Wassenberg - Wassenberg ist beim Wohnungsbau Spitze in NRW

Wassenberg ist beim Wohnungsbau Spitze in NRW

Von: Daniel Gerhards
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Die Stadt setzt auf einen Mix aus günstigem Land für Familien und Mietwohnungen. Symbolfoto: Fredrik von Erichsen/dpa
Wassenberg STatistik
Entwicklung der Wohnungen im Kreis Heinsberg. Foto: Gerhards/Grafik: Heinen

Wassenberg. In Wassenberg stehen die Zeichen auf Wachstum. Und das nicht nur, was die Einwohnerzahl angeht. Besonders beim Wohnungsbau ist Wassenberg weit vorn, wie aus aktuellen Zahlen der Landesstatistiker von Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) hervor geht. Demnach ist die Zahl der Wohnungen dort von 2010 bis 2016 um 11,3 Prozent gestiegen - der stärkste Anstieg in NRW.

Diese Zahlen sind Beleg dafür, dass Wassenberg als Wohnort offensichtlich attraktiv ist. Kämmerer Willibert Darius erklärt das mit der landschaftlich reizvollen Lage, mit Naherholungsmöglichkeiten zum Beispiel im Stadtwald, mit einer guten Infrastruktur, mit einem umfassenden Angebot bei der Kinderbetreuung, mit der kreisweit niedrigsten Abgabelast und günstigen Baulandpreisen. In einem Neubaugebiet an der Roermonder Straße zwischen Wassenberg und Birgelen habe der Preis beispielsweise bei 105 Euro pro Quadratmeter vollerschlossenem Bauland gelegen. Für Familien mit Kindern reduziert sich der Preis noch einmal um fünf Euro pro Kind und Quadratmeter. Für Schwerbehinderte gibt es einen ähnlichen Rabatt.

Bestehende Lücken schließen

Zwischen Wassenberg und Birgelen gebe es nun in einem weiteren Baugebiet an der Roermonder Straße zusätzlich noch einmal 50 bis 60 Baugrundstücke. In Orsbeck, wo auch eine neue Sportstätte geplant ist, sei Raum für 40 bis 50 neue Wohneinheiten, sagt Darius. Damit ist so gut wie sicher: Bei den Einfamilienhäusern wächst Wassenberg weiter. Allerdings sei es nicht das Ziel der Stadt, immer weiter in die Fläche zu gehen. Es gehe vor allem darum, bestehende Baulücken zum Beispiel in der Innenstadt zu schließen, sagt Darius.

Dieser Plan ist auch sinnvoll. So kann man jedenfalls die Worte von Dr. Christian Krajewski interpretieren. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe „Einfamilienhausgebiete im Umbruch“ der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) und zudem Akademischer Oberrat am Institut für Geografie der Uni Münster. Krajewski sagt, dass Städte ihre Baulücken bei der Planung viel stärker im Blick haben sollten. Zum Beispiel mit Hilfe eines Baulückenkatasters. Das sei ein guter Ausgangspunkt für eine städtische Strategie.

In älteren Baugebieten zum Beispiel aus den 60er und 70er Jahren könne die Politik einen Generationswechsel unterstützen. Es gebe Kommunen, die dazu die Bewohner solcher Baugebiete nach ihren Wünschen in Sachen Wohnen befragten. Dahinter steht zum Beispiel die Frage: Wollen ältere Menschen, deren Kinder nicht mehr im Haus sind, in eine barrierefreie Eigentumswohnung im Zentrum ziehen? Einen solchen Prozess müsse man begleiten. Dafür müsse man Investoren finden, die Mehrfamilienhäuser mit kleineren, barrierefreien Wohnungen im Zentrum bauen.

In einigen Orten im Selfkant und Gangelt ist schon heute zu beobachten, was den Ortskernen droht, wenn es immer neue Baugebiete gibt, die Bestandsimmobilien im Zentrum aber kaum noch zu verkaufen sind. Das sorgt für Zuzug, aber die Ortskerne veröden. Krajewski nennt das Donut-Effekt. Außen süßer, dicker Teig, innen ein Loch. Weil sich in den Ortskernen aber so gut wie alle Immobilien und auch die meisten Baulücken in Privatbesitz befinden, sind die Möglichkeiten der Kommune begrenzt, dort steuernd einzugreifen. Aber es gibt sie. Krajewski nennt das Beispiel von Prämien für Familien, die ein Bestandsgebäude kaufen, statt neu zu bauen. Motto: Jung kauft Alt.

190 neue Sozialwohnungen

So weit gehen die Pläne in Wassenberg derzeit nicht. Ziel der Stadt sei aber, für einen guten Mix in Sachen Wohnraum zu sorgen. Dabei spielen die Neubaugebiete für Einzel- und Doppelhäuser nach wie vor eine wichtige Rolle. Wichtig sei aber auch, dass Mietwohnungen gebaut werden. Und das geschehe in Wassenberg auch: „Was man schon gemerkt hat, ist, dass der Mietwohnungsbau erheblich zugenommen hat“, sagt Darius.

Und das im sozialen Wohnungsbau und auch bei den übrigen Wohnungen. Im sozialen Wohnungsbau seien von 2012 bis 2016 im Stadtgebiet 190 Wohnungen entstanden, sagt Darius. Damit liege die Stadt kreisweit vorne. Aktuell seien in Wassenberg 70 Mietwohnungen im Bau, darunter zum Beispiel auch hochwertige Wohnungen am Rande des Stadtwaldes.

Um den Mix aus günstigem Bauland für Familien, sozialem und regulärem Wohnungsbau beizubehalten, sei es strategisches Ziel der Stadt, dass weitere Mietshäuser in den Orten der Stadt gebaut werden. „Wir planen, dass jährlich noch einmal 80 bis 110 Wohneinheiten im Mietwohnungsbau dazukommen“, sagt Darius.

Risiko Preisverfall

Immer mehr neue Baugebiete auf der grünen Wiese auszuweisen, sei hingegen nicht zielführend. „Damit möchten die Kommunen durch Zuzug von außen wachsen. Das ist eine kurzfristige Perspektive“, sagt Krajewski. Die Nachbarkommunen kämpften dabei nur gegeneinander um junge Familien. Das sei aus regionaler Sicht kontraproduktiv, sagt Krajewski. Auch weil man mit einer schrumpfenden Bevölkerungszahl rechnen müsse. Man müsse also immer auch den Wohnraumbedarf der Zukunft antizipieren. Sonst produziere der Neubau von heute den Leerstand und Preisverfall von morgen.

Und dann tauge das Einfamilienhaus auch nicht mehr als Altersvorsorge. „Wenn die Nachfrage nicht da ist, ergibt sich die Problematik fallender Preise“, sagt Krajewski. Dieses Risikos müssten sich die Bauherren bewusst sein.

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