlinge untergebracht, viele hundert werden in den nächsten Wochen wohl folgen. Foto: Helmut Wichlatz
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Der ehemalige britische Naafi-Shop ist zum Kleiderlager umfunktioniert worden. Foto: Helmut Wichlatz
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Teddy & Co.: Kuscheltiere warten in Petersholz auf ihre neuen kleinen Besitzer. Foto: Helmut Wichlatz

Wegberg-Petersholz. Sie leben abgetrennt von der noch eher unwirklichen Umwelt. Ihr zwischenzeitliches Zuhause besteht aus drei Gebäuden in der ehemaligen Britensiedlung bei Petersholz. Die Rede ist von den ersten 60 Flüchtlingen, die in Petersholz Anfang September vom Land einquartiert worden sind, darunter rund 20 Kinder und fünf schwangere Frauen.

Die Flüchtlinge stammen hauptsächlich aus Syrien und Albanien und haben somit von vorneherein unterschiedliche Schicksale zu erwarten. Die einen werden anerkannt, während die anderen wieder abgeschoben werden, da Albanien als sicheres Land gilt. Ihr Leben spielt sich in den beiden bewohnten Häusern oder in dem Haus ab, das zur Verwaltung verwendet wird. Davor ist ein Stück Straße, es endet jeweils an Absperrzäunen.

Zum Schutz, wie Einrichtungsleiter Rolf Marquardt von den Johannitern betont. Zu Fuß sollte man es nicht erkunden, denn nach dem Abzug der letzten britischen Bewohner haben sich Wildschweinrotten ausgebreitet, die das Terrain derzeit zu beherrschen scheinen. „Einer Bache mit ihren Frischlingen sollte man hier besser nicht begegnen“, betont er. Doch selbst die Bäume müssen auf ihre Verkehrstauglichkeit hin untersucht werden. Vor dem Zaun heißt ein großes Plakat die Besucher in 19 Sprachen Willkommen.

Kirsten Hols vom Landesvorstand der Johanniter betont: „Das ist alles noch improvisiert.“ In einigen Wochen sollen die nächsten drei Häuser nebenan bezugsfertig sein. Spätestens im Juni 2016 soll die angekündigte Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes ihren Betrieb aufnehmen und zwischen 500 und 800 Flüchtlinge für eine Dauer von bis zu drei Monaten aufnehmen. Nach der Entscheidung über den Asylantrag geht die Reise weiter. Für einige führt sie zurück in ihr Heimatland, andere werden auf die Kommunen verteilt und erhalten das begehrte Bleiberecht.

Jetzt sei es erst einmal „wichtig, dass die Menschen zur Ruhe kommen können“, erklärt Dirk Faßbender, der die Sanitätsstation leitet und die Zusammenarbeit mit den Wegberger Ärzten organisiert. Über der Station und einem Büro für die betreuenden Mitarbeiter ist im ersten Geschoss eine Kinderbetreuung untergebracht. „Die Johanniter haben eine besondere Kompetenz in der Betreuung von Kindern“, betont Johanniter-Regionalvorstand Marius Mainzer. „Dies kommt den Kindern der Flüchtlinge nun zugute.“ Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sei sehr groß, fügt er hinzu und berichtet von einem Bauunternehmer, der eine Fuhre Sand für den Spielplatz brachte und vielen großen und kleinen Spenden.

Im Speisesaal ist es noch eng, er wird umziehen, sobald die Renovierung fortgeschritten ist. Nebenan in der provisorisch eingerichteten Kantine arbeitet die Wegberger Hauswirtschafterin Friederike Mertes, die „mit Händen und Füßen sehr gut mit den Leuten kommuniziert“, wie sie betont. Der Einfachheit halber gibt es kein Schweinefleisch. Braten, Broccoli, Kartoffelpüree und Obst stehen diesmal auf dem Speiseplan.

Land NRW und Kreis Heinsberg

Neben den Kontingenten, die das Land in Petersholz unterbringen wird, hat auch der Kreis Heinsberg in Teilen des Geländes die Regie übernommen. Dort sollen bis Ende Oktober weitere Plätze für Flüchtlinge eingerichtet werden.

Bis dahin ist noch eine Menge zu tun. Auch im ehemaligen Naafi-Shop, der gerade als Kleiderlager für die Spenden der Bürger dient. Dort sortieren Ehrenamtler die eingehenden Spenden. Das ehemalige Schulgebäude wird gerade zur Kleiderkammer ausgebaut, den der Verein „Asyl in Wegberg“ betreut.

„Im Laufe der nächsten Monate wird es hier noch viel zu tun geben“, betont Einrichtungsleiter Marquardt, der den Standort Petersholz für den Aufbau einer Einrichtung dieser Größenordnung als „ideal geeignet“ bezeichnet.

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