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Wassenberger Kunstwerk wird restauriert

Von: Anna Petra Thomas
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Im Bauhof wurde das Kunstwerk sicher im Hänger von Peter Paul Brockhage verstaut. Danach machte er sich mit seiner Schwester zurück auf den Weg ins mehr als 600 Kilometer entfernte Schwarzenberg. Foto: anna
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Peter Paul Brockhage und Anna Franziska Schwarzbach waren von der Größe des Kunstwerks überrascht.

Wassenberg. „Das ist ein guter Weg.“ Die Zufriedenheit war Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens deutlich anzumerken. Nach intensiven Diskussionen, die ein Artikel unserer Zeitung über den Umgang mit einem Kunstwerk von Hans Brockhage ausgelöst hatte, ist nun zumindest die nähere Zukunft der Holz-Stele „Der Trauerzug“ geklärt.

Bis zum Jahr 2013 hatte das Werk auf dem Schulhof der Betty-Reis-Gesamtschule gestanden. Nach dem Abbau wegen mangelnder Standfestigkeit und einer kurzen provisorischen Lagerung auf dem Schulgelände waren die Stelen seit einiger Zeit beim Wassenberger Bauhof gelagert.

Jetzt hat die Stadt Wassenberg eine Vereinbarung mit Peter Paul Brockhage und Anna Franziska Schwarzbach, den Kindern des Künstlers, geschlossen. Nach der Unterzeichnung machten sich die beiden mit dem gut verpackten Kunstwerk in einem Hänger auf den Weg ins Atelier Brockhage nach Schwarzenberg ins Erzgebirge. Damit beginnt für das Holzgebilde jetzt der Weg der Neubearbeitung mit dem Ziel, es wieder standfest zu machen. Die Zeit drängt, von Mai bis Oktober soll es im Deutschen Bundestag ausgestellt werden soll, denn der renommierte Künstler Hans Brockhage wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden.

Der 2009 verstorbene Bildhauer hatte die Holzskulptur 1993 als Kunst am Bau für die Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg geschaffen. Die sechs, bis zu 2,85 Meter hohen Stelen aus Mooreiche auf zwei Sockeln „stehen für den Zug von KZ-Häftlingen des Dritten Reiches, zu denen auch Betty Reis gehörte, ehe sie 1944 im Todeslager Bergen-Belsen unterging“, schreibt Heribert Heinrichs dazu in seinem Buch „Zum Schicksal der Juden in Wassenberg“.

In einem Gebäude des Bauhofs in Birgelen sahen Brockhage und Schwarzenberg jetzt zum ersten Mal das Werk ihres Vaters – und waren vor allem von seiner Wucht und Höhe beeindruckt. „So groß hätte ich mir das nicht vorgestellt“, sagte Schwarzbach bei der Besichtigung, bei der sie nicht nur von ihrem Bruder, sondern auch vom Bürgermeister, dessen Stellvertreter Willibert Darius sowie von Bauhofleiter Willi Schellartz begleitet wurden. Beide betonten ausdrücklich, dass das Kunstwerk seit 2013 im Bauhof sehr gut gelagert worden sei.

„Ich bin ganz auf Ihrer Seite“, hatte Winkens den beiden Nachfahren des Künstlers bereits am frühen Morgen im Rathaus erklärt. Er übergab ihnen das Kunstwerk zum Zweck der Reparatur und der geplanten Ausstellung. Nach einer intensiven Begutachtung schätzte Brockhage, wie sein Vater selbst Holzbildhauer, die Kosten für die Instandsetzung des Mahnmals auf rund 3000 Euro netto. Er plant, den Sockel von unten durch eine Edelstahlplatte zu verstärken, ebenso die Übergänge von den beiden Sockeln zu den jeweils drei Stelen, „natürlich für den Betrachter nachher unsichtbar“, erklärte er.

Die zwischen dem Bürgermeister und den Kindern von Hans Brockhage geschlossene Vereinbarung sieht derzeit eine Kostenzusage der Verwaltung in Höhe von 1000 Euro vor. Damit könnten die Materialkosten gedeckt werden. Beide Seiten werden sich jedoch um Sponsoren für dieses Projekt bemühen. „Sollte wider Erwarten eine Beteiligung Dritter ausscheiden, setzt eine vollständige Übernahme der vorstehend genannten 3000 Euro einen vorherigen Ratsbeschluss voraus“, schließt die Vereinbarung. Sollten keine Sponsoren für die Arbeiten gefunden werden, müsste der Rat am 19. März entscheiden.

Und dann packten einschließlich dem Bauhofleiter selbst fünf Männer mit an, um das Kunstwerk sicher auf dem Hänger zu verstauen. Danach machte er sich mit seiner Schwester zurück auf den Weg ins mehr als 600 Kilometer entfernte Schwarzenberg, um hier das Kunstwerk wieder instand zu setzten.

Künftiger Standort offen

Wie dessen Zukunft nach der geplanten Ausstellung im Bundestag aussieht, ist noch offen. Auf jeden Fall könne es in seiner aktuellen Form nicht mehr im Freien aufgestellt werden, erklärte Brockhage nach der Sichtung des Kunstwerks. Daher schlug seine Schwester dem Bürgermeister vor, gemeinsam Sponsoren zu suchen für eine Einhüllung des Werks in eine Bronzeschicht, um es witterungsbeständig zu machen. Danach gibt es für die beiden in Wassenberg nur einen Platz für das Kunstwerk. „Es muss wieder zurück in die Schule!“, betonte Schwarzbach bei ihrem Besuch in Wassenberg. Es sei wichtig, dass sich schon Kinder und Jugendliche mit diesem Kapitel deutscher Geschichte befassen würden, und das Kunstwerk gebe vielfältig Anlass dazu.

Darius hegte Zweifel daran, dass es sich bei dem Kunstwerk tatsächlich um Kunst am Bau handele. Der Bau sei zur damaligen Zeit teurer gewesen als veranschlagt und das Kunstwerk von den zusätzlichen finanziellen Mitteln angeschafft worden, so sein Argument.

Die These von der Kunst am Bau, durch die das Werk dann tatsächlich an seinem Standort urheberrechtlich geschützt wäre, unterstützt dagegen Norbert Schiefke, Architekt des Neubaus. In einem Brief an den damaligen Schulleiter Heinrich Spiegel versichert er diesem, dass er seinerzeit bei der Auswahl des Standorts ebenfalls beteiligt gewesen sei. Im Übrigen sei auch der wie der Bürgermeister der Auffassung, dass man das Kunstwerk 2013 sofort hätte reparieren und wieder aufstellen sollen.

Die geplante Ausstellung durch die Tochter deute doch auf „ein Kunstwerk höchsten Grades hin, was man in Wassenberg nachhaltig, gegebenenfalls versehen mit einer Patenschaft, hegen sollte“, beendet er sein Schreiben. Der Wert des Kunstwerks, für das die Stadt einmal 25 000 Mark gezahlt hat, wird derzeit von der Tochter auf rund 120 000 Euro geschätzt.

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