Warum Wassenberg noch viel Kohlenstoffdioxid sparen kann

Von: Anna Petra Thomas
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Klimaexpertin in Wassenberg: Prof. Dr. Ing. Isabel Kuperjans. Foto: anna

Wassenberg. „Insgesamt sind nach aktuellem Stand mehr als 100 Prozent Emissionseinsparungen möglich.“ So lautet ein Zwischenergebnis bei der Arbeit am Klimaschutzkonzept für die Stadt Wassenberg, das Prof. Dr.-Ing. Isabel Kuperjans im Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Wassenberg vorgestellt hat.

Sie ist geschäftsführende Direktorin des Instituts Nowum-Energy der Fachhochschule Aachen, das von der Stadt mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt ist. Dieses wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative zu 65 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Um zunächst eine Energie- und CO2-Bilanz zu erhalten, habe man die notwendigen Daten abgefragt, erklärte Kuperjans. Das sind die Strom- und Gasdaten bei den Netzbetreibern, die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge beim Straßenverkehrsamt und die kommunalen Verbräuche bei der Stadtverwaltung. Diese Daten seien dann in eine entsprechende Software eingegeben worden.

Danach ergibt sich für die Stadt eine Energiebilanz von 444.000 Megawattstunden (MWh) für das Jahr 2010 und 421.000 MWh für das Jahr 2013, wobei der Rückgang witterungsbedingt sei, so Kuperjans. Den höchsten Verbrauch hat für 2013 der Verkehr (43,05 Prozent), gefolgt von den Haushalten (30,25 Prozent) und der Wirtschaft (24,49 Prozent). Nur 2,12 Prozent entfallen auf die kommunalen Gebäude, 0,09 Prozent auf die kommunale Flotte. Die CO2-Bilanz beläuft sich für 2013 auf 132 500 Tonnen mit ähnlicher Verteilung. Hauptverursacher sind Strom, Diesel, Benzin, Erdgas und Heizöl.

Umgerechnet auf alle Bürger ergibt sich für 2013 eine Emission von 7,74 Tonnen pro Kopf. Im bundesweiten Durchschnitt sind es 11,7 Tonnen. Allerdings seien die Zahlen nicht ganz vergleichbar, da ja bundesweit auch zum Beispiel Flüge eingerechnet werden müssten, erklärte Kuperjans. Bei genauerer Beobachtung des Verkehrssektors stelle man fest, dass der Hauptverursacher hier der Pkw sei (55,56 Prozent), gefolgt von den Nutzfahrzeugen (40,15 Prozent).

Einsparungen sieht die Wissenschaftlerin bereits in der regionalen Stromproduktion. Schon 2013 hätten dadurch mehr als 5000 Tonnen CO2 und damit rund 3,8 Prozent der Gesamtemissionen vermieden werden können. Einsparungen gebe es auch schon in Form der Kraft-Wärme-Kopplung durch Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken. Dazu seien jedoch bisher keine Daten vorhanden. Sie sollen ab 2014 berücksichtigt werden.

Weitere Potenziale sieht Kuperjans in der Nutzung von Windkraft. „Durch ein Windrad könnten 2600 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Dies entspricht circa zwei Prozent der Gesamtemissionen“, sagte sie. Hoch ist das Potenzial auch für Photovoltaik und Solarthermie. Pro Quadratmeter Photovoltaikanlagen könnten 65 Kilogramm CO2 pro Jahr eingesparten werden, mit Solarthermieanlagen sogar bis zu 98 Kilogramm. „Insgesamt sind durch Solartechniken Einsparungen von 118.000 Tonnen CO2 pro Jahr möglich. Dies entspricht circa 89 Prozent“, hatte Kuperjans errechnet.

Durch die Sanierung vorhandener Gebäude seien weitere Einsparungen möglich. Eine Sanierungsquote von zwei Prozent, also etwa 115 Gebäude pro Jahr, stünde bis 2050 eine Einsparung von rund 10.000 Tonnen CO2 gegenüber. Weiterhin könnten durch jede ersetzte MWh aus einer Geothermieanlage aktuell etwa 60 Kilogramm CO2 pro Jahr eingespart werden, Tendenz steigend. Durch die Schaffung eines Fernwärmenetzes mit CO2-neutraler Wärmeerzeugung wären weitere mehr als 4500 Tonnen CO2 pro Jahr vermeidbar. Das führe zugleich zu einer Verbesserung der Luftqualität.

Weitere Potenziale böten eine Bewusstseinsbildung für das Thema Klimaschutz in der Bevölkerung, Anpassungen des Verhaltens der Nutzer und die Verschiebung von Verkehrsleistungen mit weiteren, derzeit nicht bezifferbaren Einsparungen, schloss Kuperjans ihren Vortrag.

Nächste Schritte sind jetzt ein öffentlicher Workshop und die Bildung einer Arbeitsgruppe Fernwärme. Während der Sommerferien sollen alle Ideen aufbereitet werden. Nach einer weiteren Diskussionsrunde im August und September sollen die Klimaschutz-Ziele, verbunden mit einem Klimaschutz-Fahrplan für die Stadt Wassenberg, im Oktober und November ausgearbeitet werden.

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